Kalbe l „Die Begehung war ein Augenöffner“, sagt Bürgermeister Karsten Ruth, der am Dienstagabend eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Stadträten, Feuerwehrkameraden und Verwaltungsmitarbeitern durch das Kalbenser Kulturhaus geführt hat. Anschließend verständigte sich die Gruppe einmütig darauf, das Objekt nicht weiter in die Planungen für ein neues Feuerwehrgerätehaus einzubeziehen. „Der Kosten-Nutzen-Aufwand wäre einfach zu hoch“, so Ruth.

Gegründet hatte sich die Gruppe, nachdem von der CDU-Fraktion des Stadtrates kurzfristig beantragt worden war, die Möglichkeiten zu prüfen, ob das Kulturhaus als Feuerwehrobjekt, aber auch als Ausweichquartier der Stadtverwaltung herhalten könnte. Denn auch in diese muss aufgrund von Brandschutzauflagen dringend investiert werden.

Letztere gibt es aber auch im Kulturhaus, weshalb seit mehreren Jahren der Kleine Saal, das Kabinett und die angrenzenden Räume gesperrt sind. Diese so zu ertüchtigen, dass sie wieder nutzbar wären, also mit zweitem Fluchtweg, würde laut Bürgermeister „mindestens 200.000 Euro“ kosten. Dennoch sind die Überlegungen, dort die Stadtverwaltung einzuquartieren, noch nicht komplett ad acta gelegt. Ganz im Gegensatz zum Einzug der Feuerwehr.

Bilder

Kein Luxus, sondern Notwendigkeit

Deren Vertreter, Stadtwehrleiter Jörg Kämpfer und Ortswehrleiter Ramón Rulff, haben der Arbeitsgruppe am Dienstagabend vor der Begehung das Konzept zum Um- und Neubau des Gerätehauses vorgestellt. „Es war sehr gründlich vorbereitet. Und die Kameraden haben auch Alternativstandorte in Betracht genommen“, so Ruth.

„Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile sind sie jedoch zu dem Schluss gekommen, dass der jetzige Standort des Gerätehauses weiter favorisiert werden sollte“, sagt der Bürgermeister.

Dass etwas passieren muss, steht für ihn und die Feuerwehr außer Frage. „Wir sind mehrfach von der Feuerwehrunfallkasse darauf hingewiesen worden, dass der Zustand des jetzigen Gerätehauses nicht mehr rechtskonform ist“, so Ruth. Das beträfe zum Beispiel die Einstiegsbreiten und Torhöhen der Garagen. Aber auch in Umkleiden, Sanitär- und Sozialtrakt müsste investiert werden. „Die jetzige Bausbustanz lässt es aber nicht mehr zu, dass da noch etwas in Größenordnungen passiert“, erklärt der Bürgermeister. Deshalb sei ein Neu- und Umbau unumgänglich. „Und wir reden hier nicht über Luxus, sondern über wirtschaftliche Notwendigkeiten“.

Nach bisherigen Schätzungen würde das Ganze rund drei Millionen Euro kosten, wobei wohl nur ein Drittel davon gefördert würde. „Das ist eine Summe, die den Stadtrat sehr belastet und die nicht ohne Kredit aufzubringen ist. Das wiederum würde viele andere Projekte über Jahre nach hinten schieben“, so der Bürgermeister im Hinblick auf die vorherigen Überlegungen, den ungenutzten Bereich des Kulturhauses einzubeziehen.

Ein Fass ohne Boden

Der aber, das hat die Begehung gezeigt, wäre ein Fass ohne Boden. Nicht nur, weil die Wanne des Objektes beschädigt ist und der komplette Keller unter Wasser steht. Das Haus müsste auch umgewidmet werden, würde seinen Bestandsschutz verlieren, was wiederum höhere Auflagen an öffentliche Gebäude und somit höhere Kosten mit sich brächte.

Die Arbeitsgruppe trifft sich nun noch einmal am 29. Mai. Dann soll es auch darum gehen, wie künftig mit dem Thema Umzug beziehungsweise Sanierung der Stadtverwaltung umgegangen wird. Dem Stadtrat sollen bei der Sitzung am 14. Juni dann entsprechende Ergebnisse präsentiert werden.

„Fakt ist aber“, so der Bürgermeister, „dass die Arbeitsgruppe geschlossen hinter dem Konzept der Feuerwehr steht.“ Denn sie müsse zukunftsfähig aufgestellt werden. Und Kalbe sei nun einmal die Stützpunktfeuerwehr, die zu allen größeren Einsatzgeschehen in der Umgebung hinzugerufen werde. Umso dankbarer sei er, betont Karsten Ruth, dass die Stadt- und die Ortswehrleitung bei der konzeptionellen Vorbereitung des Um- und Ausbaus des Gerätehauses so fachlich kompentent, engagiert, aber auch sachlich agiere. Der Förderantrag soll voraussichtlich im März 2019 gestellt werden.