Gardelegen/Lützen l Auf einer zwölf Quadratmeter großen Platte zeigt das Modell im Maßstab 1 : 200 die Stadt Gardelegen um 1620. 930 Wohnhäuser und Nebenanlagen, wie Ställe und Scheunen, hat Modellbauer Helfried Schmelzer detailgetreu nachgebaut. Natürlich auch das Gardelegener Rathaus und die Kirchen der Stadt. Ein sehr schönes, anschauliches Modell, das aber seit Jahren im kommunalpolitischen Brennpunkt in Gardelegen steht.

Denn jahrelang hat Schmelzer versucht, der Stadt das Modell zu verkaufen – erst zum Selbstkostenpreis, danach wurde es immer teurer. Zuletzt waren es um die 30 000 Euro, die Schmelzer dafür haben wollte. Für einen Kauf gab es im Stadtrat nie eine Mehrheit. Das mittelalterliche Stadtmodell wurde zu einer unendlichen Geschichte. Bis zum Juni des vorigen Jahres. Schmelzer hatte das Modell als Leihgabe der Gartenakademie Sachsen-Anhalt übergeben. Die ließ es, finanziert von zwei örtlichen Kreditinstituten, an die Wand der Kapelle St. Georg befestigen, versehen mit einem richtigen Rahmen. Dort konnte es auch besichtigt werden.

Modell an der Wand von St. Georg

Doch eines Tages wurde Uwe Weiß, Bürgermeister von Lützen (SPD), einer Kleinstadt mit 8600 Einwohnern und 34 Ortschaften, gelegen im südlichsten Sachsen-Anhalt, auf den Modellbauer aus Gardelegen aufmerksam. Schmelzer hatte – aus gesundheitlichen Gründen – seine 140 000 selbstangefertigten Figuren aus der Zeit der napoleonischen Schlachten, eine Sammlung Zinnfiguren und diverse Literatur im Internet zum Verkauf angeboten.

Das Interesse aus Lützen kam nicht von ungefähr, denn bei Lützen fand im November 1632 eine der Hauptschlachten des Dreißigjährigen Krieges statt. Und im Mai 1813 kämpften auf dem Schlachtfeld bei Großgörschen, einem Ortsteil von Lützen, napoleonische Truppen gegen preußische Soldaten und verbündete Truppen. Diese Schlacht wird jedes Jahr im Mai nachgestellt zu Ehren der Gefallenen, im Gedenken an die Leiden der Bevölkerung und in Würdigung von Leben und Werk des in der Schlacht verwundeten preußischen Generals Gerhard David von Scharnhorst.

Zu diesem Rahmen passten die Figuren Schmelzers. Bürgermeister Weiß machte mit Schmelzer einen Termin aus. „Ich war bei ihm. Er hat mir alles gezeigt. Ich habe Interesse bekundet, ein Verkaufserlös wurde vereinbart“, erzählte Weiß auf Volksstimme-Anfrage. Das Wandbild mit dem Modell von Gardelegen habe Schmelzer ihm gleich mit angeboten, weil Gardelegen selbst kein Interesse daran gehabt hätte. Und Weiß griff auch da zu, denn dieses Modell mit dem mittelalterlichen Stadtkern sei typisch für die Zeit gewesen. Der Stadtkern hätte eben überall so ausgesehen haben können. „Und so habe ich das Wandbild in vier Teilen miterworben“, so Weiß – alles vertraglich vereinbart.

Alles vertraglich vereinbart

Später, bei einer Bürgermeisterweiterbildung, habe er dann seine Gardelegener Amtskollegin Mandy Zepig kennengelernt. Man sei ins Gespräch gekommen. Ein Thema dabei sei das Stadtmodell gewesen. „Ich meine, das Modell gehört nach Gardelegen“, betonte Weiß. So habe er angeboten, das Modell als Dauerleihgabe in Gardelegen zu belassen. Die Stadt habe das Angebot angenommen. Die Dauerleihgabe wurde zwischen beiden Städten vertraglich geregelt.

Sehr zum Ärger von Helfried Schmelzer, der nicht wollte, dass Gardelegen nach den jahrelangen Querelen über Kauf oder Nicht-Kauf quasi über acht Ecken das Modell doch noch bekommt, und das auch noch für lau. „Ich habe einen Vertrag mit Herrn Schmelzer, und damit ist die Welt für mich in Ordnung“, betonte Weiß, denn mit der öffentlichen Präsentation in der Kapelle werde ja das Werk Schmelzers seitens der Stadt schließlich auch ordentlich gewürdigt.

Das bestätigte auch Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig (SPD). Es habe freundschaftliche Kontakte zwischen beiden Bürgermeistern gegeben. Ein Dauerleihvertrag wurde unterzeichnet. Eigentümer des Modells bleibe die Stadt Lützen. Gardelegen bekommt es als unentgeltliche Dauerleihgabe. „So kann das Stadtmodell in Gardelegen bleiben, wo es hingehört“, betonte Bürgermeisterin Zepig