Gardelegen l Selbstbewusst stehen Rodi und Mohammad Al Hasan neben Eric Paschold und Steffen Kleine. Zwar sind die beiden Letzlinger Vereinskicker fast doppelt so groß wie die beiden kleinen Syrer und dazu durchtrainiert und fußballerfahren, aber offenbar haben sie überhaupt kein Problem mit ihren kleinen Teamkollegen. Das Los hat entschieden. Zusammen mit drei weiteren Deutschen Jungs gehen die vier ins Spiel – und kämpfen zusammen, zur Freude der Zuschauer, ob deutscher oder arabischer Herkunft, ob Christ, oder Atheist oder Moslem. Fußball ist eben international.

Und genau das dachte sich auch Abiturientin Wiepke Lück. Die Idee zu diesem Fußballturnier der Toleranz hatte nämlich sie. Der Schülerrat der Schule habe einen Brief bekommen, in dem zu einem Spendenmarathon aufgerufen wurde, erzählt sie. „Da haben wir uns gedacht: Die Idee ist gut, aber wir machen was anderes.“ Kurz darauf besuchten Wiepke und einige andere mit einem Flyer alle Gardeleger Schulen. Aufgerufen wurde darin zu einem Fußballturnier für Toleranz. Und auch in der Gardeleger Asylunterkunft wurden die Zettel abgegeben: „Wir haben sie in deutsch und arabisch drucken lassen“, erzählt Wiepke. Beim Übersetzen hat ein Gardeleger Krankenhausarzt geholfen. „Wir haben alle möglichen Verbindungen genutzt“, sagt sie lachend am Sonnabendmorgen in der Gardeleger Willi-Friedrichs-Sporthalle. Da hat sie nämlich schon richtig Grund, fröhlich zu sein. Denn längst ist klar, dass ihre Idee ein echter Erfolg ist. Es haben sich tatsächlich viele Spieler und Zuschauer eingefunden, und zwar genau so, wie es in ihrem Aufruf stand: „...ob jung, ob alt, Profifußballer oder Fan und ganz egal, woher Ihr kommt“.

Sechs Mannschaften gehen an den Start

Und genau so kunterbunt und multikulturell wie Wiepke und ihre Unterstützer aus der Klasse und dem Schülerrat gehofft haben, ist das Spielerfeld am Ende auch. Die sechs Mannschaften werden nämlich zusammengelost, damit niemand im Vorteil ist. Und so kommt es zu ganz besonderen Begegnungen, an diesem Morgen, und zwar auf den Zuschauertribünen ebenso wie auf dem Spielfeld selbst. Auch und vielleicht gerade, weil das eine oder andere Tor nur deshalb fällt, weil ein „großer“ Torwart mal ein Auge zudrückt, wenn ein „kleiner“ Kicker mit dunklen Kulleraugen auf ihn zustürmt.

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Am Ende siegt nach vielen fairen und schönen Spielen das Team „Bizeps“, vor den „Stars“ und den drittplatzierten „Powerrangers“, die bei einem Penalty-Schießen vorn lagen. Für alle Spieler dieser drei Teams gibt es einen Fußball als Preis und einige Süßigkeiten. Für insgesamt alle Kicker, so auch die der Mannschaften „Villa Kunterbunt“, der „Fantastischen Vier“ und „Team Cobra“, gab‘s Urkunden. Aus letzterer Mannschaft kam zudem auch der beste Torschütze Felix Kutschki, der einen Pokal erhielt.

100 Euro gehen an Verein eXchange

Ein Dankeschön sagen Wiepke Lück und ihre Mitstreiter am Ende vor allem den Sponsoren und allen Unterstützern, die sich einbrachten – vom Lehrer bis zu Privatpersonen – und natürlich allen Spendern. „Den eingenommenen Betrag von über 100 Euro werden wir im neuen Jahr an eXchange übergeben“, verspricht Wiebke. Der Salzwedeler Verein hat sich die Unterstützung von Flüchtlingen vorgenommen.

Wichtiger als das Geld war allerdings die Botschaft, die die Gardeleger sendeten: „Trotz der teilweise hohen Altersunterschiede in den Teams hat alles wunderbar funktioniert. Gerade das Miteinander zwischen geflüchteten Menschen und Gardelegern hat sehr gut geklappt. Wir hoffen, wir konnten mit diesem Turnier ein Zeichen der Toleranz setzen“, sagt Wiepke nach dem Turnier. Und das ist der Gymnasiastin und ihrem Team mit ihrer Idee und ihrem Engagement garantiert gelungen.