Gardelegen l Morgen endet mit einer Abschlussveranstaltung in Schadeleben, einem Ortsteil von Seeland, die erste Herzwoche in Sachsen-Anhalt. Es handelt sich um eine Initiative des Sozialministeriums gemeinsam mit vielen Partnern, wie der Deutschen Herzstiftung. Ziel ist es, mit Prävention und Aufklärung die Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate von Herz-Kreislauferkrankungen in Sachsen-Anhalt zu verringern. Im Rahmen dieser Herzwoche war gestern Staatssekretärin Beate Bröcker zu Gast im Gardeleger Altmark-Klinikum. In Sachsen-Anhalt gibt es die höchste Rate an Todesfällen bundesweit. Ein Alarmsignal, hier tätig zu werden. Im Altmark-Klinikum wollte sich Bröcker über die kardiologische Versorgung, über Probleme und Entwicklungsperspektiven informieren.

Dr. Michael Schoof, ärztlicher Direktor im Krankenhaus Gardelegen, stellte zunächst das Klinikum mit seinen Standorten in Gardelegen und Salzwedel kurz vor. 766 Mitarbeiter, darunter etwa 600 Vollzeitkräfte, arbeiten im Klinikum. Jährlich würden etwa 20 000 Patienten stationär behandelt. Die Zahl sei über die Jahre hin durchschnittlich konstant, so Schoof. Am Standort Gardelegen gibt es ein medizinisches Versorgungszentrum unter anderem mit einer diabetologischen Schwerpunktpraxis. Demnächst starte dort ein Fördermittelprojekt, um ein Mutter-Kind-Zentrum in Gardelegen zu etablieren. Verbunden damit sei ein Umzug der Kinderklinik ins Haupthaus. Erforderlich seien auch bauliche Umgestaltungsarbeiten, die etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen werden. Betroffen sei jede Abteilung im Haus.

Prävention

Geplant sei zudem die Anschaffung neuer OP-Tische, die auch für schwergewichtige Patienten geeignet seien. „Deutschland will Weltmeister im Fußball werden. Europameister sind wir schon – bei Adipositas“, merkte Schoof an. Und weiter: „Wir sind rundum mit Arbeit eingedeckt. Eine Herausforderung für die Zukunft wird es sein, dass das Klinikum ein attraktiver Arbeitgeber ist.“ Allein 4400 kardiologische Patienten werden jährlich im Gardeleger Klinikum betreut, ergänzte Hjalmar Koppatz, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin. Behandelt werden unter anderem koronare Herzkrankheiten, Herzrhythmusstörungen, Herzklappenerkrankungen, arterielle Hypertonie bis hin zur Implantation von Herzschrittmachern. Etwa 70 Fälle gibt es pro Jahr, so Koppatz. Eine invasive Versorgung sei nicht möglich. Da müsse man auf andere Häuser, etwa in Stendal, Haldensleben, Uelzen oder die Uni-Klinik Magdeburg, ausweichen.

Ein weiteres Problem seien die Kardiologen. Für diese Spezialisten seien die Häuser auf dem Land nicht lukrativ genug. In Gardelegen gebe es glücklicherweise mit Dr. Robertus Schobre einen Kardiologen. „Was tun, um die Infarktzahlen zu senken? Die Politik muss mit ins Boot. Denn Gesundheitserziehung Herz, Kreislauf und Stoffwechsel sollte schon in der Schule eine große Rolle spielen“, betonte Schobre, „das bietet großes Einsparpotenzial.“ Mit Aktionstagen und -wochen würde man bei weitem nicht alle Bevölkerungsgruppen erreichen. Zumeist seien es nur die Betroffenen selbst, die diese Informationsveranstaltungen nutzen würden. Die Politik mit ins Boot holen – ein Netzwerk unter anderem mit Schulen, Kitas, örtlichen Verwaltungen und Krankenhaus wäre auch für die Kommunalpolitik ein lohnenswertes Thema, meinte Bröcker.

SPD-Landtagsabgeordneter Jürgen Barth, der Beate Bröcker (SPD) gestern begleitete, sprach sich dafür aus, dass auch in Gardelegen eine invasive Versorgung wichtig wäre. Denn die Wege nach Stendal, Uelzen oder Magdeburg würden sich schließlich nicht verändern. Und entscheidend bei einem Infarkt sei nun mal schließlich die Zeit. „Die kardiologische und neurologische Versorgung, das sind die großen Themen. Es wird konkrete Projekte geben. Wir sind da aber erst am Anfang“, erläuterte Matthias Lauterbach, Geschäftsführer der Salus Altmark Holding GmbH. Im September voraussichtlich sollen dazu erste Beschlüsse im Aufsichtsrat folgen. Auf Einzelheiten ging Lauterbach nicht ein. Nur soviel: „Es wird ein Konzept geben, das uns von anderen Regionen deutlich unterscheiden wird.“ Von der gestrigen Runde im Klinikum will Lauterbach konkret mitnehmen, das man künftig noch mehr in die Prävention gehen muss.