Gardelegen l Der große blaue Automat links im Eingangsbereich des Kauflands hat es in sich: Ein 250 Kilogramm schweres Fass, gefüllt mit 200 Litern Milch, frisch vom Bauernhof, steht zum Abzapfen bereit. Hier können die Kunden sich die Milch ab jetzt selbst holen. Sie stammt aus Gohre im Kreis Stendal, etwa 30 Kilometer von Gardelegen entfernt. „Wir sind ein Familienbetrieb, in dem drei Generationen mitarbeiten“, sagt Marion Wollert stolz. Ihre Familie hält 130 Kühe und 130 Kälber und Jungrinder. Die Gardeleger Zapfstelle ist die vierte in der Region, die der Hof in Betrieb nimmt. Stolz sind Wollerts auf ihr Fünf-Sterne-Hofschild, das der Betrieb seit 2008 jährlich für Tierhaltung und Milchqualität erhalten hat – eine Auszeichnung, die nur zehn Prozent der Höfe in Sachsen-Anhalt tragen.

Die Milch ist keine „Rohmilch“, wie die Landwirtin erklärt, denn vollkommen unbehandelt dürfte sie nur auf dem Hof selbst verkauft werden. Zum Transport musste sie pasteurisiert, das heißt: 20 Sekunden lang auf 72 Grad erhitzt werden, um eventuell vorhandene Bakterien abzutöten. Ansonsten blieb alles erhalten: „Es wurde nichts entzogen und nichts hinzugefügt“, betont Wollert. Alle 90 Sekunden können aufmerksame Beobachter ein kleines Dampfwölkchen sehen: Dann wird der Ausgabebereich mit 40 Grad warmem destilliertem Wasser gereinigt.

SMS an die Bäuerin

Die Idee zu dem Milchautomaten entstand im November beim Umbau des Kauflandes. Schon damals wurde der Platz mitsamt zugehöriger Steckdose für die Zapfstelle freigehalten. „Frau Wollert ist auf mich zugekommen und hat mir das Angebot gemacht“, sagt Hausleiter Christoph Kruschke. „Es passte sehr gut zu der Richtung, die wir als Kaufland auch eingeschlagen haben. Wir legen ja sehr großen Wert auf regionale Produkte.“ Von seinen Kunden hätte er schon gehört: „Die Milch schmeckt wie früher.“

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Der Milch-Automat wird regelmäßig neu gefüllt, wobei alle milchführenden Teile ausgetauscht werden. Die werden dann in Gohre in einer speziellen Spülstation gereinigt. „Und wenn nur noch 50 Liter Milch drin sind, bekomme ich eine SMS aufs Handy“, erklärt Marion Wollert.