Weißer Ring und Opferschutz

Der Weiße Ring wurde 1976 gegründet. Er ist die einzige bundesweit tätige Opferschutzvereinigung, die mit 420 Außenstellen ein flächendeckendes Hilfsnetz für in Not geratene Opfer von Kriminalität anbietet.

Die Außenstelle im Jerichower Land verfügt aktuell über drei Berater: Karl-Heinz Summa aus Niegripp (Leiter), Hadmuth Mielke aus Genthin und Frank Nagel aus Detershagen. Allein im vorigen Jahr wurde 30 Kriminalitätsopfer aus dem Kreis betreut.

Kontakt: Die Außenstelle des Weißen Rings ist unter 03921/484152 erreichbar. Eingerichtet ist ein bundesweites kostenloses Opfer-Telefon: 116006.

Der weiße Ring arbeitet im Jerichower Land unter anderem eng mit dem Frauenhaus Burg (03921/2140), der Opferberatung im Polizeirevier (03921/920250) und Anwälten zusammen.

Neben Präventionsberatung und Vorträgen spielt die Beratung und Betreuung von Kriminalitätsopfer die zentrale Rolle für die ehrenamtlichen Mitarbeiter. Dazu gehören unter anderem

• menschlicher Beistand und persönliche Betreuung nach der Straftat

• Opfer zu Termien mit Polizie, Staatsanwaltschaft und Gericht begleiten

• Hilfe bei Behörden, Ausfüllen von Formularen

• Vermitteln von Hilfe bie anderen Organisationen

• Übernahme von Anwaltskosten und Opferrechte zu wahren oder sozialrechtliche Ansprüche durchzusetzen

• Erholungsmaßnahmen, Kuren, Urlaub von Opfern und ihre Angehörigen

• Finanzielle Unterstützung, um tatbedingte Notlagen zu überbrücken

Ganz wichtig: Gewaltopfer haben gesetzlichen Anspruch auf staatliche Hilfen und Entschädigungen. Dazu gehören Heilbehandlungen und Renten. Dies muss beantragt werden.

Der Weiße Ring finanziert sich aus Beiträgen von Mitgliedern (bundesweit etwa 53000), Spenden, Erbschaften und Mitteln aus für gemeinnützige Zwecke verteilte Bußgelder, die Gerichte als Strafen verhängen.

Burg/Genthin l Das Telefon klingelt. Der DRK-Migrationsdienst ist dran. Ein 15-jähriger Flüchtling wurde schwer geschlagen. Karl-Heinz Summas Hilfe für das Opfer dieser Straftat wird benötigt. „Geben Sie mir die Telefonnummer des Jungen, wir kümmern uns.“ Karl-Heinz Summa ist Leiter der Außenstelle des Weissen Ringes im Jerichower Land. Der Niegripper macht das seit 2009. Ehrenamtlich. Es gibt viel zu tun.

Hilfe für die Opfer

„Kriminalitätsopfer kann jeder werden, ganz schnell, unvorbereitet.“ Davon ist Summa überzeugt. Im vorigen Jahr haben Summa und seine beiden Mitstreiter Hadmuth Mielke und Franke Nagel aus Detershagen etwa 30 Opfern von Kriminalität geholfen.

Der Weisse Ring ist eine gemeinnützige Organisation. Seit 1976 kümmert sie sich bundesweit um die Betreuung Kriminalitätsopfern und die Durchsetzung von deren Rechten, vor Gericht, gegenüber Behörden.

„Wir haben große Nachwuchssorgen“, ist Summa bedrückt. Er uns seine Berater sind inzwischen um die 70 Jahre alt, knapp davor und knapp darüber. Summa würde gern, dass die wichtige Ehrenarbeit fortgesetzt wird. „Seit sechs, sieben Jahren versuchen wir, neue ehrenamtliche Mitstreiter zu bekommen.“ Bisher Fehlanzeige.

Warum ist das so?

Die Arbeit ist nicht einfach und aufwändig, schätzt Summa ein. Menschen, die Opfer von Straftaten geworden sind, brauchen oft Trost. Beistand für einen Ausweg aus einer schwierigen Lage. Sie benötigen aber Hilfe, Wege zu Behörden und vor Gericht zu gehen. Anträge müssen korrekt ausgefüllt werden.

„Man muss auch los lassen können“, verweist der Niegripper auf schwierige Situationen, wenn es den Berater auch schwer mitzunehmen droht. „Bei sexuellem Missbrauch ist das so oder häuslicher Gewalt.“ Auch im lauschigen Jerichower Land gibt es derartige Verbrechen. Im Jahr 2016 gab es etwa 6300 Straftaten im Kreis.

Es gibt komplizierte und langwierige Fälle. Ein Kriminalitätsopfer betreuen Summa und seine Mitstreiter seit zwei Jahren.

Präventionsarbeit

In schwierigen Fällen geht es auch um Kuren oder Renten.

Wer sich das Betreuen und Beraten von Opfern nicht zutraut, kann anderes helfen, etwa in der Präventions- oder in der Öffentlichkeitsarbeit, wirbt Summa. Die Ring-Berater informieren unter anderem zu Taschen- und Fahrraddiebstahl, Enkeltricks, Einbruchschutz, Cybergrooming (sexuelle Belästigung im Internet) „Wir gehen in Schulen und Kitas, zur Volkssolidarität. Wir sind dabei, wenn das Landeskriminalamt mit seinem Mobil Tipps gibt. Das ist sehr wichtig.“

Wer Berater beim Weissen Ring werden will, wird geschult. Es gibt Lehrgänge und Seminare. Dafür und für den Aufwand im Ehrenamt werden Kosten übernommen.

„Es ist keine leichte Arbeit“, will Summa niemandem heile Welt vormachen. Doch warum tut man sich das an? „Mein Mitstreiter und ich haben wohl ein Helfer- und Gerechtigskeitssyndrom.“ Er verspürt Genugtuung, wenn er einem Kriminalitätsopfer in schwieriger Zeit zur Seite stehen und helfen konnte. Karl-Heinz Summa denkt zum Beispiel an eine junge Mutter. Sie war mit ihren zwei Kindern vor dem gewalttätigen Mann ins Frauenhaus in Burg geflohen.

Nach der ersten Zuflucht hat Summa der kleinen Familie geholfen, einen Neuanfang zu finden. „Die Frau wohnt mit ihren Kindern jetzt in einem anderen Ort. Wir haben bei der Wohnungssuche und beim Umzug geholfen, auch finanziell. Es geht ihnen jetzt gut.“ Auch wenn sicher die Erinnerungen an die schlimmen Erlebnisse bleiben werden.

Am Dienstag, 20. Februar veranstaltet die Opferhilfsorganisation Weisser Ring deshalb um 18 Uhr in der Kreisverwaltung (Saal Jerichow, Bahnhofstraße 9, in Burg) eine Informationsveranstaltung, um Interessierte fürs Ehrenamt zu gewinnen. Schirmherr ist Landrat Steffen Burchhardt (SPD).