Gardelegen l Kein Musikunterricht in den Jahrgängen fünf bis acht, kein Religionsunterricht in den siebten und achten Klassen, Stundenkürzungen in Mathematik, Physik, Sport, Kunst, Ethik, Geografie und Biologie. Erst ab Klassenstufe zehn wird alles vollständig unterrichtet, um die Schüler gut aufs Abitur vorzubereiten. Aber eben erst aber der zehnten Klasse. Denn auch im Gardelegener Gymnasium herrscht akuter Lehrermangel. Fünf Stellen waren ausgeschrieben. Dafür gab es zwei Bewerbungen. „Das waren aber gezielte Bewerbungen von Lehrern, die zurück wollten“, sagt Schulleiterin Steffi Ros. In einer weiteren Runde waren zwei Stellen ausgeschrieben. Bewerbungen gab es keine.

Im Gymnasium in Gardelegen geht man jetzt von daher einen anderen Weg und setzt auf intensive und gute Nachwuchsarbeit – in der Hoffnung, dass der Lehrernachwuchs danach auch im Gardelegener Gymnasium bleibt. Und das spricht sich offenbar auch unter den Absolventen der Uni Halle herum – und im Landesschulamt.

Als gute Ausbildungsschule geschätzt

„Jetzt wird schon gesagt, wenn ihr eine gute Ausbildungsschule sucht, dann geht nach Gardelegen“, sagt Ros. Denn aktuell sind sechs Referendare an der Schule. Und bei zwei Referendarinnen ist schon klar, dass sie in der Schule bleiben wollen. Sie kommen aus der Altmark, unterrichten Englisch und Spanisch sowie Deutsch und Sozialkunde. Und es könnte sein, dass noch ein dritter Referendar mit der Fächerkombination Deutsch und Geschichte bleibt, der eigentlich weit weg zu Hause ist, nämlich im schönen Nürnberg. „Es könnte sein, dass er bleibt“, hofft Steffi Ros.

Zu den Referendaren gehört seit dem 1. September auch Clemens David aus Halle. Der 25-Jährige unterrichtet Mathematik und Sport. Gardelegen habe er sich gezielt ausgesucht. „Ich wollte eine Schule haben, wo ich gern genommen werde, wo ich nicht als Anhängsel gesehen werde, denn schließlich geht es um meine Ausbildung. Und das ist für mich sehr wichtig“, betont Clemens David. Die Schulen in der Region Halle seien aufgrund der Uni dort völlig überlaufen.

Kollegen sehr hilfsbereit

Nach einer Empfehlung durch das Landesschulamt hatte er dann in Gardelegen angerufen. „Und ich wurde sofort zur Schulleitung durchgestellt“, sagt David. Das sei durchaus nicht selbstverständlich. Das Gespräch sei gleich sehr gut gelaufen. Man sei sich gleich sympathisch gewesen. „Ich hatte ein gutes Gefühl“, erinnert sich der 25-Jährige. Noch in der Abiturphase habe es dann ein erstes persönliches Treffen gegeben. Er konnte die Schule besichtigen, mit anderen Referendaren ins Gespräch kommen. „Ich wurde mit offenen Armen empfangen“, erzählt Clemens David. Das didaktische Ausbildungskonzept des Landes sei in Gardelegen bekannt und werde auch eingehalten. Die Kollegen seien hilfsbereit. Er könne Leihbücher nutzen und kopieren.

„Das ist auch nicht überall selbstverständlich“, betont David. Derzeit ist er in den fünften Klassen eingesetzt. Dazu werden dann noch die Klassenstufen acht, zehn und elf kommen. „Die Fünftklässler waren für mich etwas Neues. Ich bin aber positiv beeindruckt, dass sie es schaffen, weitestgehend still zu sitzen“, sagt der sympathische Lehrernachwuchs mit einem fröhlichen Lachen. Er fühle sich wohl in Gardelegen, sei auch von anderer Seite unterstützt worden, beispielsweise von der Bürgermeisterin unter anderem bei der Wohnungssuche. „Es gefällt mir hier. Die Schule ist top. Nur mein Fahrrad fehlt mir noch. Das steht noch in Halle“, bedauert Clemens David.

Zusatzausbildung zum Mentor

Viel Lob für den jungen Mann gab es auch von Schulleiterin Steffi Ros. Er würde neben seinen Aufgaben als Referendar auch immer wieder seine Hilfe anbieten, wenn Vertretungsstunden zu besetzen sind. „Das ist aber nicht Sinn der Sache, den Lehrermangel mit Referendaren auszugleichen“, stellt Ros klar. Denn im Gardelegener Gymnasium wolle man den Referendaren eine gute Ausbildung bieten, eben in der Hoffnung, dass sie bleiben. Die Schule sei auch ständig in Verbindung mit dem Landesschulamt, wo die Referendare vermittelt werden. „Von 2010 bis 2019 hatten wir hier gerade mal zwei Referendare, jetzt sind es sechs“, so Ros. Zwei Referendare konnten in diesem Jahr ihre praktische Ausbildung beenden. Wenngleich auch nicht in Gardelegen, seien die jungen Lehrkräfte in der Region geblieben. Sie unterrichten jetzt in Schulen in Osterburg und Haldensleben.

Auch im Kollegium gebe es eine große Bereitschaft, die Referendariatsausbildung, die immerhin 16 Monate dauert, zu unterstützen. Allein im vorigen Jahr hätten fünf Lehrkräfte eine Mentorenausbildung absolviert, um den Lehrernachwuchs gut betreuen zu können. Weitere Kollegen würden schon auf den nächsten Mentorenkurs warten.

Im April wird ein Referendar aus Kassel mit der Kombination Geschichte und Sport in Gardelegen anfangen, und im September eine Referendarin aus der Altmark mit Deutsch und Geschichte. 45 Lehrer arbeiten im Gymnasium. Allein mit den Kürzungen in den Klassenstufen fünf bis acht würden rein rechnerisch vier Lehrkräfte fehlen. Im Gegenzug decken die Referendare zwei Lehrerstellen ab. „Die Kürzungen belasten uns und natürlich auch die Eltern sehr“, betont Steffi Ros. Sie hofft, dass der Plan funktioniert: Das Gardelegener Gymnasium als gute Ausbildungsschule zu etablieren mit Referendaren, die sich nach Abschluss ihres Vorbereitungsdienstes auch auf eine Lehrerstelle im Gardelegener Gymnasium bewerben.