Gardelegen l Der letzte Mieter zog 1992 aus. Seitdem stand eines der schmucksten Denkmale in Gardelegen leer. Optisch machte es mit seiner dreifachen Vorkragung nämlich richtig Eindruck – auch auf so manchen Kaufinteressenten. Derer gab es viele seit der Wende. Die Eigentümer gaben sich fast die Klinke in die Hand. Und fast alle waren zunächst auch guten Willens, das historische Gemäuer zu sanieren – scheiterten dann aber an den hohen Kosten, die von Eigentümer zu Eigentümer immer höher wurden – denn der Zustand des Hauses wurde von Jahr zu Jahr schlechter. Leider blieben aber auch Sicherungsmaßnahmen zur Erhaltung der Bausubstanz aus. Der Hausschwamm zog ein – und fühlte sich sichtlich wohl.

Und so veranschlagte das städtische Bauamt im Jahr 2008 schließlich die stolze Summe von 800 000 Euro für einen Komplettausbau. Da gab es noch einen Eigentümer mit großen Plänen. Zwei Jahre später war auch der desillusioniert – trotz konkreter Fördergeldangebote der Stadt. Immerhin 46 Prozent der gesamten Baukosten hätten mit Fördermitteln aufgefangen werden können. Sogar der Stadtrat hatte dem schon zugestimmt. Seine eigene Finanzierung allerdings hatte der Hausbesitzer nicht rundgekriegt. Stattdessen bot er das Trüstedtsche Haus der Stadt zum Kauf an. 43 000 Euro wollte er dafür haben – exakt die Summe, die er selbst bezahlt hatte. Und das Haus verfiel weiter. Im September 2010 legte das Bauamt dem Stadtrat die Übernahme deshalb besonders an Herz: Nur so sei das Objekt zu halten. Das Haus könne mithilfe von Fördermitteln saniert und anschließend wieder verkauft werden – so der Plan.

Nur noch Fassade sollte erhalten werden

Doch der Trick, der beim Försterschen Haus zur Rettung wurde, misslang beim Trüstedtschen Haus. Denn diesmal konnten sich die Stadträte nicht dazu durchringen – offenbar auch, weil selbst die Gardeleger Wobau eine Sanierung angesichts des Zustandes und der bestehenden Auflagen der Denkmalschutzbehörde nicht mehr empfehlen konnte.

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Dann kam eine neue Idee auf, nämlich, nur noch die Fassade zu erhalten und das Haus selbst völlig neu zu bauen. Das jedoch hätte den Verlust des Fördergeldes bedeutet – zumindest aus dem angestrebten Topf. Und auch die Auflage der Denkmalschützer, das historische Hofhaus sei auf jeden Fall zu erhalten, machte die Entscheidung nicht eben leichter.

Haus fällt in sich zusammen

Aber zu dem Zeitpunkt war es ohnehin schon zu spät: Das Haus war mittlerweile einfach freiwillig zusammengefallen. Die Aufforderung des Kreises, Sicherungsmaßnahmen einzuleiten, hatte der Eigentümer erfolgreich ignoriert. Im November 2014 kam der Gnadenstoß: Das Haus musste aus Gründen der Sicherheit abgerissen werden. Teile des Giebels wurden eingelagert.

Die Kosten für den Rückbau durch eine Spezialfirma – rund 40 000 Euro – wurden dem Eigentümer auferlegt. Bezahlt hat er bislang nicht.

Das Hofhaus steht bis heute.