Tongrubenprozess

Zeuge erkennt buntes Kunststoff-Gemisch

Beim Prozess um die Tongruben Möckern wurden erneut Zeugen gehört.

Von Franziska Ellrich

Stendal/Möckern l Von einem „bunten Mischmasch“ spricht der Zeuge  vor dem Stendaler Landgericht. Verhandelt wird dort seit einem Monat zur Tongrube Möckern. Sechs Beschuldigte sitzen seitdem zwei Tage pro Woche auf der Anklagebank. Ihnen wird vorgeworfen mehr als 170 000 Tonnen hausmüllähnlicher Gewerbeabfälle zwischen 2005 und 2006 in der Tongrube Möckern verfüllt zu haben.

Beweisen sollte das gestern unter anderem die stundenlange Befragung eines ehemaligen Mitarbeiters der insolventen Sporkenbach Ziegelei, die damalige Betreiberin der Grube. Verschiedene Kunststoffe, Gips, dazwischen ein bisschen Sand: Das waren die Materialien, die dem Zeugen zufolge in der Tongrube Möckern landeten. Die Farbe: Bunt.

Staatsanwalt Thomas Kramer will von dem damaligen Radlader-Fahrer wissen, woher die unterschiedlichen Farben kamen. „Da war alles drinnen, Folie, Plastik“, antwortete der Zeuge Torsten K. Er arbeitete zwischen 2003 und 2005 in der Tongrube Möckern, dann wechselte er für ein Jahr nach Rietzel, um anschließend in der Tongrube Vehlitz seine Arbeit aufzunehmen. Aus der Müllsortieranlage Rietzel kam in diesem Zeitraum der Mammut-Anteil des giftigen Mülls. Seit 2005 hätte laut Gesetz diese Art Hausmüll nicht mehr unbehandelt in so einer Grube landen dürfen.

Der Vorwurf in der Anklage lautet: Der Müll wurde absichtlich falsch deklariert. Dass das tatsächlich der Fall gewesen sein kann, ergab sich gestern aus der Zeugenbefragung. Torsten K. saß über mehrere Monate an der Waage an der Einfahrt zur Tongrube Möckern und hat den gelieferten Müll angenommen. Wie das genau ablief: „Anhand des Lieferzettels haben wir geprüft, was da ankommt, dann habe ich den Abfallschlüssel in das Computerprogramm eingegeben und nur, wenn die Stoffsorte genehmigt war, funktionierte auch die Waage“, erklärte Torsten K.

„Und angeschaut haben sie sich die Lieferung gar nicht?“, hakt die Vorsitzende Richterin am Landgericht Simone Henze-von Staden nach. Der Container für die Mitarbeiter an der Waage sei dem Zeugen zufolge zu niedrig gewesen, um von oben in die Laster hineinzusehen. Aber: „Ich bin nach dem Wiegen immer mit hinter zur Tongrube gefahren, um mir beim Abladen den Müll anzusehen, später hat das ein Kollege gemacht“, stellt Torsten K. klar. Etwas Ungewöhnliches sei ihm dabei nie aufgefallen, der Müll sah genauso aus, wie es ihm sein Vorarbeiter Rene S. erklärt hatte: Handgroße, bunte Bruchstücke.

Kaum war der antransportierte Müll abgeladen, wurde dieser gleichmäßig in der Tongrube verteilt, schilderte Torsten K. „Es gab einen richtigen Plan, wo was wann abgekippt werden sollte.“ Als die Richterin wissen will, ob auch mal jemand Proben genommen hat, kann sich der Zeuge an einen Mann erinnern, der mit einem Eimer aufs Gelände kam und angab, er wolle Proben nehmen. Beobachtet hat Torsten K. das allerdings nie. Wie oft das vorkam, daran kann sich K. nicht mehr erinnern. Auch in Sachen „Probebetrieb“ sind seine Erinnerungen total verblasst. „Das ist alles schon Ewigkeiten her“, bat Torsten K. die Richterin um Verständnis.

Simone Henze-von Staden zeigte ihm in diesem Zusammenhang den Ausdruck einer Betriebsanweisung. Angelieferte Stoffe sollten mit anderen Materialien vermischt, verfüllt und angeblich später wieder aus der Grube geholt werden. K. konnte sich an diese Aktion nicht erinnern. Das sah laut Akte bei seiner Polizeivernehmung vor vier Jahren noch anders aus. Zitat: „Es war meiner Ansicht nach kein Probebetrieb, sondern eine ganz normale Verfüllung.“