Möser l Drei Mal erhebt Zimmermeister Christian Schneider sein Glas. Einmal trinkt er auf den Bauherren, einmal auf den Architekten und einmal auf die Handwerker. Und da Scherben bekanntlich Glückbringen, schleudern er und die anderen Männer auf dem Dach der zukünftigen Seniorenwohnanlage der Volkssolidarität in Möser ihre Gläser nach dem Trinkspruch auf den Boden. Ein klassisches Richtfest.

Arbeiten gehen schnell voran

Anschließend treibt Michael Bremer, Vorstandsvorsitzender der Volkssolidarität Sachsen-Anhalt, noch einen letzten Nagel ins Holz und sagt: „Wir errichten hier etwas für alte Menschen. Wir bauen ihnen ein Heim, damit sie im Alter nicht den Ort verlassen müssen.“ Außerdem zeigte sich der Bauherr froh darüber, dass die Bauarbeiten so schnell voran schreiten. „Das läuft ja aktuell wie am Schnürchen. Wenn es in diesem Tempo weiter geht, dann können im August 2020 die ersten Bewohner einziehen“, so Bremer.

Dabei hatte sich der Baubeginn anfangs etwas in die Länge gezogen, wie Bremer berichtet. „Wir haben die nötigen Anträge im Sommer 2018 eingereicht. Die Baugenehmigung haben wir aber erst Februar dieses Jahres erhalten.“

Ebenerdig und barrierefrei

Insgesamt errichtet die Volkssolidarität auf dem Gelände nahe Rudolf-BreitscheidWeg und Bahnstraße vier Reihenhäuser im Bungalowstil mit insgesamt 25 Wohneinheiten. Jede der Wohneinheiten wird über Küche, Bad, Abstellraum, Terrasse sowie zwei weitere Räume verfügen. Die Wohnungen werden altersgerecht, ebenerdig und barrierefrei gebaut. So wolle man den Senioren eine selbstbestimmte und selbstständige Lebensführung ermöglichen, teilte Katja Trautwig, Mitarbeiterin soziale Dienste der Volkssolidarität Sachsen-Anhalt, mit.

Laut Trautwig wird das Thema „seniorengerechtes Wohnen“ noch an Bedeutung gewinnen – vor allem mit Hinblick auf den demographischen Wandel. „Mehr als 50 Prozent der älteren Menschen halten sich nur noch maximal vier Stunden pro Tag außerhalb der Wohnung auf. Hieran ist zu erkennen, dass die Wohnung sowie das Wohnumfeld einen besonderen Stellenwert einnehmen. Es besteht dringender Handlungsbedarf, um die große Versorgungslücke an altengerechtem Wohnraum zu schließen“, so Katja Trautwig.

Wünsche und Ansprüche

Darüber hinaus sei in Anbetracht der wachsenden Mobilität die traditionelle innerfamiliäre Versorgung und Unterstützung nicht mehr in dem bisherigen Maß möglich. Hinzu komme noch, dass sich die Wünsche und Ansprüche an das Wohnen im Alter zunehmend vertiefen, so Trautwig.

Dass der Bedarf an altersgerechten Wohungen groß ist, zeigt sich auch daran, dass die Volkssolidarität bereits Anfragen zu den Wohneinheiten erhält. „Bisher haben wir schon rund 40 Anfragen zu den Wohnungen bekommen“, sagt der Landeschef der Volkssolidarität, Michael Bremer.

Zahl alter Menschen wird steigen

Auch eine Studie des Pestel-Institutes aus Hannover macht deutlich, dass in den nächsten Jahren deutlich mehr altergerechte Wohnungen gebraucht werden. Die Prognose: Ab 2035 werden rund 24 Millionen Menschen in Deutschland zur Altersgruppe „65plus“ gehören. Das sind rund sechs Millionen mehr als aktuell.