Hottendorf l Nein, es laufe nicht mehr alles rund in Hottendorf nach der Abstimmung zum Windrad, bedauert Hermann Wolter. Seit der Ablehnung der geplanten Anlage im Rahmen einer Bürgerumfrage bekomme nämlich niemand mehr in Hottendorf Kies oder Fertigbeton aus dem Werk direkt vor den Toren der Ortschaft.

„Sonst haben wir die Waren dort immer bezogen, haben unseren Obolus bezahlt und gut. Jetzt jedoch gibt es rotes Licht für alle Hottendorfer“, erzählt Wolter im Volksstimme-Gespräch. Er habe den Leiter der Kiesgrube, Martin Schulze, im Herbst vorigen Jahres persönlich daraufhin angesprochen. „Er hat mir zu verstehen gegeben, solange er dort Chef ist, dürfen die Hottendorfer keine Waren mehr beziehen“, so Wolter. Ein solches Verhalten sei nach einer demokratischen Abstimmung schon merkwürdig, ja geradezu peinlich nach der großen Informationsveranstaltung vom Matthäi Bauunternehmen, wo den Hottendorfern umfangreiche finanzielle Unterstützung zugesagt worden waren, sollten sie dem Bau der Windanlage zustimmen. „Das ist eines couragierten Unternehmers nicht würdig“, kritisiert Wolter, zumal es ja nicht nur die Einwohner seien, sondern auch die Vereine, die von diesen Sanktionen betroffen sind.

Entscheidung nach Bürgerbefragung

Zur Vorgeschichte: Die Firma Matthäi Bauunternehmen mit Sitz in Stendal wollte für ihren Kiessandtagebau in Hottendorf eine Windradanlage errichten für eine autarke Energieversorgung. Entsprechende Anträge wurden 2018 gestellt. Allerdings liegt der Bereich nicht in einem ausgewiesenen Windvorranggebiet. Dafür wäre ein gesondertes Verfahren über die Regionale Planungsgemeinschaft Altmark erforderlich gewesen. Dies wiederum hätte die Stadt einleiten müssen. In einer Anhörung hatte der Hottendorfer Ortschaftsrat sich für eine Bürgerumfrage im Vorfeld einer möglichen Verfahrenseinleitung ausgesprochen. Die fand dann Ende Dezember auch statt. Alle seinerzeit 216 wahlberechtigten Hottendorfer wurden angeschrieben. 148 Einwohner schickten ihre Antworten zurück. 146 waren gültig. 104 Hottendorfer lehnten die Windkraftanlage ab, 42 waren dafür.

Im Vorfeld hatte das Unternehmen im Ort für den Bau dieser Anlage geworben und etliche Angebote für die Hottendorfer unterbreitet, wie kostenlose Annahme von Bauschutt, 30 Prozent Rabatt auf sämtliche im Tagebau erzeugten Schüttgüter und auf alle Betonsorten, die im Betonwerk erzeugt werden. Ortsansässige Vereine sollten auf Antrag jährlich mit 2500 Euro unterstützt werden, ebenso mit Baustoffen und Maschinentechnik. Das ist nun offenbar alles vom Tisch. Die Hottendorfer sind quasi vom Bezug der Waren aus dem Kiessandtagebau ausgeschlossen.

Das sei eine unternehmerische Entscheidung gewesen, bestätigt Matthäi-Geschäftsführer Martin Schulze auf Volksstimme-Anfrage. Man habe den Hottendorfern viele Angebote gemacht. Die ausgestreckte Hand sei mit der Ablehnung allerdings ausgeschlagen worden. Und da natürlich nicht herauszufinden gewesen sei, wer dagegen und wer dafür gestimmt habe, sei die Entscheidung getroffen worden, die Hottendorfer nicht mehr zu beliefern. „Wir hätten sonst vermutlich auch einen Keil in den Ort getrieben“, meint Schulz.

Zu Gesprächen bereit

Das Windrad hätte kaum Beeinträchtigungen für den Ort gebracht. Die Schallgeräusche wären nur bei Nordost-Wind zu hören gewesen. Und Wind aus dieser Richtung habe man in der Region dort sehr selten. Das Windrad wäre vom Ort aus auch gar nicht zu sehen gewesen. „Jeder will alles haben, aber bloß keinen Strom aus Wasser, Atom, Kohle, Solar oder Wind, aber jede Lampe soll brennen“, kritisiert Schulze. Er habe jetzt einen anderen Weg für die energieintensive Produktion im Hottendorfer Kiessandtagebau gefunden. „Wir zahlen 3,8 Cent pro Kilowattstunde“, sagt Schulze. Und das wäre in Ordnung. Und er hätte damit auch die Investitionskosten von einer Million Euro für das Windrad gespart.

Er sehe die Situation jetzt „ganz entspannt“. Die Tür sei für ihn längst nicht zugeschlagen. Der Ausschluss vom Warenbezug sei kein Dogma. „Das ist keine endgültige Entscheidung“, betont Schulze. Das Unternehmen sei nach wie vor regional verankert, spende für Kitas und Grundschulen, würde auch etwa die Hottendorfer Feuerwehr auf Wunsch weiter unterstützen. „Wir werden das auch wieder lockern. Ich bin auch gern bereit, das zu erklären. Ich hoffe, dass sich das Thema auf eine gemeinsame Gesprächsebene runterbrechen lässt“, so Schulze. Vielleicht beim nächsten Tag der offenen Tür im Hottendorfer Kiessandtagebau, der alle zwei Jahre stattfindet und für dieses Jahr um den 1. Mai geplant ist.