Burg l „Ich beregne alles – außer den Rasen“, sagt Rudolf Kruck von der Gartensparte „Sonnenschein“. Auch Parzellennachbarin Anita Kleinod kämpft mit dem Gartenschlauch gegen die Dürre an: „Blumen und mein Gemüse bekommen jeden Tag Wasser.“ Auf das Wässern der Obstbäume und der kleinen Grasfläche verzichtet sie, „das wächst eh wieder.“ Man komme nur mit mehrmaligem täglichen Gießen hinterher, müsse morgens und abends in den Garten, sonst verbrennen auch Bohnen, Zwiebeln und Co. Die Obstbäume kommen, wie es scheint, mit der Trockenheit klar, lassen zwar in der Nachmittagssonne die Blätter etwas hängen, doch fast jeder Baum hat einen hohen Fruchtbesatz – kleine Äpfel, Birnen oder Pflaumen – davon aber reichlich.

Brunnen versorgen die Gärten

Kruck und Kleinod stehen in ihrem Umgang mit der bisher so nicht gekannten Trockenperiode stellvertretend für die zahlreichen organisierten Kleingärtner der Burger Gartenvereine. Jede Gartensparte habe da ihre eigenen Bedingungen, erzählt der Vizepräsident des Kreisverbandes der Gartenfreunde, Bernhard Hechel. Es gebe Gärten, die verfügen über private Brunnen, andere drehen nur den Hahn auf. „Dort übernimmt ein Brunnen die zentrale Wasserversorgung für den gesamten Verein.“ Ob auf die Kleingärtner auf Grund der Trockenheit höhere Kosten zukommen? „Je nach Satzung wird pauschal abgerechnet – über eine Wasserumlage“, erklärt Hechel, „Die setzt sich aus der Quadratmeterzahl der Gartenfläche zusammen und variiert nur in der Höhe des Betrags.“

So bezahlen die Vereinsmitglieder im „Lärchengrund“ am Pietzpuhler Weg ein Umlage von fünfzehn Cent pro Quadratmeter. „Da ist aber der Betrieb und die Instandhaltung des Brunnens und der Leitungen mit drin.“ Gärtner mit eigenem Brunnen sind für ihre Kosten selbst verantwortlich. In trockenen Perioden springen natürlich die Pumpen öfter an und verbrauchen somit mehr Strom. „Wie sich das dann auf die Umlage auswirkt, sehen wir bei der Jahresabrechnung.

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Wasserknappheit ist also nicht das Problem der Kleingärtner, sie treibt eine andere Sorge um: die „Überalterung“ der aktiven Kleingärtner. „Jeder Kleingartenverein ist selbstständig und hat seinen eigenen Vorstand“, erklärt der Vizepräsident, „Da findet sich für die Vereinsarbeit kaum jemand.“ Die Vorstände seien zum Teil auf zwei bis drei Mitglieder geschrumpft und „die machen nur noch das Notwendigste, um den jeweiligen Verein am Leben zu erhalten.“ Manche Sparten müssen sogar demnächst aufgelöst werden. Grund sei der Leerstand. Wo sich die Gartenfreunde nicht der halterlosen Parzellen annehmen, dringt bald Unkraut in noch bewirtschaftete Gärten. Das mache dann mehr Arbeit, die Anlage wirkt insgesamt unansehnlich und die Kleingärtnerei wird dann erst recht unattraktiv. Ein Teufelskreis.

Flächen liegen brach

Wo das Vereinsleben noch intakt ist, nehmen schon mal Mitglieder Rasenmäher und Sichel in die Hand, damit Ackerwinde und Distel nicht die Gartengrenzen überwinden. „Wir haben doch alle was davon, wenn die leerstehenden Gärten gemäht werden“, sagt Rudolf Kruck. „In einigen Fällen haben in den vergangenen Jahren auch junge Familien Spaß am Kleingarten gefunden“, sagt Hechel, doch die hätten kein Interesse an der Vereinsarbeit: „Sie nutzen ihren Garten zur Erholung und wollen für sich sein.“ Was jetzt schon über mehrere Jahre funktioniere: dass durch die Diakonie Gärten bewirtschaftet werden und die Gartenfrüchte dann über die Tafel bedürftigen Menschen zugute kommen.

Urlaub im Garten

Hechel nennt den Prozess „Gesundschrumpfen.“ Das habe historische, systembedingte Gründe. Mit der Wiedervereinigung habe die DDR die Hälfte der Kleingartenparzellen mit ins neue Deutschland gebracht – bei nur einem Viertel der Bevölkerung. „Damals machte man bei uns eben Urlaub im Garten und es war ja auch notwendig, eigenes Obst und Gemüse anzubauen“, erklärt Bernhard Hechel. Die Bedingungen haben sich verändert und damit auch das Interesse nach einem Garten. „Wobei es ja auch viele private Kleingärtner gibt“, die können sich aber nicht auf die Unterstützung des Vereins berufen, etwa bei der Einflussnahme auf Bebauungspläne oder einer Vertretung und Rechtsberatung, wenn die Pacht erhöht werden soll. „Wir unterliegen der Schutzwirkung des Bundeskleingartengesetzes, das ist von Vorteil.“

Als Erfolg sieht Bernhard Hechel die Beiträge des Kreisverbandes bei der Landesgartenschau: Der 13.000 Quadratmeter große „Waisenhausgarten“, direkt am Flickschupark gelegen, steht den Besuchern offen. Und das „Grüne Klassenzimmer“ ist ein attraktives Ziel vieler Schulen und Vereine, die dort mit gärtnerischen Themen, oft in spielerischer Form, in Berührung kommen.