Standortsuche

Wo sollte neues Verwaltungsamt entstehen?

Der Biederitzer Gemeinderat hat einen Beschlussentwurf zur Untersuchung zweier Standorte für ein neues Verwaltungsamt erörtert.

Von Thomas Rauwald

Biederitz l Die Verwaltung der Gemeinde Biederitz ist auf der Suche nach einem neuen Domizil. Seit der Bildung der Einheitsgemeinde zum 1. Januar 2010 ist die Verwaltung Mieter in einem Bürogebäude in Heyrothsberge, dass der Telekom gehört. Knackpunkt sind die hohen Kosten: Rund 600 000 Euro Miete fallen jährlich an und noch einmal etwa 600 000 Betriebskosten. Bürgermeister Kay Gericke spricht von einem „Luftschloss“.

Auf der anderen Seite steht in der Magdeburger Straße von Biederitz das alte, historische Rathaus fast leer. Dort ist die Bibliothek des Regenbogenvereins untergebracht. Biederitzer Kantorei und AWO haben ein Büro. Ortsbürgermeister Carsten Schneider hält dort seine Einwohnersprechstunde ab. Hier gibt es auch ein Trauzimmer. Die Nutzung hält sich zeitlich also in Grenzen. Trotzdem muss zum Beispiel geheizt und sauber gemacht werden.

Bürgermeister Kay Gericke (SPD) regt mit seinem Beschlussentwurf eine Untersuchung darüber an, ob die vorhandene Fläche (3760 Quadratmeter) für dieses Gebäude mit einem Anbau ausreicht und es für eine Verwaltungsamt zweckmäßig wäre.

Als diese Thematik erstmals auf einer Sitzung des Hauptausschusses behandelt wurde, ist ein weiterer Vorschlag unterbreitet worden: Die Gerwischer Ortsbürgmeisterin Karla Michalski (CDU) und Kurt Sattler (Die Linke), Ortsbürgermeister von Heyrothsberge, bringen eine bewaldete Fläche an der Königsborner Straße neben der Heyrothsberger Kita ins Spiel (1124 Quadratmeter). Die angenommenen 1,8 Millionen Euro für die Biederitzer Version würden nicht reichen, ein Neubau in Heyrothsberge wäre kostengünstiger. Sattler: Es ist die beste Fläche, die wir in der Gemeinde Biederitz haben.“

Auf der Ratssitzung erweitert Karla Michalski im Namen der CDU-Fraktion die zu untersuchenden Versionen: ein Neubau auf der grünen Wiese. Und: Wenn das Biederitzer Rathaus präferiert wird, müssen Vorplatz und Fassade so erhalten bleiben, wie sie sind.

Über diese Forderung gibt es offenbar rundum Konsens.

Karl Heinz Latz nimmt das Wort und meint, er könne dem eben hier gehörten in Anbetracht der Haushaltslage nicht mehr folgen. Der Ortsbürgermeister schlägt vor, wenn schon eine Untersuchung erfolgen soll, dann könnte dies das Bauamt erledigen. Diesen Vorschlag will er als Antrag behandelt wissen.

Bauamtsleiter Eberhard Hoffmann kontert, dass das nur Bauplanungs-Ingenieure, nicht aber Amtsmitarbeiter mit einer verwaltungstechnischen Ausbildung, erledigen können.

Grundsätzlich hält es Hilmar Graßhoff (Aktiv für Bürger/Pro Biederitz) für sinnvoll, nach einem Gebäude zu suchen, dass weniger Kosten erzeugt. Eine moderne Gemeinde brauche auch eine zeitgemäße Verwaltung. Er zweifelt daran, dass es möglich sein wird, zu akzeptablen Preisen zu Grundstücken auf Ackerflächen zu kommen. Diese dritte Version würde die Untersuchungskosten und auch die Baukosten durch den Grundstückserwerb in die Höhe treiben.

Dies unterstützt im Grunde genommen Carsten Schneider (Aktiv für Bürger/Pro Biederitz), der Ortsbürgermeister von Biederitz. Wenn eine Untersuchung von Fläche und Gebäude in Heyrothsberge erfolgt, würde man die Kosten für das Gebäude dann haben. Stellt sich heraus, dass die Fläche in Heyrothsberge zu klein ist, brauchte der Kaufpreis für Grund und Boden auf der grünen Wiese nur zum Gebäudepreis addiert werden.

Übrigens hat es schon 1999 in Biederitz einen Bürgerentscheid unter dem Motto „Unser Rathaus soll leben“ gegeben. Auch damals standen die hohen Miet- und Nebenkosten schon zur Debatte. Statt der 450 notwendigen Unterschriften wurden 880 gesammelt. Eine Verwirklichung kam jedoch nicht zustande.

Dass das Biederitzer Rathaus schon immer ein Haus für die Bürger gewesen war, daran erinnert Corinna Heine (Aktiv für Bürger/Pro Biederitz), die nicht verstehen könne, dass die Ortsgeschichte so schnell hinfort gewischt werden soll. „Um diese alte schöne Immobilie beneiden uns bestimmt viele Gemeinden.“

Nach einem Antrag zur Geschäftsführung wird über den Latz-Antrag (das Bauamt solle Planung und Kostenschätzung vornehmen) abgestimmt. Eine große Mehrheit lehnt das ab. Zustimmung gibt es für eine Untersuchung der Biederitzer und der Heyrotsberger Version. Einigkeit besteht darüber, dass die Vorderansicht des Rathauses bleibt wie sie ist.

Unabhängig von der Entscheidung des Rates und dem Ausgang der fachlichen Prüfung sollten auch die Bürger der Einheitsgemeinde ihre Meinung sagen können. Wo würden Sie, liebe Leser, gern ein neues Verwaltungsamt haben? Oder sollte alles bleiben, wie es ist?

Meinungen bitte per Mail an thomas.rauwald@gmx.de

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