Jerichow l „Der Boom ist vorbei“, sagt Elisa Heinke, Geschäftsführerin vom Technologie- und Gründerzentrum im Jerichower Land. Der Hauptgrund, warum die Zahlen zwar nicht gesunken sind, aber auch nicht mehr Menschen im Jerichower Land ein Unternehmen gegründet haben: der Fachkräftemangel.

Menschen finden leichter Jobs

„Die Arbeitsmarktlage ist besser geworden“, so Heinke. Die Unternehmen suchen Arbeitskräfte, Menschen finden leichter einen Job. Es ist also ihrer Einschätzung nach nicht mehr die Notwendigkeit gegeben, Firmen zu gründen. Wer den Schritt dennoch wage, baue meist nach ein paar Jahren Berufserfahrung eine eigene Firma auf, um sein eigener Chef sein zu können und seiner Leidenschaft nachgehen zu können. „Dadurch steigt die Qualität“, sagt Heinke. Denn wenn die Gründer mit Leidenschaft dabei seien, hielten ihre Unternehmen länger.

Dennoch brauchen Firmengründer neben der Leidenschaft auch Durchhaltevermögen, gute Vernetzung, Zeit und das Wissen über Angebote für Neugründer. Bei diesen Prozessen wirkt das Technologie- und Gründerzentrum unterstützend.

Vorbereitung aufs Unternehmen

Eine der Beraterinnen für Existenzgründungen, Gabriele Völker, gibt an, dass das Zentrum auf Grundlage des Landesprogramms „ego.Wissen“ Qualifizierungen für Gründer in Vorbereitung und für „junge“ Unternehmer bis zu fünf Jahren nach Gründung anbietet. Bei dieser Förderung handele es sich um eine Kofinanzierung, aus Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt und des Europäischen Sozialfonds. In den vergangenen beiden Jahren wurden vier Nachgründungskurse angeboten, an denen insgesamt 58 Gründer teilnahmen.

20 Gründungsinteressierte nutzten die Möglichkeit der intensiven Vorbereitung auf die Gründung in einem Vorbereitungskurs, so Völker. Von diesen gründeten bis heute sieben Teilnehmer ein Unternehmen, zwei ständen kurz vor der Gründung, so Völker. Insgesamt hätten 2018 80 Personen (davon 37 Frauen), das TGZ aufgesucht, um sich Rat und Unterstützung bei der Gründungsvorbereitung beziehungsweise beim Firmenaufbau einzuholen. 26 Prozent seien Interessierte gewesen, die sich noch in Festanstellung befinden. Das Qualifizierungsangebot nutzten davon 35 Personen, 32 davon haben bereits gegründet, davon die meisten im Dienstleistungsbereich.

Themen vermitteln

Derzeit sei das TGZ in Vorbereitung des nächsten Nachgründungskurses, der Anfang April starten soll, so Völker. Dieser Kurs nach der Gründung ist an bereits Selbstständige gerichtet, die unter anderem folgende Voraussetzungen erfüllen müssen: erfolgte Gründung im Haupterwerb, Unternehmenssitz in Sachsen-Anhalt, die Gründung darf mit Qualifizierungsbeginn nicht länger als fünf Jahre zurückliegen.

Den Gründern werden dabei unter anderem folgende Themen vermittelt: Unternehmerpersönlichkeit, Kommunikation, Buchführung, Kosten-Leistungsrechnung, Auftragsbearbeitung, Marketing, Moderne Bürokommunikation, Gewerberecht, Steuerrecht, Betriebliche und soziale Absicherung, Finanzierungen.