Parchau/Tucheim/Burg l LSA 47883 – ein Polizeiwagen mit diesem Kennzeichen steht nachmittags vor der Haustür von Eugen Jung in Tucheim. Zwei Beamte holen den 77-jährigen Mann aus der Wohnung und nehmen ihn in Gewahrsam. Die 25-Kilometer-Strecke zur Kirche nach Parchau ist für den unbescholtenen Bürger eine Premiere: „Es war sehr gemütlich, allerdings kann man wegen der Zenralverrieglung nicht alleine aussteigen.“

Zum 19. Konzert des Landespolizei-Orchesters in großer Besetzung mit 34 Musikern bekommt Eugen Jung einen Platz in der ersten Reihe. Er ist der Komponist des Burger Polizeimarschs, den das Orchester am Sonnabend uraufführt. Auch Komponist Jung hate das Stück noch nie zuvor gehört.

Geduldig lauscht er den ersten elf Titeln, ehe sein Marsch an der Reihe ist. Die ersten Töne sind erklungen. Sein Marsch klingt kraftvoll und flüssig. Doch beim Zuhören verzieht Eugen Jung keine Miene. Er lächelt erst, als ihm Orchesterchef Uwe Streit eine Partitur seines Stücks überreicht.

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1968 kam Eugen Jung aus Magdeburg nach Tucheim: „Wir wollten aufs Land, der Ruhe wegen.“ Sein Arbeitsleben verbrachte der Musiker als Kontrabassist am Theater Magdeburg. „Seinerzeit gehörten sieben Kontrabassisten zum Orchester.“ Mit dem Ruhestand wollte Eugen Jung weniger spielen, als sich vielmehr seiner zweiten Leidenschaft zuzuwenden: „Ich komponiere Stücke für Orchester und Chöre.“

Idee kam beim Konzert in Güsen

Häufiger besuchte Jung die Konzerte des Polizeiorchesters in Güsen: „Und da ist mir auch die Idee für den Burger Polizeimarsch gekommen.“ Im Sommer vergangenen Jahres kam Eugen Jung ins Polizeirevier der Kreisstadt, gab dort einige Notenblätter ab. Kurz darauf bekam Orchesterleiter Uwe Streit diese Blätter in die Hände. Er erinnert sich: „Es war eine Flügelhornstimme, alles per Hand geschrieben.“ Es folgten dutzende Konsultationen zwischen beiden Musikern, zwischendurch digitalisierte Streit die Noten und fertig war der Burger Polizeimarsch. Uwe Streit meint: „Zum einen ist es eine Bereicherung für uns, zum anderen macht es mir Spaß, anderen Menschen eine Freude zu bereiten.“ Vor Jahren arbeitete Uwe Streit mit dem verstorbenen Klietznicker Musiker Albert Derz zusammen.

Unterdessen moderierte Polizist Thomas Kriebitzsch das Konzert an. Er ist optimistisch, dass im kommender Jahr der 20. Auftritt des Orchesters in Parchau folgen wird.

Die musikalische Bandbreite des Orchesters reicht von klassischer Musik bis hin zu zeitgenössischen Songs, von populärer Blasmusik bis hin zum Swing. Der gastgebende Pfarrer Peter Gümbel definiert die Orchestermusik als schwungvoll mit fröhlichen Melodien. Genau dies lieferten die Musiker ab, zum Beispiel bei der Feuerfest-Polka von Josef Strauß, dem Bruder von Walzerkönig Johann Strauß.

Zuständig fürs Herz war Sängerin Doreen Günther unter anderem mit „Küss mich, halt mich, lieb mich“. Oder Geigen-Talent Marlin Fragmanski, der ein Wiegenlied von Franz Schubert spielte. Gelungen war auch das Querflöten-Solo von Karolin Ortwein. Die junge Künstlerin stieß erst im September zum Orchester. Das alles erlebten die Besucher witzig moderiert von Saxophonist Ronald Degen.

Und ja, die Polizei brachte Eugen Jung mit dem Auto zurück nach Tucheim.