Menz l „Mir war es wichtig, einen Beruf zu ergreifen, der mir Spaß macht und bei dem ich etwas Handwerkliches machen kann. Und ich bin mir sicher, dass ich den gefunden haben“, erklärt Christin Vorhölter ihre Berufswahl. Und diese erscheint für eine junge Frau mit Abitur eher ungewöhnlich, denn Christin Vorhölter will Fleischermeisterin werden.

„Aber genau darum geht es ja an solchen Tagen wie dem Zukunftstag, zu zeigen, dass es eigentlich keine typischen Frauen- und Männer-Berufe gibt, sondern dass es wichtig ist, Geschlechterstereotypen aufzubrechen und alle Mädchen und Jungen zu ermuntern, den Beruf zu ergreifen, der sie oder ihn glücklich macht“, betont Marco Tullner (CDU), Minister für Bildung in Sachsen-Anhalt. Um die junge Frau mit der scheinbar ungewöhnlichen Berufswahl kennenzulernen, stattete der Minister gestern der Fleischerei Schumburg in Menz einen Besuch ab, wo Christin Vorhölter den praktischen Teil ihrer Ausbildung absolviert.

Warum Fleischermeisterin werden?

Wie kam sie darauf, Fleischermeisterin werden zu wollen? „Ich habe zunächst ein Praktikum gemacht und das hat mir schon sehr gut gefallen“, berichtet sie. „Anschließend wurde daraus ein Ferienjob, und dann war ich mir sicher, dass ich in diesem Beruf gut aufgehoben bin.“ Allerdings besuchte sie zusätzlich eine Berufsberatung, um sich genau zu informieren, ob ihre Karriere in diesem Bereich das Richtige für sie ist. „Bei der Beratung habe ich dann von dem trialen Studium erfahren, mit dem ich Fleischermeisterin werden kann.“ Denn Christin Vorhölter war sich seit ihrem Abitur sicher, dass sie eine höhere berufliche Position anstrebt. „Sicherlich hätte ich auch erst eine Ausbildung machen können und dann studieren und dann Meisterin werden können, aber dann wäre ich bestimmt schon Mitte 30, bis ich das alles geschafft habe, und ich wollte meine Karriere zügig in die richtigen Bahnen lenken.“ Dafür nimmt sie einige Hürden in Kauf. „Die Kurse für das Studium finden beispielsweise in Hannover statt, das sind natürlich einige Strecken, die ich zurücklegen muss.“ Ihr Engagement für den Beruf lobt auch ihr Chef, der Fleischermeister Myke Schumburg. „Wenn die anderen eine Pause machen, dann nimmt Christin ein Buch in die Hand und lernt.“

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Damit sich Mädchen und Jungen über Berufe, die vermeintlich typisch für das jeweils andere Geschlecht sind, informieren, wird der Zukunftstag am 26. März ausgerichtet. „An dem Tag nehmen etwa 20 000 Jugendliche in Sachsen-Anhalt teil“, berichtet der Bildungsminister. „Christin Vorhölter ist ein tolles Beispiel dafür, dass man auch als junge Frau in einem Beruf, in dem immer noch hauptsächlich Männer arbeiten, durchstarten kann. Deswegen kann ich den Jugendlichen nur raten, den Zukunftstag zu nutzen und eventuell genau den Beruf zu finden, in dem man dann seine Erfüllung findet“, sagt Hagen Mauer, Präsident der Handwerkskammer Magdeburg. Er spricht sich allerdings auch dafür aus, dass die Ausbildungsbetriebe den jungen Menschen eine Chance bieten: „Wenn man nicht ausbildet, kann man später auch nicht meckern, dass keine Fachkräfte da sind.“

130 Berufe zum Reinschnuppern

Burghard Grupe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg“, ermutigt vor allem die Mädchen, beim Zukunftstag einen Handwerksberuf kennenzulernen: „Wir haben in der Handwerkskammer 130 Berufe, da ist garantiert für jeden etwas dabei. Allerdings haben wir derzeit nur einen Frauenanteil von 20 Prozent bei diesen Berufen. Dabei hat eine Studie der Universität Göttingen gerade erst gezeigt, dass Handwerksberufe die Ausübenden glücklich machen.“ Unterschiede bei der Berufswahl sollte es laut ihm zwischen den Geschlechtern nicht geben: „Handwerk hat man im Blut, nicht in den Genen.“