Burg l Donnerstagvormittag, 10.25 Uhr. Über Burg heult die Sirene. Ein Frühstart am Warntag? Nein, es ist Feueralarm, der einminütige Dauerton, zweimal unterbrochen. Die Leitstelle hat einen Brand in der Magdeburger Chaussee gemeldet. Eine halbe Stunde später verdunkelt sich der Himmel über Burg, was wie ein Teil der Dramaturgie wirkt. Um 11 Uhr, als eigentlich die Sirenen den einminütigen an- und abschwellenden Alarmton abgeben sollen, bleibt es still. In der Schartauer Straße schlendern die Passanten gemütlich an den Geschäften vorbei, plaudern mit Bekannten und brunchen im Café. Von Anspannung oder Unruhe vor dem, was da kommt, nichts zu spüren. Es wirkt, als ob es niemanden interessiert.

Erst mit sechs Minuten Verspätung dröhnt der Ton aus der Sirene auf dem Feuerwehr-Gerätehaus, der im Zweiten Weltkrieg Fliegeralarm bedeutete. Manch einer in der Innenstadt schaut auf die Uhr, deutet dem Nebenmann aufs Ziffernblatt und ein leichtes Schmunzeln geht durch die Runde. Nicht einmal pünktlich, wie vorher angekündigt. Damit war die Aufmerksamkeit aber auch schon wieder vorbei.

Kein Interesse an der Warn-App

„Ich kenne das noch vom Krieg. Da war man die Töne gewöhnt“, sagt Wolfgang Engelmann (77). „Es ist gut, wenn es für Notfälle getestet wird“, meint Andrea Mock (56) zuckt dabei aber unbeeindruckt mit den Schultern. Ob jemand die Warn-App „Nina“ installiert und getestet hat? Es ist niemand anzutreffen. „Nein. So weit kommt es noch“, lacht Engelmann. Und Brigitte Köppen ist froh, wenn sie normal mit ihrem Smartphone klar kommt: „Das müssten meine Kinder für mich installieren und mir ausführlich erklären. Das ist mir zu umständlich.“ So setzen alle ihren Bummel fort und schlürfen den Kaffee aus, als wäre nichts passiert.

Um 11.20 Uhr soll die Entwarnung folgen, doch der einminütige Dauerton ist nicht zu hören. Auch 20 Minuten nach dem verspäteten Alarm bleibt es still. Und Burg ist kein Einzelfall. Auch in Genthin heult die Sirene nicht pünktlich, auch in der Kanalstadt bleibt die Entwarnung aus. In Möckern beginnt der Alarm erst um 11.08 Uhr, der Ton scheint deutlich zu leise zu sein. In Lostau, wo der Alarm auch nicht pünktlich gewesen ist, erfolgt die Entwarnung über die Digitalempfänger der Feuerwehrleute, davon bekommen die übrigen Einwohner natürlich nichts mit.

Technische Probleme als Ursache

Beim Landkreis wird ein technisches Problem für die Pannen verantwortlich gemacht. Die 129 Sirenen im Jerichower Land seien zeitgleich um 11 Uhr angesteuert worden. „Vermutlich durch technische Probleme kam es zur Verzögerung oder zum Nichtauslösen einzelner Sirenen, was jetzt im Nachgang überprüft werden muss“, teilte Pressesprecherin Claudia Hopf-Koßmann auf Anfrage mit. Gleiches treffe auf die Entwarnung um 11.20 Uhr zu.

Dass der Ton leiser als der Feueralarm wahrgenommen worden sei, täusche nicht. Dies sei abhängig von der bauartbedingten technischen Ausstattung der Sirenenanlage und von der Tonfolge. Im Ernstfall müsste sich der Landkreis auch nicht auf Sirenen oder Warn-Apps verlassen, dann könnte die Bevölkerung auch per Lautsprecherwagen gewarnt werden, hieß es aus der Kreisverwaltung.