Gardelegen l SPD-Fraktionschefin Petra Müller zeigte sich überrascht. Stadtrat Dirk Kuke war ebenfalls überrascht und tat sogar Schmerzen kund. „Das tut weh“, räumte Kuke (Freie Liste/Feuerwehr) am Dienstag im Hauptausschuss ein.  Und Anlass für die Gefühlsäußerungen war eine Aussage von Regina Lessing, Vorsitzende der Gemischten Fraktion, zu den gestaffelten Gebühren für die Nutzung von Trauerhallen. SPD-Stadtrat Peter Wiechmann nämlich wollte wissen, auf welcher Grundlage die Gemischte Fraktion in ihrem überarbeiteten Antrag die Staffelung für Trauerhallen in den einzelnen Orten von 60 bis 120 Euro festgelegt habe. 

„Aus der Ortskenntnis heraus“, erläuterte Lessing. „Das überrascht mich jetzt. Die SPD wird einen Antrag auf 100 Euro stellen“, kündigte Petra Müller an. „Ich bin ebenfalls überrascht“, meldete sich Kuke zu Wort. Der Antrag seiner Fraktion auf eine einheitliche Gebühr von 100 Euro sei im Oktober-Stadtrat abgelehnt worden. Viel mehr noch, die Fraktion habe ihren Antrag zugunsten der Staffelung zurückgezogen. „Das tut jetzt ein bisschen weh. So etwas muss doch fundiert sein und nicht einfach so aus Erfahrungsgründen heraus festgelegt werden“, fand Kuke.

Zur Vorgeschichte: Nach Ablauf einer Übergangszeit nach Abschluss der Gebietsreform war die Verwaltung gehalten, für alle Ortsteile einheitliche Friedhofssatzungen mit Gebühren festzulegen. Grundlage dafür war eine Kalkulation aller Kosten, die Friedhöfe verursachen. Demnach hätte beispielsweise eine Trauerhallennutzung in den Ortsteilen durchschnittlich 600 Euro gekostet. Der Stadtrat einigte sich daraufhin, einen politischen Preis festzulegen. 100 oder 150 Euro waren im Gespräch. Die Freie Liste beantragte 100 Euro. Dieser Antrag wurde von der SPD unterstützt.

Im ersten Anlauf, in der September-Stadtratssitzung, wurden die Friedhofsgebühren auf Antrag von Peter Kapahnke (Gemischte Fraktion) vertagt. Anfang Oktober reichte die Gemischte Fraktion ihren Antrag auf Staffelung ein, unter anderem weil die Trauerhallen völlig unterschiedlich seien – von der Größe und von der Ausstattung. In den Fachausschüssen des Stadtrates fand die Staffelung keine Mehrheit, sondern der einheitliche Preis von 100 Euro. Anders dann im Stadtrat am 26. Oktober: Mit den Stimmen aus der CDU-Fraktion konnte die Gemischte Fraktion ihren Antrag durchsetzen. Der 100-Euro-Antrag wurde abgelehnt.

Bürgermeisterin legte Widerspruch ein

Bürgermeisterin Mandy Zepig legte Widerspruch gegen den Stadtratsbeschluss ein. In der Auflistung der Gemischten Fraktion fehlten die Trauerhallen in Miesterhorst und Tarnefitz. Aufgeführt war zudem eine Trauerhalle in Siems, obwohl es dort keine gibt. Jetzt folgt nun die dritte Beratungsrunde zum Thema Friedhofsgebühren. Im Hauptausschuss am Dienstag hatte Bürgermeisterin Mandy Zepig zunächst informiert, dass die Kalkulation, die aufgrund des Antrages der Gemischten Fraktion erneut erstellt werden musste, eine Staffelung zulasse. Dirk Kuke zog daraufhin den Antrag seiner Fraktion auf eine Gebühr von 100 Euro zurück.

Nach eingangs erwähnter Diskussion folgte die Abstimmung. Der Antrag der Gemischten Fraktion wurde mehrheitlich abgelehnt. „Jetzt haben wir ein Problem. Der Antrag ist abgelehnt. Wir haben aber auch keinen 100-Euro-Antrag mehr“, verkündete Zepig. Peter Wiechmann forderte eine kurze Pause, damit die SPD einen solchen Antrag formulieren könne. Das sei nicht erforderlich. „Gibt es den Rückzug vom Rückzug?“, fragte Dirk Kuke in die Versammlungsrunde. „Ja“, lautete die Antwort von Zepig. Kuke zog somit die „Rücknahme zurück“. Der Hauptausschuss konnte über den 100-Euro-Antrag abstimmen. Und der wurde mehrheitlich angenommen, ebenso die Satzung insgesamt. Am Montag, 7. Dezember, tagt dazu der Stadtrat. Beginn ist um 19 Uhr im Rathaussaal.