Altmarkkreis l „Bei den Beerdigungen ist sehr große Unsicherheit zu spüren“: Das hat Reiner Lehmann, Bestatter aus Dähre, beobachtet. Die Familienmitglieder würden Abstand halten beim Begrüßen. Es gehe etwas die Angst um, wenn Trauergäste aus anderen Bundesländern beim Abschied teilnehmen würden. Er selbst fühlt sich vom Gesundheitsamt nicht gut informiert. Es sei schwierig, Schutzbekleidung und Desinfektion nachzuordern – weil nichts geliefert werde.

Eine Urnenbeisetzung, die etwa 90 Prozent der Angehörigen bevorzugen, lasse sich durchaus etwas nach hinten schieben. „Manchmal dauert es länger als die gesetzlich vorgeschriebenen vier Wochen, weil eine Obduktion notwendig ist, das Krematorium keinen Termin frei hat oder der Pastor nicht kann“, beschreibt Reiner Lehmann. Aber dies sei für die Familie schwierig: „Sie kann nicht zeitnah Abschied nehmen und mit dem Tod des Angehörigen abschließen.“

Beerdigungen im engsten Familienkreis

Auch mit dem Blumenschmuck werde es zusehends schwieriger, weil die Geschäfte geschlossen haben, ergänzt Marlies Mähren, Bestatterin aus Salzwedel. Das Abschiednehmen sei oft nur noch an der Grabstelle erlaubt, möglichst im kleinen Kreis. „Kondolenzlisten legen wir nicht mehr aus, damit der Stift nicht von Hand zu Hand geht“, sagt sie. „Die Trauernden haben viel Vernunft“, bedankt sie sich. Auch wenn es die aktuelle Situation noch nie gegeben habe, sei es weiter wichtig, von einem geliebten Menschen würdevoll Abschied nehmen zu können.

„Ruhe bewahren und die Hygienevorschriften einhalten“, das rät Bestatter Wolfgang Müller aus Salzwedel. Auch das Abstandhalten sei wichtig. „Wir machen nur noch Beerdigungen mit dem engsten Familienkreis an der Grabstelle“, erklärt er. Dieses Vorgehen werde mit den Angehörigen und mit dem Friedhofswärter abgesprochen. Er könne den Wunsch von Freunden durchaus verstehen, dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. „Aber das Kondolieren ist auch anders möglich, zum Beispiel, indem man eine Karte schreibt“, sagt Wolfgang Müller.

Abschiednahme nicht herauszögern

„Die Zeit erfordert kreative Lösungen, die im Einzelfall mit den Angehörigen abgesprochen werden“, schildert Joachim Thurn, Pastor der Kirchspiele St. Georg Salzwedel und Groß Chüden. Die Gespräche vor der Abschiednahme führe er im Pfarrhaus. „Da ist genug Platz. Es gibt die Möglichkeit, sich die Hände zu waschen“, beschreibt er diese Variante, die auch seinem Schutz diene. Für eine kirchliche Beerdigung wolle er Kapellen und Kirchen nicht verschließen. Der nötige Abstand sei erforderlich. Mittels einer Mikrofonanlage werde das Gesagte ins Freie übertragen. Der Pastor plädiert dafür, die Abschiednahme nicht zu lange hinauszuschieben. „Da haben wir eine seelsorgerische Verantwortung“, erklärt Joachim Thurn. Die Zeit spiele dagegen bei Taufen keine vordergründige Rolle. Diese ließen sich verschieben. „Das wird wohl in diesem Jahr auch auf die Konfirmationen zutreffen“, blickt er voraus.

Die kommunalen Trauerhallen in der Verbandsgemeinde (VG) Beetzendorf-Diesdorf seien nicht verschlossen, sagt VG-Bürgermeister Michael Olms auf Nachfrage. Allerdings müsse die Verordnung des Landes umgesetzt werden, in der der Abstand zwischen den Stühlen geregelt sei. Dadurch sei der Platz auf minimale Personenzahlen im Inneren begrenzt.

Trauerhallen sind geschlossen

Anders sieht es im Bereich der Einheitsgemeinde Hansestadt Gardelegen aus. Hier sind die Trauerhallen geschlossen. „Trauerfeiern sind nur noch am Grab oder vor der Trauerhalle möglich“, verdeutlicht die zuständige Mitarbeiterin Bettina Bauer. Die Bestatter seien darauf hingewiesen worden, dass bei den Trauerfeiern Listen mit Angaben der Gäste zu führen sind, die bis vier Wochen nach der Beisetzung aufgehoben werden müssen. Die notwendigen Unterlagen erhalten sie über das Fenster und nicht mehr im Büro des Standesamtes. Unersetzlich ist das persönliche Gespräch mit den Bürgern bei der Grabstättenauswahl. „Das findet weiterhin auf dem Friedhof statt“, betont Bauer.

Rechtzeitig vorbereitet auf die neuen Bestimmungen hat sich unter anderem das Gardelegener Bestattungshaus Horst Weingart. „Wir haben zusätzlich einen Pavillon angeschafft, damit wenigstens der Redner nicht nass wird, wenn es regnen sollte“, berichtet Uwe Weingart, der mit seiner Tochter Juliane auch im Familienunternehmen tätig ist. Auch eine batteriebetriebene Mikrofonanlage wurde für die Beerdigungen im Freien erworben.

Mehr Zeit, mehr Personal

Beides hatte am vergangenen Donnerstag Premiere. Zudem lag an diesem Tag auch erstmals neben der Kondolenzliste die Liste für die Erfassung der Trauergäste aus. Dabei habe sich in der Praxis laut Uwe Weingart gezeigt, dass man zum Erfassen der notwendigen Daten einen zusätzlichen Mitarbeiter vor Ort haben müsse. Zusätzliche Zeit müsse dafür ebenfalls eingeplant werden. Die Trauergäste seien aber sehr verständnisvoll und würden auch schon eigene Kugelschreiber mitbringen. Im Büro müsse weiterhin das Gespräch mit den Angehörigen erfolgen. Dabei werde aber versucht, den Mindestabstand einzuhalten. Zudem werden beispielsweise die Türklinken ständig desinfiziert.