Burg l Ein 57 Jahre alter Mann aus Magdeburg ist im Dezember 2015 vor Zeugen von der Magdeburger Hubbrücke in die Elbe gesprungen. Passanten hatten noch versucht, ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Er gab ihnen seine Katze und einen Abschiedsbrief. Dieser Sprung löste einen Großeinsatz von Feuerwehr, THW und Wasserwacht aus. Abends waren aus dem Jerichower Land mehr als 60 Feuerwehrleute entlang der Elbe im Einsatz. Es waren Angehörige der Wehren aus Biederitz, Schermen, Körbelitz, Lostau und Hohenwarthe. Beteiligt an der Suche, die nachmittags in Magdeburg begann, waren auch die Wasserwacht, das Technische Hilfswerk (THW), die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Vom Mann fehlte jede Spur.

Es war einer der letzten Einsätze der Wasserwacht des DRK-Regionalverbandes Magdeburg-Jerichower Land. „Die letzten zwei Jahre sind relativ ruhig gewesen“, sagt Kreisleiter Andreas Thiele. Um aber dennoch in Form zu bleiben, muss trainiert werden. Dazu wurde bereits im Januar ein Ausbildungstag zur Eisrettung ausgerichtet. Vor kurzem haben 14 Mitglieder der Wasserwacht verschiedene Bootsmanöver und das Retten von Verletzten aus dem Wasser auf dem Niegripper See und dem Mittellandkanal geübt. Hinzu kamen das Umsteigen zwischen den Booten und das Einfahren der Motoren. Eine weitere Ausbildung ist für den 3. April vorgesehen. Dann geht es für drei Tage an die Elbwiesen, um die Fließwasserrettung und die Handhabe mit der Technik zu verfeinern, um letztendlich gut für den Sommer vorbereitet zu sein.

Der harte Kern

Auf dem Papier stehen 120 Mitglieder bei der Wasserwacht. „Zum harten Kern gehören aber 20 bis 25 Ehrenamtliche, die aus dem gesamten Landkreis kommen“, erzählt Thiele. Zu ihren Aufgaben gehören das Retten von Personen aus dem Wasser, aber auch die Aufsicht in Freibädern. Bei einem Notfall wird als erstes die Feuerwehr alarmiert, dann kommen die Spezialisten. „Die Feuerwehr hat weder die Anzahl noch in der Größe ausreichende Boote für eine größere Suchaktion. Außerdem sind diese auch nicht für eine Rettung von Menschen ausgerichtet, weil eine entsprechende Beleuchtung fehlt“, erklärt der Leiter der Wasserwacht im Regionalverband. In Szenarien, wo das aber benötigt wird, kommt dann die Wasserwacht ins Spiel.

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Die Nachwuchssorgen der Wasserwacht decken sich mit denen anderer Hilfsorganisationen. „Bei den Kindern rennen sie uns die Tür ein, aber bei den Jugendlichen und Erwachsenen wird es schwieriger. Gerade, wenn es mit der Ausbildung losgeht, sind sie häufig weg“, macht Thiele deutlich. Leute, die Lust haben und das Element Wasser mögen, sind gern gesehen. Immer montags ab 19 Uhr wird in der Burger Schwimmhalle trainiert. Kinder können ab acht Jahren mitmachen und sich zum Junior-Wasserretter ausbilden lassen. Bleiben sie bis zum Übergang zu den Jugendlichen, machen sie während ihrer Ausbildungszeit ihren Rettungsschwimmer in Bronze. Dazu kommt eine erste Ausbildung im Sanitätsdienst. Die theoretische und praktische Ausbildung wird im Laufe des Jahres durch verschiedene Wettkämpfe aufgelockert.

Für Thiele ist es wichtig, Nachwuchs für die Mitarbeit in der Wasserwacht zu gewinnen. Denn: Die Aufgaben würden immer wichtiger werden, vor allem die Absicherung an Badegewässern. „Immer weniger Kinder lernen schwimmen“, sagt er aus Erfahrung. Ein Seepferdchen sei noch keine ausreichende Ausbildung, um ein Kind unbeaufsichtigt baden zu lassen. „Damit lerne ich lediglich, dass ich mich eine gewisse Zeit über Wasser halten kann“, verdeutlicht der Kreisleiter und appelliert hier an die Eltern, trotz Seepferdchen der Kinder entsprechende Vorsicht walten zu lassen.