Kalbe l Leopoldine Mertens aus Butterhorst hat seit 1997 noch kein Konzert verpasst, das im Kalbenser Kulturhaus stattfand. „Das hebt meine Stimmung, und es ist einfach nur schön, hier zu sein“ gerät die 66-Jährige direkt ins Schwärmen. Die Musik der Hoch- und Deutschmeister erinnere sie an alte Filme mit der jungen Romy Schneider. Ähnlich geht am Sonnabend wohl auch all den anderen Zuhörern des Konzertes mit den Hoch- und Deutschmeistern aus Wien unter der Leitung von Kapellmeister Reinhold Nowotny. Denn mit Applaus sparen die rund 500 Gäste im Saal zu keiner Zeit.

Charmant, mit Witz und gespickt mit etlichen hübschen Anekdoten führte der Kapellmeister durch das mehr als zweistündige Programm. Und einen humorvollen und überaus interessanten Exkurs in die Historie der Militärkapelle lieferte Nowotny, der das Ensemble seit dem Jahr 2000 leitet, gleich mit. So haben in der seit 1741 bestehenden Kapelle viele Musiker ihren Militärdienst geleistet, die später berühmt wurden. Johann Strauss war einst Geiger dort. Regelmäßig musste er sich einen neuen Frack zulegen, weil durch das Geigenspiel der Stoff immer auf der linken Schulter abgewetzt wurde. Eines Tages sagte der „Altwarentandler“, bei dem er den ausgedienten Frack abgab, zu ihm: „Tragen‘s doch a mol rechts.“ Strauss war verwirrt und verstand erst später, dass sein Gegenüber ihn für einen Totengräber gehalten hatte

Zu den wunderbaren Geschichten, die seine Zuhörer ohnehin schon zum Lachen brachten, kam die charmante Art und der wienerische Dialekt des Kapellmeisters. Seine ansteckende Gelassenheit, mit der er auch die Musiker eher zum Spiel einzuladen schien als sie zu dirigieren, kam beim Publikum an. Und die passenden Kostüme zu einigen der Titel natürlich auch. „Ich liebe Blasmusik. Und das hier ist doch ganz wunderbar. Etwas Schöneres gibt es gar nicht“, schwärmte Fritz Engel aus Schernikau bei Stendal.

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