Burg l Auch wenn die Lockerungen der Corona-Maßnahmen immer größere Kreise ziehen, ist das alltägliche Leben dennoch davon entfernt, wieder als normal bezeichnet werden zu können. Viele Bereiche des Lebens werden noch von dem Virus beeinflusst, so auch Seminare und Fortbildungen. So führte der AWO-Landesverband Sachsen-Anhalt ein Online-Seminar zum Thema „Blicke hinter die Fassade - Wie sich menschenverachtende Ideologie in Kleidung, Worten und Symbolen niederschlägt“ durch. Ein durchaus brisantes und aktuelles Thema, wie der Bericht des Ministeriums für Inneres und Sport über politisch motivierte Kriminalität im Jahr 2019 zeigt. Dort ist abzulesen, dass im Jerichower Land im vergangenen Jahr 83 politisch motivierte Straftaten verübt wurden. Zwei davon werden dem linken politischen Spektrum zugeordnet, 81 dem rechten politischen Spektrum. In Sachsen-Anhalt waren es insgesamt 2 232 politisch motivierte Straftaten. Im Vergleich zum Vorjahr waren das 20,9 Prozent mehr.

Somit war dies ein Thema, das im Jerichower Land durchaus angesprochen werden sollte. Der Vortrag wurde von Georg Schütze vom Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt gehalten, allerdings in deutlich anderer Form als die Seminare, die von der AWO organisiert werden, sonst durchgeführt werden. Die Anzahl der Teilnehmer – 15 waren angemeldet – unterschied sich nicht von den Seminaren, die sonst bei persönlichen Treffen zusammenkommen. „Ich war mit der Zahl der Anmeldungen ganz zufrieden und es waren auch so viele Anmeldungen wie bei den vorherigen Vorträgen und Workshops“, so Elke Förste von der AWO-Koordinierungs- und Fachstelle der Stadt Genthin.

Ablauf ist sehr entspannt

Über einen Link konnten die Teilnehmer den virtuellen Seminarraum betreten. Elke Förste ist mit dem Ablauf zufrieden: „Den Ablauf fand ich sehr entspannt, da ja mein Part als Veranstalter doch mehr in den Hintergrund gerückt ist. Sonst muss man sich vorher ja um alles kümmern – wie um Raum, Catering, Moderationswand, Beamer, Flipchart, Schreibmaterial und ähnliches.“

Obwohl sich inzwischen wieder mehr Personen treffen können, sollen in naher Zukunft weitere Seminare in dieser Form stattfinden. „Es sind weitere Seminare geplant – am 18. Juni findet ab 15 Uhr ein Webinar ‚Radikalisierung begegnen‘ statt“, erklärt Förste. „Von 13 bis 15 Uhr findet außerdem ein Online-Vortrag zum Thema „Faire Integration – Welche Rechte habe ich im Beruf?“ statt.

Online-Vorträge auch nach Corona wichtig

Der Vortrag zu den menschenverachtenden Ideologien und Symbolen war eigentlich für Anfang Mai im Genthiner „Lindenhof“ geplant gewesen und wurde dann wegen Corona zu einem Online-Vortrag umgewandelt. Mit dieser Art, die Veranstaltungen durchzuführen, kann sich Elke Förste durchaus anfreunden: „Ich denke, dass Online-Vorträge und Webinare auch nach Corona weiter präsent sein werden. Der Vorteil ist hier, dass man viel mehr Menschen erreichen kann und eine Teilnahme auch bequem von zu Hause möglich ist.“ Auch wenn das Coronavirus viele Probleme verursacht hat, ist sie motiviert, die daraus resultierenden Aufgaben zu übernehmen: „Wir müssen hier einfach umdenken und uns der Herausforderung der neuen Formate stellen. Es wird definitiv eine Ergänzung der bisherigen Angebote geben.“ Und ganz neu sind die Online-Angebote für die AWO auch nicht. Bereits im vergangenen Jahr – ohne Corona – wurden schon zwei solcher Veranstaltungen angeboten.