Gardelegen l Das Thema ist brisant, aber auch etwas delikat. Es geht ums Bahnhofsklo. Ein solches nämlich fehlt, seit die Deutsche Bahn das Bahnhofsgebäude vor einigen Jahren aufgegeben hatte. Doch immerhin frequentieren täglich mehrere hundert Bürger den Verkehrsknotenpunkt zwischen Deutscher Bahn und Buslinien der PVGS, sagt Uwe Harms. Seit Mitte September nun sucht er per Plakat im Buswartehäuschen vor dem Bahnhof Gesprächspartner zu diesem Thema (wir berichteten). Etwa acht Mal sei er seither persönlich vor Ort gewesen, habe das Gespräch mit den Menschen gesucht, beziffert Harms gestern im Gespräch mit der Volksstimme. „Und ich war von der Offenheit überrascht, mit der sich mir die Leute anvertraut haben.“

Deren Angaben hat er nun für sich ausgewertet: Rund zehn Leute, so hat Harms errechnet, verrichteten mangels vorhandener Örtlichkeit täglich ihre Notdurft „in den Büschen“ rings um den Bahnhof. Zumeist seien es Männer und zum Glück auch nur das „kleine Geschäft“, so Harms. Zuweilen gehe es „besonders bei älteren Herrschaften aber auch mal in die Hose“ – und zwar nicht sprichwörtlich – beteuert er. So hätten ihm befragte Bürger gebeichtet, dass sie aus diesem Grund sogar schon mal ihre Reise auf dem Gardeleger Bahnhof abgebrochen hätten. „Sie sind dann im Bus wieder zurück nach Hause gefahren, weil sie sich nicht mehr hinsetzen mochten.“ Wie gesagt, die Menschen seien sehr offen gewesen...

Gespräch im Rathaus

Und so nimmt auch Harms kein Blatt vor den Mund, wenn er klar macht, wer seiner Ansicht nach für den Zustand maßgeblich verantwortlich ist: nämlich die Stadt. Die betreibe den Busbahnhof, sei Eigentümerin der Fläche und habe schließlich auch bislang alle Investitionen getätigt. Die Bahn habe immerhin über 100 Jahre lang eine Toilette im Bahnhofsgebäude vorgehalten und „vor Jahren auch rechtzeitig angekündigt, dass sie es nicht mehr länger tun wird.“ Hier hätte die Stadt bereits klar mit einer Anschlusslösung reagieren müssen, meint Harms, auch wenn das Problem wohl weniger die Gardeleger selbst betreffe, „die gehen nochmal zu Hause zur Toilette“ – als die Gäste der Stadt.

Denen biete sich mit dem Bahnhof beim Aussteigen ohnehin schon ein schlimmes Bild, das Gardelegen nicht als guten Gastgeber dastehen lasse. „Aber die Stadt ist immerhin ein zentraler Ort für 40 000 Bürger“, wenn man die Nachbarstädte Kalbe und Klötze mitrechne, erinnert Harms. Von letzterer, nebenbei Harms Heimatstadt, könne Gardelegen in Sachen Bahnhofsklo übrigens noch lernen. Demnächst entsteht dort nämlich ein solches. Kostenpunkt rund 8000 Euro, jährlicher Pflegeaufwand 5000 Euro. Und diese Summe, so findet er, sollte auch Gardelegen dafür übrig haben. Denn: „So wie der Zustand jetzt ist, kann er nicht bleiben!“

Vielleicht gibt es für die Stadt in Sachen Toilettenbau – Harms empfiehlt eine einzelne barrierefreie Kabine mit Wickeltisch, Urinal und Türautomat – ja aber sogar Unterstützung: Bei seinen Gesprächen hat sich der CDU-Landtagsabgeordnete nach eigenen Angaben nämlich nicht nur hochnotpeinliche Situationen schildern lassen, sondern auch mit Leuten geredet, die ihre Unterstützung zugesichert hätten. Namen wolle er indes noch nicht nennen, so Harms. Eher unkonkret bleibt er auch beim Thema finanzielle Unterstützung durch das Land. „Es gibt aber Angebote“. Als nächstes will er nun aber erst einmal mit Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig über das Thema sprechen. „Sie hat ja schon signalisiert, dass sie den Bedarf sieht.“ Einen Termin bei ihr hat er schon.