Wie ist der aktuelle Stand der Bürgerinitiative „Stark für Woltersdorf“, welche Aktivitäten haben Sie entwickelt?
Thomas Lammich: Nachdem wir unseren Einwand gegen die geplante Erweiterung beim Landkreis fristgerecht eingereicht haben, sind wir nun vorbereitet auf den Erörterungstermin. Dieser Termin wurde aufgrund der Corona-Lage abgesagt, und es wird noch nach einem Ausweichtermin gesucht. Allgemein stellt uns die Pandemielage als Bürgerinitiative vor große Herausforderungen. Wir können zurzeit keine Treffen veranstalten, die aber durchaus notwendig wären. Trotz der widrigen Umstände bekommen wir immer mehr Zuspruch. Uns kontaktieren immer mehr Einwohner, auch aus den angrenzenden Ortschaften, wie Gerwisch, Körbelitz, Büden und Wörmlitz. Da wir uns immer wieder selbst die Frage stellen, ob wir auf dem richtigen Weg sind, bestätigt uns dieser Zuwachs sehr. Wir sind im regelmäßigen Austausch mit unseren Anwälten. Zum Stand möchte ich jedoch aus taktischen Gründen nicht ins Detail eingehen. Sehr positiv nehmen wir wahr, dass sich Stück für Stück auch die Politik für das Anliegen der Einwohner interessiert. Dies ist zum Beispiel am unterstützenden Antrag der CDU-Fraktion im Gemeinderat zu erkennen. Auch wenn diesem nicht zugestimmt wurde, so sind wir sehr froh, dass das Interesse besteht, unser Anliegen zu unterstützen. Es gibt seit letzter Woche auch eine Anfrage der AfD-Fraktion des Kreises zu unseren Belangen.

Was genau wollen Sie erreichen? Was sind ihre Anliegen?
Wir haben drei Kernbereiche. Da ist zum einen unser Widerspruch gegen das Bauvorhaben der drei neuen Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von 241 Metern, die nur knapp einen Kilometer vom Ort entfernt gebaut werden sollen. Das lehnen wir ab! Die Entscheider, aber auch alle anderen, sollen wahrnehmen, dass dies den ohnehin bereits belasteten Einwohnern der an den Windpark angrenzenden Ortschaften noch mehr Belastungen auferlegen würde. Mit diesen Belastungen müssten die Einwohner mindestens die kommenden 30 Jahre leben! Auch wenn zurzeit immer wieder argumentiert wird: „Wir müssen hier für die gesamte Gemeinde entscheiden“, so sind es jedoch die Einwohner am Windpark, die mit den Belastungen aus diesen Entscheidungen leben müssen.

Der zweite Kernbereich berührt das geplante Repowering des bestehenden Windparks. Wir stehen erneuerbaren Energien grundsätzlich positiv gegenüber. Die Einwohner am Windpark haben sich mit der aktuellen Einrichtung arrangiert. Uns ist bewusst, dass wir alle an der CO�-Reduzierung mitwirken müssen. Woltersdorf und die angrenzenden Ortschaften haben jedoch mit dem aktuellen Windpark ihren Anteil geleistet. Mehr sogar: Wir tragen einen nicht unerheblichen Anteil für den Großraum Magdeburg mit. Uns ist deshalb wichtig, dass die Einwohner in die noch in diesem Jahr startenden Planungen zur Erneuerung der Windkraftanlagen eingebunden werden. Wir wollen hier konstruktiv mit den Firmen ins Gespräch kommen und ihnen unsere Anliegen mitteilen. Ich bin mir sicher, dass wir zusammen einen Weg finden.

