Gardelegen l Seit sage und schreibe 46 Jahren gibt er beim MCE den Ton an. Und er hört natürlich jeden Ton. Dabei rutschte Hans Eggert eher zufällig hinein ins Ensemble. Das war 1971. Als Zuhörer bei einem Chortreffen in Stendal wird der Gardeleger damals nämlich vom damaligen Vorsitzenden Walter Trapp angesprochen. Denn die Sänger brauchten dringend einen Nachfolger für ihren damaligen Dirigenten, der aus gesundheitlichen Gründen aufhören wollte. „Ich hab mir ein Vierteljahr Bedenkzeit erbeten“, erinnert sich Eggert. Immerhin ist der damals 33-Jährige, der von 1960 bis 1964 an der Pädagogischen Hochschule Halle Pädagogik studiert hatte, beruflich ziemlich eingespannt. Als Musiklehrer unterrichtet er an der Gardeleger Karl-Marx-Schule nämlich Knaben und Mädchen. „Bis dahin hatte ich also nur mit Kinderchören zu tun“, erzählt er. Ein reiner Herrenchor war da natürlich eine echte Herausforderung.

Leitung seit Herbst 1971

Doch die reizt ihn wohl auch irgendwie. Und so übernimmt er im Herbst 1971 deshalb auch den Chor mit damals übrigens nur 19 Sängern. „Vor dem Mauerbau waren ja viele in den Westen gegangen.“ Doch er traut sich ran, lernt als erstes, die mehrstimmigen Partituren zu lesen, lernt das Anstimmen und die richtigen Harmonien herauszufinden und deren Umsetzung. Am Anfang, bei den ersten Proben noch im damaligen Gasthaus Fischer, hätten die Männer ihm „einfach ein paar ihrer Lieder vorgesungen, und ich habe versucht, zu sie dirigieren“, gibt Eggert schmunzelnd zu. Und doch, es wird. Aus den alten Sängerbüchern, die es zum Glück noch gibt – denn nicht nur Papier ist knapp, auch Noten sind kaum zu kriegen, von modernen Kopien ganz schweigen – entsteht nach und nach ein beeindruckendes Repertoire.

Ende der 1970-er schreibt sich der studierte Musiklehrer dann sogar für mehrere Jahre beim Chorleiterseminar in Berlin ein und schreibt dort zeitgenössische Texte ab, um das Programm noch zu erweitern. Immer besser wird schließlich so auch der Chor unter seiner Leitung. Und er wächst – auf beeindruckende 84 Mitglieder in seiner besten Zeit. Spätestens Anfang der 1980er Jahre kommt dann in der Region auch niemand mehr am Männerchor Eintracht aus dem kleinen Gardelegen vorbei. Bei den großen Chorausscheiden räumen die Männer regelmäßig die besten Prädikate ab. 1983 „dürfen“ sie sogar zum Austausch der Chöre ins damals sowjetische Donezk fahren. Der Donezker Chor kam im Gegenzug nach Magdeburg. „Und es gab einfach keinen anderen Chor im ganzen Bezirk, den man sonst hätte schicken können“, erzählt Eggert stolz. Ehrensache, dass die stimmgewaltigen Herren dort sogar Lieder auf russisch singen. „Druschba– Freundschaft“.

Kontrolle durch Kreisleitung

Und auch von der Kontrollsucht der DDR-Führungskräfte lässt sich der künstlerische Leiter des Männerchores nicht einschüchtern. In den 80ern muss er nämlich bei der SED-Kreisleitung vor dem Auftritt sogar die Texte seines Programmes zum 7. Oktober absegnen lassen. Zu groß ist die Angst der Genossen, dass da ein falscher Zungenschlag drin sein könnte. Heute kann Eggert darüber lachen. Denn sein Chor hatte immer Format. Auch wenn sie nicht mehr an den großen Chorvergleichstreffen teilnehmen, sondern „nur noch“ aus Spaß an der Freude singen: Große Erfolge feiern die Männer unter Eggerts Leitung auch noch in jüngster Zeit. Auch wenn sie nicht mehr an den großen Chorvergleichstreffen teilnehmen, sondern „nur noch“ aus Spaß an der Freude singen: Große Erfolge feiern die Männer unter Eggerts Leitung auch noch in jüngster Zeit.

Und doch: Eigentlich haben die Männer unter der Leitung von Hans Eggert die größten Erfolge immer noch dort, wo sie zu Hause sind. In der Altmark. Und das ist bis heute so geblieben. Immer noch sind sie oft unterwegs. Erst vor wenigen Tagen zum Beispiel in Estedt und Zichtau. Und viele Gardeleger freuen sich schon auf das morgige Konzert mit dem Postchor um 16.30 Uhr in der Marienkirche. Auch da wird Eggert natürlich den Ton angeben. Am Donnerstag, während der Probe, klang das übrigens schon mal hervorragend. Vor allem das neue Lied, der alt-irische Segenswunsch, der ganz neu im Weihnachtsprogramm ist ...

Noch lange dabei sein

Apropos Wunsch: Was wünscht sich ein 79-jähriger Chorleiter, der seit 46 Jahren gemeinsam mit den Sängern Musik macht? „Dass wir das noch viele Jahre zusammen tun können“, sagt Eggert ohne zu zögern. Aber da stehen die Chancen ja auch gar nicht schlecht. Denn nachgewiesenermaßen hält Musik jung – „und außerdem küsst mich ja noch mindestens einmal die Woche die Muse“, sagt Hans Eggert zwinkernd.