Kakerbeck/Kalbe l Es war nach Volksstimme-Informationen eine sehr knappe Entscheidung. Dennoch hat der Kalbenser Stadtrat den Verkauf des ehemaligen Landambulatoriums in Kakerbeck beschlossen. „Wir hätten dort sonst demnächst in Größenordnungen investieren müssen“, erklärte dazu Einheitsgemeinde-Bürgermeister Karsten Ruth.

Beschwerde des Ortsbürgermeisters

Das Thema birgt allerdings weiterhin erheblichen Zündstoff und könnte den Stadtrat durchaus noch einmal beschäftigen. Denn der Kakerbecker Ortschaftsrat hatte sich im Oktober gegen einen Verkauf ausgesprochen und ist nun alles andere als einverstanden mit der getroffenen Entscheidung. Ortsbürgermeister Ulf Kamith – das haben er selbst und auch Karsten Ruth bestätigt – hat sogar Beschwerde eingelegt. Ein Widerspruchsrecht hat er, im Gegensatz zum Einheitsgemeinde-Bürgermeister, aber nicht. Denn der Ortschaftrat kann lediglich etwas empfehlen. Das letzte Wort hat immer der Stadtrat.

Und der habe bei seiner Verkaufsentscheidung keine formellen Fehler gemacht, wie Karsten Ruth nun nach Rücksprache mit der Kommunalaufsicht erklärte.

Doch warum hat der Ortschaftsrat überhaupt gegen eine Veräußerung der Immobilie, zu der auch ein Garagenkomplex und ein rund 2000 Quadratmeter großes Grundstück gehören, votiert? Nach Informationen der Volksstimme hielt das Gremium die Verkaufskonditionen nicht für angemessen. Im Internet war die Immobilie zuvor nach entsprechender Taxierung für rund 30 000 Euro ausgeschrieben gewesen. Der Verkaufspreis soll aber nun sogar noch leicht darunter liegen. Und das, obwohl in dem Haus alle vier Wohnungen im Ober- und Dachgeschoss vermietet sind, es also regelmäßige Einnahmen gibt, mit denen sich auch anstehende Investitionen zeitnah amortisieren ließen.

Sanierung war lange gehegter Wunsch

So müssten unter anderem dringend die Wasserleitungen im Haus erneuert und der Salpeterbefall im Keller eingedämmt werden. Zudem müsste die erste Etage, in der sich bis vor einigen Jahren noch Praxisräume befunden haben, so umgestaltet werden, dass sich daraus zwei separate Wohnungen machen ließen. Aktuell steht diese Etage leer.

Daher hatte der Ortschaftsrat das Thema auch immer wieder via Investitionswunschliste auf die Agenda gebracht und ein Sanierungskonzept eingefordert. Im Zuge der städtischen Haushaltsplanung war dann auch wiederholt darüber diskutiert worden. Letztlich war das Vorhaben aber immer wieder an den Sparzwängen der Kommune gescheitert.

Das ehemalige Landambulatorium befindet sich in Kakerbeck an einer Nebenstraße, also nicht direkt an der viel befahrenen B 71, die sich durch das ganze Dorf zieht. Es handelt sich somit um eine attraktive Wohngegend und es ist davon auszugehen, dass sich auch die freien Räume in dem Objekt nach einer Umgestaltung vermieten ließen. Das macht die ganze Sache für den Ortschaftsrat noch bitterer. Einige Mitglieder sind der Meinung, dass die Immobilie regelrecht verschleudert worden ist.

Ob das Thema noch einmal vom Stadtrat aufgegriffen wird, dürfte davon abhängen, ob sich im Gesetz ein Passus finden lässt, mit dem sich die Entscheidung anfechten ließe. Ortsbürgermeister Ulf Kamith ist diesbezüglich durchaus optimistisch und will auf jeden Fall einen Versuch starten, wie er gestern bestätigte.