Weteritz l In den 90ern sollte es mal ein Tagungshotel werden, 2010 gar eine Holzakademie – hochtrabende Pläne fürs Weteritzer Schloss gab es genügend in den vergangenen Jahren, nur niemanden, der sie umsetzte. Die letzten Schlagzeilen – und irgendwie auch ein ungutes Gefühl – hinterließ vor fünf Jahren der Hamburger Kaufmann Andreas Benken, der das Schloss samt Park kaufen wollte und kurz darauf wegen versuchten Fördermittelbetruges in Millionenhöhe im Gefängnis landete.

Doch nun gibt es neue Schlossherren. Die beiden Gesellschafter eines Dresdner Unternehmens mit der exklusiven Adresse „An der Frauenkirche“ haben es gekauft. Rechtsanwalt Peter Manthey und Ingenieur Edelbert Schwarze von der Cygnus Energies haben kürzlich den Kaufvertrag für das Objekt unterschrieben. Dort habe er schon gehört, dass da vor einer Weile ein Geschäftsmann vom Kauf zurückgetreten sei, formuliert es Manthey gestern vorsichtig im Gespräch mit der Volksstimme. „Ich hoffe, man begegnet uns jetzt nicht auch mit Argwohn und Misstrauen.“

Keine Luxuswohnungen geplant

Doch das ist wohl nicht zu befürchten. Denn Manthey und Schwarze haben ganz bodenständige Pläne: „Es ist im Grunde ganz einfach. Das Haus hat eine gute Bausubstanz und eine prima Lage. Wir haben es günstig gekauft und planen dort nun Wohnungen, um diese zu vermieten.“ Und zwar solche mit ganz normalem Standard und zu vernünftigen Mieten, versichert er, „also keine Luxuswohnungen“.

Möglicherweise könne ein Teil der Wohnungen ja auch altersgerecht saniert werden, das werde noch entschieden, „breite Türen sind ja überall vorhanden“, erinnert Manthey. Maximal ein Jahr soll der Umbau dauern, bis die ersten Mieter einziehen können, hofft er. Und nein, es sei dort keine Unterkunft explizit für Flüchtlinge angedacht, bestätigt er auf Nachfrage. „Es waren von Anfang an ganz normale Wohnungen geplant.“ Zwar hatte Vorbesitzer Fred Zander, der das Haus 1994 von der Stadt kaufte, auch seine Tagungshotelpläne an sie übergeben. Darin allerdings sehen die beiden neuen Schlossbesitzer keine Zukunft.

Vorbesitzer überraschend gestorben

Übrigens: die ersten Verhandlungen hatten Manthey und Schwarze zwar noch mit Fred Zander geführt, dann war der bisherige Besitzer aber überraschend verstorben, hatte das Haus in eine Familienstiftung gegeben, „und von dieser haben wir es dann gekauft“, verrät Peter Manthey.

Und er gibt auch bereitwillig darüber Auskunft, wie ein Unternehmen, dessen eigentliches Tagesgeschäft Projektentwicklungen für Solaranlagen sind, auf ein solches Projekt kommt: Derzeit sei das Geschäft sehr wechselhaft. Allein die gesetzlichen Änderungen seien nicht vorhersehbar. Zudem habe Edelbert Schwarze bereits gute Erfahrungen mit der Sanierung von denkmalgeschützten Häusern. „Ein Vorzeigeobjekt ist zum Beispiel die Villa Schwarzer in Radebeul. Die finden sie sogar bei Wikipedia!“

Ähnliche Objekte suchten die beiden Firmeninhaber daraufhin überall in Ostdeutschland – so seien sie auch auf das Weteritzer Gutshaus gestoßen. Und selbstverständlich waren sie selbst schon da und sind begeistert – „natürlich auch von dem tollen Park“. Aber keine Angst: Dass der der Stadt Gardelegen gehört, stehe sogar in seinem Kaufvertrag, sagt Manthey schmunzelnd. Er wisse, „dass wir keine Zäune drumherum aufstellen dürfen“.

In zwei Wochen schon, werden die beiden Neueigentümer übrigens wieder in Gardelegen sein und sich dann auch mal in der Verwaltung vorstellen, versichert Manthey. So beginnt gute Nachbarschaft.