Burg l Trotz vieler Gespräche und jahrelanger Verhandlungen mit Stadtverwaltung und Stadtrat sind die Würfel gefallen: Die Aldi-Filiale an der Zerbster Chaussee wird geschlossen. Laut Pressestelle der Konzernleitung am kommenden Donnerstag. Die etwa 700 Quadratmeter Verkaufsfläche passten nicht in das Zukunftskonzept, bestätigte Pressesprecher Manuel Sentker. Auch die Tatsache, dass Aldi nicht im Besitz des Objektes ist und dort nur begrenzte Erweiterungsmöglichkeiten bestehen, hat nach Recherchen der Volksstimme zu der Entscheidung geführt. Aldi will mit seinem Konzept „ANIKo“ (Aldi Nord Instore Konzept) vor allem komfortablere Verkaufsmöglichkeiten wie breitere Gänge und mehr Waren-Übersichtlichkeit schaffen.

Gespräche laufen

Weil auch zahlreiche Einwohner und Volksstimme-Leser, insbesondere aus der Siedlung, die Schließung bedauern, wird jetzt nach Ausweichstandorten gesucht. Aldi teilte der Volksstimme mit: „Wir sind im Gespräch.“ Zu laufenden Verhandlungen wolle das Unternehmen keine weiteren Einzelheiten mitteilen. Auch Stadträte sind interessiert, dass Aldi in Burg bleibt, zumal die Zukunft der zweiten Filiale an der Zibbeklebener Straße noch offen ist. „Es ist verständlich, dass viele Einwohner weiterhin auf Aldi setzen. Ich auch. Wir haben aber noch keine endgültige Lösung gefunden und werden die Gespräche fortsetzen“, sagte Bauausschussvorsitzender Clemens Engel (CDU).

Kritik an Plänen

Stadt-Pressesprecher Bernhard Ruth bestätigte, dass Aldi eine Verkaufsfläche von 1200 Quadratmetern anstrebe. Allerdings steht das Büro Junker und Kruse, das die Einzelhandelsstudie für Burg erarbeitet hat und immer ergänzt, diesen Plänen kritisch gegenüber. Das wurde der Stadt bereits im April vergangenen Jahres mitgeteilt. Die Fachleute befürchten eine zu große Kaufkraftabschöpfung zu Lasten des innerstädtischen Einzelhandels, wie aus einem Schreiben hervorgeht. Umliegende Nahversorger in der Stadt müssten Umsatzeinbußen hinnehmen.

Erst Abriss, dann Neubau

Allerdings: Für die Stadt kommt es noch dicker. Während sich Aldi noch in den Verhandlungen befindet, ist das Konkurrenzunternehmen Lidl bereits einen Schritt weiter: Der Markt an der Magdeburger Chaussee (ehemals Molkerei-Kreuzung) mit einer aktuellen Verkaufsfläche von rund 800 Quadratmetern soll auch auf 1200 Quadratmeter erweitert werden. Wie die Volksstimme erfuhr, ist nach einem Abriss ein Neubau vorgesehen. Dies bestätigten mehrere Akteure. Das Unternehmen habe dieses Konzept sogar mit einem entsprechenden Gutachten untermauert. Demnach werde keine Konkurrenzsituation zu anderen Anbietern in der Stadt befürchtet. Lidl selbst teilte auf Anfrage der Redaktion mit, dass sich der Konzern noch in der Planungsphase befinde.

Zwickmühle

Pressesprecherin Melanie Pöter: „Lidl entwickelt sein gesamtes Filialportfolio kontinuierlich qualitativ und quantitativ weiter. Auch in Burg wollen wir unseren Kunden eine moderne Einkaufsstätte mit attraktiven Einkaufsbedingungen präsentieren.“ Mehrere Stadträte sehen die Verwaltung in der Zwickmühle. Wenn Lidl erweitern darf, was der Kreis zu entscheiden hat, könne es Aldi nicht untersagt werden. Viele der Beteiligten wollen nun einen Mittelweg finden. Es gehe auch darum, einen Verdrängungswettbewerb zu vermeiden, sagte Engel.