Gardelegen l Einen großen Bahnhof wollte er nicht zum Abschied, der Mann, der auch sonst nicht unbedingt im Rampenlicht stehen wollte: Engelhard Behrends, seit fast 28 Jahren Leiter des städtischen Bauamtes. Jetzt hatte er seinen letzten Arbeitstag. Behrends ist nun Rentner. Seine Chefin, Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig, hätte aber sehr gern einen großen Bahnhof zum Abschied gemacht, wie sie im Hauptausschuss betonte. „Denn er hat unglaublich viel bewegt. Ohne ihn würde die Stadt heute nicht so aussehen, wie sie aussieht“, so Zepig. Viele Gebäude, Straßen, Wege und Plätze würden seine Handschrift tragen.

Vor seiner Gardelegen-Zeit war Behrends Amtsleiter für Hoch- und Tiefbau in der damaligen Kreisverwaltung Klötze. Mit Beginn der Diskussionen zur Kreisgebietsreform (1994) suchte er nach neuen Herausforderungen. Er entschied sich für die Bauamtsleiterstelle in Gardelegen. „Ich wollte im Osten bleiben, denn hier begann die Aufbauarbeit, und es herrschte damals nach der Wende eine ganz besondere Aufbruchstimmung“, erinnerte sich Behrends. Am 1. August 1991 hatte er seinen ersten Arbeitstag in der Gardelegener Stadtverwaltung. „Und es gab viel zu tun“, so seine Worte. Flächennutzungspläne mussten erstellt werden mit der Fragestellung, wo sollen Industrie- und Gewerbeflächen oder Wohngebiete hin. „Eigentlich hätten wir drei Jahre planen müssen, aber es war keine Zeit. Alles musste gleichzeitig erfolgen“, erzählte Behrends.

Viele Bauprojekte auf den Weg gebracht

In seine Amtszeit fielen zahlreiche Bauprojekte: das Wohngebiet an der Gifhorner Straße, das ursprünglich am Langförderweg entstehen sollte, Gewerbe- und Industriegebiete, die Sanierung des Salzwedeler Tores, der Neubau des Gardelegener Gerätehauses, der Um- und Neubau der Gardelegener Stadtverwaltung, die Fußgängerzone, das Hansecenter, Straßenbauten, die Gestaltung der Wallanlagen, die Sanierung von Kindereinrichtungen und Schulen. Ein großes Thema war die umfangreiche Stadtsanierung. „Für Gardelegen eine Erfolgsgeschichte“, zog Behrends Bilanz. Über mehrere Fördertöpfe seien in den Jahren etwa 37 Millionen Euro in die Stadtsanierung geflossen.

Mit der Gebietsreform fielen in das Ressort von Behrends nun auch die Bauthemen in den Ortsteilen. Ein Schwerpunkt sei Mieste gewesen mit dem Neubau der Kita und des Gerätehauses, der Sanierung der Grundschule, Erschließung von Wohngebieten, der Renaturierung von Industriebrachen. Derzeit laufen die Bauarbeiten für ein Kinderbetreuungszentrum in Estedt (3,17 Millionen Euro) und für eine neue Kita in Jävenitz (3,1 Millionen Euro). Natürlich habe es auch Ärger und zahlreiche Diskussionen gegeben. Nicht alle Projekte hätten im geplanten Zeit- und Finanzrahmen realisiert werden können, räumte Behrends ein. Wachsende Bürokratie, lange Bearbeitungszeiten, explodierende Baupreise und immer komplizierter werdende Vergabevorschriften seien einige der Probleme, die für Verdruss gesorgt hätten. Dennoch: „Es war eine schöne Zeit in Gardelegen. Ich bin dankbar, dass ich die vielen Aufgaben und Herausforderungen meistern durfte. Ich bedanke mich bei allen, die mich unterstützt haben“, so Behrends. Besonders dankte er auch seinen Mitarbeitern im Bauamt. Die 28 Jahre seien jedenfalls wie im Fluge vergangen.

Aber Langeweile werde er auch im Ruhestand nicht haben. Er habe ein großes Bauerngrundstück, baue Kartoffeln und Spargel noch selbst an. Das Reisen sei ein großes Hobby des Ehepaares Behrends. Das Paar ist Mitglied eines Tanzclubs. Einmal wöchentlich wird getanzt. „Wir haben Freude an unserem Enkel. Und ich werde auch wieder mehr Zeit für die Natur und Jagd haben und auch für den Haushalt, denn ich bin auch ein guter Hausmann, kann gut kochen, bügeln und saubermachen“, erzählte Behrends. Doch jetzt ist erst mal Urlaub angesagt. Nächste Woche geht‘s hoch zur Ostsee.