Und der dritte Kernbereich?
Anlagen sollen laut einem regionalen Entwicklungsplan künftig in Vorranggebieten errichtet werden. In unserem Fall geht es hier um das Vorranggebiet IV Büden-Woltersdorf. Der Regionale Entwicklungsplan wird gerade aktualisiert und liegt in den Gemeinden zur Einsichtnahme aus. Hier kann dann jeder bei Interesse Einsicht nehmen. Das geht auch unter www.regionmagdeburg.de. Wenn zur ausgelegten Version Bedenken bestehen, können Einwände eingereicht werden. Für unser Gebiet ist eine Erweiterung des Vorranggebietes vorgesehen. Diese würde dann ermöglichen, dass noch mehr Windkraftanlagen gebaut werden dürften. Besonders skeptisch bewerten wir, dass diese Erweiterung die Anlagen noch näher an unseren Ort heranrückt. Dies ist so nicht hinnehmbar.

Was erfahren Interessierte auf der Internetseite www.woltersdorf.info? Warum wurde die Internetseite eingerichtet?
Wir versuchen hier möglichst alles an Informationen zusammenzutragen und mitzuteilen. Besonders in der aktuellen Situation, wo Treffen und Informationsveranstaltungen nicht stattfinden können, bleibt das Internet oft als einziger Kommunikationsweg. Auf unserer Webseite haben wir eine Möglichkeit geschaffen, Informationen zu hinterlegen, mit uns in Kontakt zu treten und sich der Bürgerinitiative anzuschließen. Jeder, der unsere Interessen teilt, kann sich hierüber der Bürgerinitiative anschließen. Je mehr sich zusammenschließen, umso mehr werden wir auch wahrgenommen.

Was wollen Sie konkret erreichen?
Wir wollen, dass unsere Anliegen gehört werden und entsprechend Berücksichtigung finden. Wir wollen, dass wahrgenommen wird, dass mit der Errichtung der drei neuen Windkraftanlagen für Einwohnern und auch die Natur, für mindestens 30 Jahre, eine noch höhere Belastung entsteht. Dieser Windpark ist aus unserer Sicht in seiner aktuellen Form voll ausgeschöpft.

Sie sprachen den CDU-Antrag an, der das Anliegen der Initiative unterstützen sollte. Er ist allerdings im Gemeinderat gescheitert…
Wir haben uns über diesen Antrag und das damit verbundene Zeichen sehr gefreut. Es ist sehr schade, dass das Anliegen des Antrages nicht aufgegriffen wurde. Vielleicht waren die Fristen zu sportlich gewählt. Wir hoffen, dass das in angepasster Form noch einmal aufgegriffen wird und dann auch bei den anderen Fraktionen Anklang findet.

Das Unternehmen Boreas Windenergie, das die neuen Anlagen plant, hat der Gemeinde ein finanzielles Angebot unterbreitet: 70 000 Euro will Boreas der Gemeinde drei Jahre lang zur Verfügung stellen. Wie bewerten Sie dieses Angebot?
Wir sehen dieses Angebot als einen erneuten Versuch, die Gunst der Einwohner und der Gemeinde zu kaufen. Leider ist aus dem Angebot keine Kreativität zu erlesen. Uns ist vollkommen bewusst, dass diese Firmen sehr wirtschaftlich getrieben sind, jedoch muss hier der Mensch wieder in den Mittelpunkt gerückt werden. Die Bürgerinitiative hat der Firma Boreas unter anderem mitgeteilt, dass eine Höhe von 241 Metern ein wirkliches Problem darstellt und die Boreas bietet in ihrem Angebot eine maximale Höhe von 250 Meter an. Das weckt Unverständnis bei uns. Wenn solche Geldangebote immer wieder Zustimmung finden, werden diese Firmen auch nicht ernsthaft auf die Anwohner an den Windparks eingehen. Dieses Band muss hier durchschnitten werden.

Was sind jetzt die nächsten Schritte der Bürgerinitiative?
Im Fokus steht aktuell das weitere Anbringen unserer Anliegen im Kreis und der Umgang mit dem Angebot der Boreas. Es soll auch in Magdeburg weiter auf unsere Anliegen aufmerksam gemacht werden. Zudem ist ein weiterer wichtiger Meilenstein der Erörterungstermin zu unserem Einwand gegen das Planungsverfahren. Ab Februar werden wir uns dann noch dem aktuell ausgelegten zweiten Entwurf des Regionalplanes widmen.