Letzlingen l Über Beamtenwitze kann Christian Müller nur müde lächeln. Von wegen langsam wie eine Schnecke. Mitnichten. Wenn der 31-Jährige zum Einsatz muss, sitzen er und die anderen „Herren Beamten“ aus seiner Schicht innerhalb von 60 Sekunden fertig angezogen in einem der knallroten Fahrzeuge ihrer Feuerwache in der Altmarkkaserne.

„Wir haben eine Ausrückzeit von einer Minute“, versichert der Brandmeister glaubhaft. „Das ist Vorschrift“. Um das zu schaffen gibt‘s Tricks. Da stecken zum Beispiel die Schuhe schon in den Hosen, wenn man sie aus dem Spind nimmt. Das spart wertvolle Sekunden beim Umziehen. Denn das müssen die Profis hier natürlich auch, genau so wie ihre ehrenamtlichen Kollegen. Nur dass sie eben auch außerhalb der Einsätze ihre Uniform tragen. In Christian Müllers Fall die eines Bundeswehrfeuerwehrmannes.

Können Person aus Panzer rausschweiß

Seit 2009 läuft er auf der „Brandschutzschiene“, verrät der Kloster Neuendorfer, der eigentlich mal Forstwirt gelernt hat, bevor er sich 2006 als Zeitsoldat verpflichtet und als solcher eine 15-monatige Ausbildung im Bereich Brandschutz absolviert.

Seit August 2016 ist Müller allerdings wieder Zivilist: Als er 2015 hört, dass im Bereich der Bundeswehr auch viele zivile Stellen offen sind, bewirbt er sich und wird mit Kusshand genommen. Seit Mitte 2016 ist er nun Profifeuerwehrmann und sein Arbeitgeber ist die Bundeswehr. Mit 52 Kollegen sorgt er für die Sicherheit auf dem gesamten Truppenübungsplatz Altmark. In 24-Stunden-Schichten übrigens, jeweils von 7 bis 7 Uhr, im Wechsel an zwei Tagen die Woche sind die Männer im Dienst. Das muss die Familie natürlich mittragen, bestätigt Müller. Allerdings: Innerhalb von zwei Tagen haben die Feuerwehrprofis ja bereits eine 48-Stunden-Woche hinter sich. Bei acht bis neun Tagen Dienst im Monat bleibt auch genug private Zeit.

Dienst auch in der Nacht

Dienst bedeutet in seinem Job aber tatsächlich Dienst. Auch nachts. Höchsten ruhen ist drin. Schlafen nicht. Dafür gehört Sport zur Dienstzeit. Das Training in der Kasernen-Sporthalle ist Pflicht. Denn wer hier arbeitet, muss absolut fit sein.

Immerhin absolvieren die Berufsfeuerwehrleute im GÜZ rund 300 Einsätze im Jahr. 95 Prozent davon sind Flächenbrände im Übungsbetrieb. Der große Brand, bei dem Ende Juli rund 40 Hektar Heide verbrannten, ist allerdings die absolute Ausnahme. Meist sind nur kleine Brandherde zu bekämpfen. Dazu kommen drei bis vier Prozent technische Hilfeleistung und etwa ein Prozent Spezialeinsätze – zum Beispiel an gepanzerten Fahrzeugen. „Wir können zur Not auch mal jemanden aus einem Panzer rausschweißen“, sagt Müller. „Und wir wissen natürlich auch, wo wir den gegebenenfalls ausstellen können. Außerdem gehört die Luftfahrzeugbrandbekämpfung zu den Aufgaben der Feuerwache Altmark. „Immer wenn wir hier Flugverkehr haben, sind wir automatisch eingebunden“, zum Beispiel in Schnöggersburg, oder wenn Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen mal wieder zu Besuch kommt.

Wochenplan mit fester Struktur

Immer dann stehen Christian Müller und seine Kollegen Gewehr bei Fuß - sinnbildlich gesprochen. „Wir alle könnten auch jederzeit zu einer anderen Berufsfeuerwehr wechseln“, betont der junge Brandmeister. Das Aufgabenprofil ist nämlich weitgehend identisch.

Von einem ehrenamtlichen Kollegen unterscheidet sich Müllers Job allerdings deutlich. Denn zu seinem Alltag gehört natürlich auch viel Routine und eine klare Struktur: Es gibt feste Wochenpläne mit Aufgabenbereichen, zu denen auch die Wartung der Technik gehört. Jeder hat dabei sein Spezialgebiet. Christian Müller ist Atemschutzgerätewart und damit für das Überleben seiner Kollegen mitverantwortlich. Und es gehört natürlich ganz viel Ausbildung zum Job, ebenso wie eine gute Bezahlung.

Ältestes Fahrzeug ist 31 Jahre alt

Im Einsatz selbst unterscheiden sich die Profis indes kaum von den freiwilligen Rettern. Da geht‘s in beiden Fällen um die Rettung von Mensch, Tier, Natur und Umwelt. Da müssen auch die Ehrenamtlichen Profis sein. Das kann Christian Müller aus eigener Erfahrung bestätigen. Privat ist der Familienvater nämlich auch ein Feuerwehrmann. Und zwar bei der Ortswehr Kloster Neuendorf. Da gibt‘s im Einsatzfall auch für ihn nur ein kleines Einsatzgeld.

Ein großer Vorteil der Bundeswehrfeuerwehren ist natürlich die Ausstattung: Die Technik und das gesamte Equipment zahlt schließlich der Bund. Die Kollegen müssen nicht um jeden Posten im Haushalt kämpfen.Allerdings sind auch die Fahrzeuge der Profis nicht immer so ganz neu: „Unser ältestes Fahrzeug im Fuhrpark ist auch schon 31 Jahre alt“, verrät er schmunzelnd.