Loburg l Auf dem Hof des Barbyhaus-Geländes sind quasi über Nacht große Rhododendronbüsche gewachsen und das Klavier im Eingangsbereich des neuen Jahreszeitenrestaurants spielt ganz von alleine. Überhaupt grenzt hier einiges an Zauberei. Noch vor wenigen Tagen mochte man kaum glauben, dass die Unternehmer Alf und Erich Kullmann und Robert Dahl ihre beiden Häuser pünktlich würden eröffnen können. Doch am Ostermontag ist tatsächlich alles fertig: die neue Schaubrennerei der Firma Kullmann und Sohn und auch das Jahreszeitenrestaurant.

Um so länger fällt in den Eröffnungsreden der drei Unternehmer jener Teil aus, in dem allen Firmen und Helfern Dank ausgesprochen wird: „Es gibt keine andere Stadt mit so einer hohen Konzentration von genialen Handwerkern“, rühmt Robert Dahl, der Macher von Karls Erdbeerhof, der Macher von Karls Erdbeerhof, ie beteiligten Firmen. Die letzten Nächte vor der Eröffnung waren für alle sehr kurz.

Leute im Visionen

„Das ist ein guter Tag für Loburg und die ganze Region. Solche verrückten Leute mit visionären Ideen brauchen wir hier im Landkreis“, schwärmt auch der Landrat des Jerichower Landes, Steffen Burchhardt (SPD).

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„Unsere Region braucht Identität, wenn sie sich entwickeln soll.“ Der Landrat lobt das Engagement der Familien Kullmann und Dahl an einem Ort, an dem die Menschenmassen eben nicht schon sind, sondern erst hingeholt werden müssen. Er würdigt das unternehmerische und familiäre Engagement als ein besonderes Zeichen der Verbundenheit mit der Region: „Sie halten die Namen ihrer Familien hoch und tun noch dazu etwas für unser Kulturgut.“ Damit spielte er auf die Sanierung des zuletzt leerstehenden Rittergutes an und die Beseitigung eines zuletzt unansehnlichen Speichers.

Ebenso wichtig für das Erstarken der Region sei eine gute Zusammenarbeit. Diesen Zusammenhalt würden in Loburg die Akteure von Storchenhof, Brennerei und Barbcafé intensiv betreiben, lobte Landrat Burchhardt.

Erinnerungen parat

„Ich wurde hier in Loburg ganz toll aufgenommen“, unterstreicht später auch der Barby-Nachfahre Robert Dahl. Er hatte das heruntergekommene Gutshaus erworben und sanieren lassen. Am Tag der Eröffnung kommen einige ältere Loburger zu ihm, gratulieren und haben Erinnerungen an früher parat.

Der Unternehmer, der als Betreiber von „Karls“ Erdbeerhöfen bekannt wurde, hatte zuvor schon das Barbycafé eröffnet und setzt mit seinem Jahreszeitenrestaurant auf ein ähnliches Konzept, wie bei den Erdbeerhöfen. Im Restaurant wird ein überschaubares und jahreszeitenbezogenes Speisenangebot mit Essensausgabe offeriert. Gegessen wird in Themenräumen mit Bezug auf die Adelsfamilie von Barby. „Bonzos wilde Stube“ oder „Ellis Besenkammer“ laden zum Verweilen ein. Eingerichtet sind die jahrhundertealten Räume in einem Mix aus modernen Accessoires und historischen Darstellungen der Familienmitglieder.

Gottes Segen mit Mahnung zu Verantwortung

Viele der heutigen Familienmitglieder der Loburger Adelsfamilie sind auch am Tag der Eröffnung anwesend. Einen Tag zuvor wurde der 80. Geburtstag von Friedrich Wilhelm von Barby hier gefeiert, einem der letzten Bewohner des Gutshauses vor der Vertreibung der Familie nach dem Zweiten Weltkrieg.

Während Robert Dahl mit historischer Bausubstanz zu kämpfen hatte, stellten Erich und Alf Kullmann gleich gegenüber ein neues Gebäude an die Stelle eines alten Silos. Anzusehen ist der Schaubrennerei das nicht. Mit Liebe zum Detail wurde hier gearbeitet. Neben Loburger Gebranntem soll es künftig auch Kaffee-Verkostungen geben, so Erich Kullmann.

Der Loburger Pfarrer Georg Struz war gebeten worden, die Brennerei zu segnen. Keine leichte Aufgabe für den Geistlichen: „Wie sag ich‘s meinem Chef?“, scherzt Struz zunächst, um dann aber in der Bibel doch Stellen zitieren zu können, nach denen ja auch Jesus Wasser zu Wein verwandelte.

Struz erteilte also den Segen für die Brennerei, nicht ohne die Hoffnung und Mahnung, dass die Menschen, die hier ein und aus gehen, verantwortungsbewusst mit den hier gehandelten Geistern umzugehen wissen.

Ausnahmezustand in der Stadtmitte

Ausnahmezustand herrscht an diesem Tag in Loburg. Ausnahmsweise ist das Parken vor dem Rathaus erlaubt. Gut 60 Autos finden hier Platz, schätzt ein Feuerwehrmann. Die ehrenamtliche Loburger Feuerwehr hat die Einweisung auf den Parkplätzen übernommen. Auch auf der Burgwiese und an der Gartensparte „Ratswiese“ parken Autos aus nah und fern. Manch Loburger schüttelt ungläubig den Kopf darüber, wie diese Eröffnungen so viele Menschen nach Loburg locken können. Doch alle ahnen. Diese Häuser sind eine echte Chance für den Ort und die Region.

Die Besucher pendeln zwischen Schaubrennerei und Gutsgelände. Sie lauschen den fetzigen Takten des „Sax‘n‘Anhalt Orchesters, klönen im Biergarten zwischen Laurentiuskirche und Walnussbaum oder – stehen in der Schlange vor der Speisentheke. Spargel, Schnitzel und Kartoffeln, so lautet das Eröffnungsangebot. Den Absacker danach gibt es entweder im Shop des Barbycafés oder einmal über die Straße in der Brennerei: Erdbeer- oder Walnusslikör.