Letzlingen l 16 Jahre alt ist Niklas Rost. Ein schlaksiger Jugendlicher, sportbegeistert wie viele in seinem Alter. Am 27. Juni 2019 wird er die Schule beenden, das Datum weiß er auswendig, auch darin ist er wohl nicht der einzige. Doch der junge Letzlinger ist blind. Und das macht seinen Ausbildungsweg komplizierter als den seiner Altersgenossen.

Immer wieder braucht er spezielle Förderung und zusätzliche Kurse. Der junge Mann, der zurzeit noch in Tangerhütte auf eine Förderschule geht, muss alle sechs Wochen ins Ruhrgebiet fahren, nach Essen, wie seine Mutter Daniela Rost erzählt. Leicht ist das nicht, und wenn es dort nicht die Möglichkeit gäbe, im Ronald-McDonald-Haus unterzukommen, wäre vieles nicht möglich.

Ein Dankeschön für die Unterkunft

Ein Grund für die Familie, der Einrichtung einfach einmal „Danke“ zu sagen und bei einem Hofmarkt Geld für das Haus zu sammeln. Und so haben sich am Sonnabend Familienmitglieder und Freunde zusammengetan, verkaufen Gegrilltes und Kuchen, aber auch einige Waren, die Firmen für den guten Zweck gestiftet haben. Mehr als 100 Besucher strömen im Laufe des Tages auf den Hof, tragen ihren Teil bei.

Niklas ist bereits seit seiner Geburt blind. Das heißt, ein wenig Hell und Dunkel kann er unterscheiden, Farben erkennen, viel mehr aber nicht. Der Grüne Star ist erblich bedingt, die Hornhaut trübe. Auf dem Letzlinger Hof in der bekannten Umgebung findet er sich zurecht, auch in Tangerhütte in der Schule kommt er gut klar, schreibt im Unterricht auf seiner Braille-Schreibmaschine in Blindenschrift mit und fühlt sich manchmal etwas deplatziert in der Förderschule zwischen den lernbehinderten Mitschülern. „Geistig ist er ja fit“, betont seine Mutter.

Taststock statt Blindenhund

Jetzt wartet auf Niklas die blindentechnische Grundausbildung in Chemnitz. Dort soll er unter anderem ein Stocktraining erhalten, um sich mit dem Taststock sicher durch unbekanntes Gelände zu bewegen. Einen Blindenhund wird Niklas wohl nicht bekommen. Die Familie hatte zwar die Idee, ihren Hund dazu ausbilden zu lassen. Doch der Labrador-Retriever-Mischling Chaos war dann doch zu wild – der Name verrät‘s.

Niklas hat noch eine Menge vor nach der Schule. In den nächsten Wochen will er ein Praktikum in der Landesverwaltung machen und eines beim MDR-Radio. Vor allem auf die Zeit im Landesfunkhaus freut er sich. Denn Sportjournalist – das wäre sein Traumberuf. Ehrensache, dass er die Berichterstattung im Radio und Fernsehen aufmerksam verfolgt. Vor allem liebt er Eishockey. Wie das geht, ohne etwas zu sehen?

„Ich verlasse mich da auf den Kommentator“, sagt er lächelnd. Und dass die Übertragung von Fußballspielen im Radio für Blinde viel schöner ist als im Fernsehen, wird jeder bestätigen können, der bei der Bundesliga-Übertragung einmal die Augen zugemacht hat. Auch die unterschiedlichen Qualitäten der Sportreporter kennt Niklas gut. „Wenn da ein Tom Bartels kommentiert“, stöhnt er und verdreht genervt die Augen, „der labert nur Müll, das ist schlimm.“

Grund genug für Niklas, es besser zu machen. Und vielleicht hört man ja in nächster Zeit die Stimme des jungen Letzlingers in einer Sportsendung im Radio. Vielleicht sogar bei einem Eishockeyspiel.