Parleib l Es gibt keine Schranke mehr. Kein Aufpasser fragt den Besucher nach seinem Begehr, und vor dem Eingang zum Camp stehen auch keine Polizeieinsatzwagen. Wer als Besucher kommt, kann durchgehen und wird, so er in friedlicher Absicht kommt, auch freundlich empfangen. All das wäre noch im vergangenen Jahr nicht denkbar gewesen. Da glich das War-starts-here-Camp an der Straße zwischen Parleib und Potzehne noch einer – polizeibewachten – Festung. Und es gibt noch einen weiteren Unterschied, der allerdings nur auffällt, wenn die Besucher von der Presse kommen: In diesem Jahr nennen die Campsprecher ihre Klarnamen und heißen nicht Rosa Panzer oder Farin Skemp, sie heißen Heinz Wittmer und Hanna Poddig, und zwar auch im normalen Leben. Und die nehmen sich gestern sogar richtig viel Zeit für die Presse.

Ja, „es sind jetzt einige andere Leute im Org-Team“, bestätigt Poddig und vage: „Es wird einen anderen Umgang mit einigen Sachen geben.“Dennoch habe sich am Charakter des Camps nichts geändert. Nach wie vor gehe es um den Protest gegen Aufrüstung und damit gegen das Gefechtsübungszentrum des Heeres, und nach wie vor seien in diesem Sinne auch wieder Aktionen geplant. Poddig verweist zum Beispiel auf drei Mahnwachen, die am Sonnabendmorgen ab 9 Uhr in Dolle, in Letzlingen und auf der B?189 an der Zufahrt zur Baustelle Schnöggersburg, der im Bau befindlichen Übungsstadt des GÜZ, stattfinden werden. Wie in den Jahren zuvor werde es aber sicher auch noch bislang ungeplante Aktionen geben. „Es ist nicht vorhersehbar, was die Leute planen, es gibt kein zentrales Konzept oder die eine Camp-Aktion“, so Poddig. Einige der Campteilnehmer würden sich in diesem Jahr auf das Thema Ost-West-Konflikt konzentrieren, insbesondere die Ukrainekrise in den Fokus rücken. Poddig: „Wir wollen die Leute animieren, sich in das Thema hineinzudenken. Aber für andere Leute gibt es auch andere Ansatzpunkte. Und viele Leute kommen ohne Planung.“

Aber was, wenn solche Aktionen dabei herauskommen, wie der Konfetti-Anschlag auf das benachbarte Freibad in Potzehne oder im Jahr darauf der dort zerstörte Zaun? Poddig zuckt mit den Schultern: „Falls Sie jetzt wissen wollen, ob wir die Aktion falsch fanden: Nein!“ Es gebe keine kategorische Distanz zu den Aktionen in den Vorjahren, betont die Sprecherin. „Und es gibt auch keine grundsätzlich andere Ausrichtung. Da wird es sicher unterschiedliche Einschätzungen geben“, aber es handele sich schließlich um Proteste, die sich eben in verschiedenen Formen wiederfinden würden.

Besucher sind stets willkommen

Allerdings läge es den Campteilnehmern fern, sich zu wünschen, dass das Freibad schließen muss, betont Wittmer. Er war, so erzählt er, im vergangenen Jahr zum Beispiel verhaftet worden, weil er im Verdacht stand, an den Brandanschlägen auf private Baumaschinen auf dem Truppenübungsplatz in Verbindung zu stehen. Aber damit habe das Camp nichts zu tun gehabt.

Die Zusammenarbeit mit den Behörden des Landkreises bezeichnen beide Sprecher schließlich als „professionell“. Einige Auflagen seien neu ausgehandelt worden, anderes habe man akzeptiert. Alles in allem scheint mittlerweile doch ein deutlich entspannteres Verhältnis zu bestehen, als noch im Vorjahr.

Offen ist man im Camp für Besucher jeglicher Art. Nur den alkoholisierten Gast von vorgestern Nacht hatten die Campteilnehmer wieder freundlich abgewimmelt, „nachdem er seine Aufmerksamkeit hatte“, sagt Wittmer augenzwinkernd. Wer immer aber sonst Interesse habe, sei willkommen. Und was wäre, wenn Bundeswehrsoldaten dabei wären, die mit diskutieren wollen? „Also ich weiß nicht, wie die anderen das sehen, manche wären sicher nicht begeistert, aber ich würde das spannend finden“, sagt Hanna Poddig und meint das ganz ernst. Es weht wirklich ein anderer Wind im War-starts-here-Camp 2015.