Zahlen und Fakten

Eckpunkte zur Vernässung des Bürgerholzes(1995)

• Teilberäumung des Ringgrabens auf einer Länge von rund 5600 Metern

• Instandsetzung von nicht mehr funktionierenden Zulaufgräben zum Ringgraben

• Anhebung, Rückhaltung und Steuerung der Wasserströme durch den Einbau von naturnahen Sohlgleiten

• Beräumung der alten Stichgräben vom Ringgraben in die Waldflächen

Burg l Klimawandel und die Tatsache, dass die Wasserströme am Burger Stadtwald vorbeilaufen, haben über Jahre hinweg ihre Spuren hinterlassen. Sogar alte Eichen, die mehr als 100 Jahre auf dem Buckel haben, sterben teilweise ab, konstatierte Revierförster Andreas Vogel vom Betreuungsforstamt Nedlitz (Anhalt) auf der jüngsten Sitzung des neuen städtischen Umweltausschusses. Auch im ursprünglich feuchten Totalreservat des Naturschutzgebietes (NSG) sei der Wasserspiegel gesunken.

Wie kann der Zustand geändert werden? Mitglieder des Gremiums sowie Vogel erinnerten an einen alten Ringgraben mit Wehr, das einst existierte und den Wasserlauf steuerte. Dieses Wehr ist heute nicht mehr in Betrieb, gar „herrenlos“ und müsste instand gesetzt werden, sagte der zuständige Mitarbeiter der Stadtverwaltung, Wieland Günther.

Während sich der Ausschuss auf einen Lokaltermin in den kommenden Monaten einigte, erinnert Planer Konrad Spiegler derweil an ein Konzept zur Vernässung des Bürgerholzes, das sein Büro nach einer ersten Variantenuntersuchung 1992 dann im Jahr 1995 im Auftrag der Stadt und der damaligen Sanierungs-, Qualifizierungs- und Innovationsgesellschaft (SQI) erstellt hatte. Die Baukosten beliefen sich seinerzeit auf rund 480 000 D-Mark. Der Kern besteht darin, das Wasser, das derzeit vielfach ungenutzt Richtung Elbe-Havel-Kanal fließt, in das Waldgebiet zu leiten. Konkret müssten der Ringgraben mit den zulaufenden Stichgräben auf etwa 5600 Meter beräumt und die entsprechenden Zulaufgräben auf Vordermann gebracht werden. Naturnahe Sohlgleiten könnten dazu dienen, das Wasser zurückzuhalten und zu steuern. „Die Wiedervernässung des Bürgerholzes ist aus meiner Sicht nach wie vor durch entsprechende wasserbauliche Arbeiten lösbar“, sagt Spiegler und verweist auf verschiedene Förderprogramme, die auch noch heute zur Verfügung stehen, wie die Wasserrahmenrichtlinie oder das Umwelt-Sofort-Programm.

Papier noch einmal Thema im Umweltausschuss

Auch für den Vorsitzenden des Umweltausschusses, Uwe Hornung (CDU), hat das Thema Priorität. „Angesichts des Klimawandels und der Bedeutung unseres Stadtwaldes müssen wir handeln. Das Konzept sollte noch einmal im Ausschuss erörtert werden, um auszuloten, welche Möglichkeiten kurz- und mittelfristig umgesetzt werden können.“

Warum das Konzept vor etwas mehr als 25 Jahren nicht in die Tat umgesetzt wurde, ist laut Stadt-Pressesprecher Bernhard Ruth „nicht nachvollziehbar“. Auf jeden Fall aber sei es richtig zu prüfen, „in welchem Maße nach Absprachen zwischen Verwaltung und Stadtrat Haushaltsmittel eingestellt werden können, um das Problem anzugehen“. Das vorliegende Konzept sei dafür eine wichtige Grundlage „und der Schutz des Stadtwaldes besonders wichtig“, so Ruth.

Die Wasser-Probleme rund um den Stadtwald gehen indessen tief in die DDR-Zeit zurück. „Das Grünland nördlich von Reesen litt in den 60er und 70er Jahren stark unter Nässe- schäden. Ursachen hierfür waren die schlechten Vor- flutverhältnisse und Schäden, die durch die damalige Manövertätigkeit der sowjetischen Streitkräfte hervorgerufen wurden. Zur besseren Nutzung der landwirtschaftli- chen Flächen wurden des- halb die dortigen Gräben ausgebaut“, blickt Spiegler zurück. Die Folgen: Damit verbesserten sich zwar die Wasserverhältnisse im Grünlandbereich, der verstärkte Wasserabfluss führte jedoch auch zu einer Entwässerung des Bürgerholzes. Daraufhin wurden Staubauwerke errichtet, „doch leider oft falsch bedient oder durch Militärfahrzeuge beschädigt“, so Spiegler.

Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen

Im Jahr 2004 stand das Thema wieder auf der Tagesordnung: Damals sollte die Vernässungsprojekt als so genannte Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme für den Bau des Elbe-Havel-Kanals umgesetzt werden. Nach Gesprächen mit dem damaligen Wasserstraßenneubaumt wurde sogar ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Umgesetzt wurde das Vorhaben aber ebenfalls nicht.

„Es ist aber nicht zu spät dafür. Es gibt Möglichkeiten, den Zustand zu verbessern“, ist Spiegler überzeugt. Immerhin habe der Stadtwald einen hohen ökologischen Wert und ist Lebensraum für viele seltene Tiere und Pflanzen. Ein Markenzeichen ist das großflächige Waldgebiet aus Erlen-Bruch- und Erlen-Sumpfwäldern mit gefährdeten Arten wie Sumpffarn und Wasserfeder. Die Feuchtwälder werden seit Jahrzehnten von verschiedenen Brutvögeln bewohnt. So ist der Kranich dort ebenso heimisch wie der Schwarzstorch. Außerdem ist das Bürgerholz zum Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Schutzgebiet.