Letzlingen l Schon morgens ab 9.30 Uhr füllten sich die zu Parkplätzen umfunktionierten Wiesen vor dem Haupteingang des Gefechtsübungszen-trums (GÜZ) mit Autos. Zu Hunderten strömten die Besucher auf das Kasernengelände. Ein erster Anlaufpunkt für viele war die Übungs- und Auswertungszentrale. „Es ist sozusagen das Herzstück des gesamten Gefechtsübungszentrums. Hier laufen alle Daten zusammen, die bei den Übungen im Gelände anfallen, und werden ausgewertet“, erklärt der für die Öffentlichkeitsarbeit des GÜZ mit verantwortliche Oberleutnant Alexander Helle. Und die Datenmengen sind gewaltig. Denn geschossen wird in der Colbitz-Letzlinger Heide seit der Übernahme des Geländes durch die Bundeswehr nicht mehr scharf, sondern nur noch simuliert. Jeder Schuss, jeder Treffer wird elektronisch erfasst. Im Anschluss an die Übungen versammeln sich die beteiligten Soldaten und die Auswertung erfolgt, wie in einem großen Vorlesungssaal, per Powerpoint-Präsentation.

In den Räumen der Übungs- und Auswertungszentrale gab es aber nicht nur die dort stehende Computertechnik zu sehen, sondern auch eine umfangreiche Ausstellung zur Geschichte des Truppenübungsplatzes in der Colbitz-Letzlinger Heide. Deren militärische Erschließung begann schon vor der Zeit des Nationalsozialismus. Aber die großflächige Nutzung begann 1934 durch die Wehrmacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Areal von der Roten Armee noch deutlich erweitert und seit 1994 nutzt es die Bundeswehr. Die Ausstellung zeigte auch die Entwicklung des GÜZ bis heute.

Oberst: Wollen etwas zurückgeben

Einen besonderen Anziehungspunkt für die Besucher bildete die dynamische Waffenschau im Gelände. Über den Tag verteilt absolvierten Soldaten mehrere Schauübungen. Diese fanden in einigen hundert Metern Entfernung vom Haupteingang statt. Wer nicht zu Fuß gehen wollte, konnte sich mit Bussen zum Ort des Geschehens bringen lassen. Vor Beginn der ersten Übung begrüßte der Leiter des GÜZ, Oberst Uwe Alexander Becker, die Besucher und brachte in einer kurzen Ansprache seine Freude über die große Resonanz zum Ausdruck. „Wir begehen heute einen besonderen Tag der offenen Tür. Es gibt mehrere Anlässe zum Feiern. Zum einen das 60-jährige Bestehen der Bundeswehr, das 25-jährige Bestehen der Armee der Einheit und das 20-jährige Bestehen des GÜZ Colbitz-Letzlinger Heide“, so Becker. Und der Oberst fügte hinzu: „Wir fühlen uns als Bundeswehr in der Region gut eingebunden. Uns wird viel Sympathie entgegen gebracht. Mit dem Tag der offenen Tür wollen wir den hier lebenden Menschen etwas Positives zurückgeben.“

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Dann begann die Übung. Das Szenario: Eine in einem Kampfgebiet vorrückende Einheit der Bundeswehr wird plötzlich von einer versteckten feindlichen Stellung beschossen. Daraufhin ziehen sich die beteiligten Panzer rückwärts zurück und verschießen Nebelgranaten, um sich vor weiterem Beschuss zu schützen. Dann formiert sich die Bundeswehreinheit neu, um die gegnerische Stellung zu bekämpfen. Auch eine gegnerische Panzersperre wird gesprengt. Um den Ablauf besser nachvollziehen zu können, wurde die Schauübung für die Besucher moderiert. 
Auf dem Rückweg vom Übungsgelände zog eine Ausstellung die Aufmerksamkeit auf sich. Der Kampfmittel-räumdienst der Bundeswehr zeigte eine riesige Auswahl an Altmunition, die in der Colbitz-Letzlinger Heide bislang gefunden wurden. Ein  unglaubliches Arsenal an unschädlich gemachten Bomben, Granaten und anderen Waffen – aus der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie aus Beständen der Roten Armee. Noch heute werden in der Heide bedeutende Mengen an Altmunition gefunden und fachgerecht entsorgt. In der Nachbarschaft dieser Ausstellung bildeten sich lange Schlangen am Versorgungsstand der Bundeswehr für die Besucher. Dort gab es Erbsensuppe mit Würstchen aus der Gulaschkanone.
Technik- und Waffeninteressenten bekamen aber noch vieles mehr zu sehen. Die im GÜZ Letzlingen stationierte Bundeswehr gab Einblicke in ihr Arsenal. Vom Kampf- und Räumpanzer über das Sturmgewehr und die Sanitätsstation bis hin zum Nachtsichtgerät und zur Panzerfaust gab es alles zu sehen. Waffen konnten in den Hand genommen werden. Sogar simuliertes Schießen war mit einigen Waffen möglich. Auch viele Fahrzeuge waren  komplett zu erkunden. Soldaten der Bundeswehr beantworteten die Fragen der Besucher. Beeindruckt von den Ausstellungen und Angeboten zeigte sich etwa die Familie von Andreas à Tellinghusen aus Gardelegen. „Wir waren vor zehn Jahren schon mal hier beim Tag der offenen Tür. Damals war es bei weitem nicht so umfangreich wie jetzt. Allein die Waffenausstellung ist riesig. Wollen wir hoffen, dass wir das nie brauchen“, sagte Andreas à Tellinghusen.  
Und es gab noch viele weitere Informationsangebote. So warben Städte, Gemeinden und Verbände aus der Region für touristische Angebote. Denn der Tag der offenen Tür lockte nicht nur von viele Interessenten aus den Orten rund um die Colbitz-Letzlinger Heide, sondern auch weiter gereiste Besucher an. Außerdem präsentierten sich Partnerbetriebe und -einrichtungen der Bundeswehr, zum Beispiel der Bundesforstbetrieb.
 Nicht zuletzt warb die Bundeswehr in eigener Sache – zum Beispiel über Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten. Viele Besucher kamen mit Kindern. Und auch für die hatte die Veranstaltung viel zu bieten. In der Sporthalle gab es eine Menge Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten, die von Soldatinnen und Soldaten betreut wurden. So konnte an Seilen geturnt, über Bänke gerutscht sowie Ball und Tischtennis gespielt werden. Viele Mädchen und Jungen drehten auch das Glücksrad, das die Regionalbereichsbeamten der Polizei Gardelegen mitgebracht hatten. Ein Anziehungspunkt für Kinder war an der Sporthalle der Kletterturm. Rund um das Auswertungszentrum des GÜZ herrschte Volksfeststimmung. Dort gab es nicht nur Kulinarisches für fast jeden Geschmack. Denn auch ein Bierzelt und sogar eine große Bühne waren aufgestellt worden. Für die musikalische Umrahmung sorgten dort unter anderem die Zackelberger Blaskapelle und der Volkstanzkreis aus Neuenhofe. Wohl für alle Besucher war der Tag der offenen Tür eine rundum gelungene Veranstaltung.