Gardelegen l Ein trauriger Anblick: der Lausebach nahe dem Betriebsgelände der Frapa-Plast GmbH an der Stendaler Chaussee. Auf gut 200 Metern ist der Böschungs- und Uferbereich zerstört. Bäume und Sträucher sind verbrannt. Das Wasser hat eine grünlich-bräunlich schmutzige Farbe. Fische oder anderes Wassergetier gibt es dort nicht mehr.

„Der Lausebach ist biologisch tot“, sagte Reiner Leppek vom Kreisanglerverein, der das Gewässer von der Stadt gepachtet hat. Leben gibt es dort nicht mehr. Nach dem Großbrand bei der Frapa-Plast GmbH und dem tagelangen Löschwassereintrag in das Gewässer sei vom Fisch bis zum Wasserkäfer alles dahin.

Renaturierung als Ausgleichsmaßnahme

Im Rahmen der Erweiterung des Gewerbegebietes Ost I an der Stendaler Chaussee war der Lausebach in diesem Bereich auf einer Länge von 700 Metern aufwändig renaturiert worden. Und zwar im Zuge von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Das Gebiet wurde nach der Erschließung am 16. Dezember 2013 offiziell übergeben. 1,515 Millionen Euro wurden investiert. 180?000 Euro flossen in die Renaturierung des Lausebaches, der als Salmonidengewässer ausgewiesen ist, mit dem Ziel, dort einen Bachforellenbestand wieder aufzubauen. Unter anderem wurden zwei Sohlgleiten mit 313 Tonnen Laichkies eingebaut. Der Uferbereich wurde mit 144 Sträuchern und 63 Bäumen bepflanzt. Am 17. Dezember 2013 hatte der Kreisanglerverein 35 Kilogramm laichfähige Bachforellen ins Gewässer gesetzt.

Brand bei Frapa-Plast Gardelegen

Gardelegen (iwi) l Die Löscharbeiten beim Gardelegener Kunststoffverarbeitungsbetrieb Frapa-Plast dauern an.

  • Am Donnerstagnachmittag wurde erste Technik und Pumpen zurückgebaut. Foto: Ilka Marten

    Am Donnerstagnachmittag wurde erste Technik und Pumpen zurückgebaut. Foto: Ilka Marten

  • Die Flammen auf dem Gelände hatten sich schnell ausgebreitet. Foto: Ilka Marten

    Die Flammen auf dem Gelände hatten sich schnell ausgebreitet. Foto: Ilka Marten

  • Verkohlte Plastikteile in den Boxen. Foto: Ilka Marten

    Verkohlte Plastikteile in den Boxen. Foto: Ilka Marten

  • Das Silo mit den Holzpellets konnte gerettet werden. Foto: Ilka Marten

    Das Silo mit den Holzpellets konnte gerettet werden. Foto: Ilka Marten

  • Am Donnerstagnachmittag qualmte es immer noch, Glutnester loderten immer wieder auf. Foto: Ilka Marten

    Am Donnerstagnachmittag qualmte es immer noch, Glutnester loderten immer wieder auf. Foto: Ilka M...

  • In den Gitterboxen befanden sich Kunststoffteile. Foto: Ilka Marten

    In den Gitterboxen befanden sich Kunststoffteile. Foto: Ilka Marten

  • Blick auf das Betriebsgelände am Donnerstagnachmittag. Foto: Ilka Marten

    Blick auf das Betriebsgelände am Donnerstagnachmittag. Foto: Ilka Marten

  • Die Einsatzkräfte hatten sich einen Weg aus Paletten gelegt, um trockenen Fußes über das Gelände zu kommen. Foto: Ilka Marten

    Die Einsatzkräfte hatten sich einen Weg aus Paletten gelegt, um trockenen Fußes üb...

  • Überall verbrannter Kunststoff. Foto: Ilka Marten

    Überall verbrannter Kunststoff. Foto: Ilka Marten

  • Verkohlte Gitterkisten auf dem Betriebsgelände. Foto: Ilka Marten

    Verkohlte Gitterkisten auf dem Betriebsgelände. Foto: Ilka Marten

  • Restlöscharbeiten am Donnerstag. Foto: Ilka Marten

    Restlöscharbeiten am Donnerstag. Foto: Ilka Marten

  • Am Donnerstagvormittag waren noch 25 Atemschutzgeräteträger und insgesamt 61 Kameraden vor Ort. Foto: Ilka Marten

    Am Donnerstagvormittag waren noch 25 Atemschutzgeräteträger und insgesamt 61 Kameraden ...

  • Das Wasser auf dem Betriebsgelände stand am Donnerstag an der Einfahrt einen halben Meter hoch. Foto: Ilka Marten

    Das Wasser auf dem Betriebsgelände stand am Donnerstag an der Einfahrt einen halben Meter ho...

  • Am Donnerstagvormittag waren Kräfte aus der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf im Einsatz. Foto: Ilka Marten

    Am Donnerstagvormittag waren Kräfte aus der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf im Einsatz...

Seit 2014 ist dort die Frapa-Plast GmbH in den einstigen Swedwood-Hallen ansässig. Das Unternehmen stellt aus Kunststoffmüll Granulat her.

Wasserproben: Noch keine Ergebnisse

Am Abend des 24. Mai war auf dem Gelände des Betriebes ein Großbrand ausgebrochen. Riesige Berge von Kunststoffmüll standen in Flammen. Die schwarze Rauchwolke mit der Feuersbrunst war kilometerweit zu sehen. Bis Freitagabend kämpften in der Spitze bis zu 175 Kameraden gegen die Flammen. Am Wochenende wurden die Kameraden von Berufsfeuerwehrleuten mit Spezialtechnik unterstützt. Am Sonntagabend hatte die Gardeleger Wehr den Brandort übergeben. Am Montag waren Brandermittler vor Ort. Ein technischer Defekt wurde ausgeschlossen. Ermittelt wird jetzt wegen fahrlässiger oder vorsätzlicher Brandstiftung Das Kreis-Umweltamt war erstmals am Freitagabend vor Ort, um Proben aus dem Lausebach zu entnehmen. Die Proben wurden an Labore in Magdeburg und Halle geschickt. Außerdem wurde am Freitagabend ein Erdwall aufgeschüttet, um zu verhindern, dass weiter kontaminiertes Löschwasser ins Gewässer gelangt (wir berichteten).

Ergebnisse zu den Proben liegen allerdings noch nicht vor, informierte gestern auf Anfrage die Leiterin des Kreis-Umweltamtes, Katrin Pfannenschmidt. Die Untersuchungen seien sehr umfangreich. Mit Ergebnissen werde erst in der kommenden Woche gerechnet.

Kunststoffmüll wird immer noch gekühlt

Die Stadt sei bestrebt, das Gewässer wieder in Ordnung zu bringen, betonte gestern auf Anfrage Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig. „Ich gehe davon aus, dass das Unternehmen eine Versicherung gegen Umweltschäden hat. Unser Ziel ist es, dass wieder Leben in das kleine Flüsschen kommt. Die Frage ist nur, wer das bezahlt“, so Zepig.

In der nächsten Woche gebe es einen Gesprächstermin mit dem Kreisanglerverein. Dann soll die Problematik besprochen werden.

Unterdessen muss der verbrannte Kunststoffmüll auf dem Frapa-Plast-Gelände noch immer mit Wasser gekühlt werden. Stadt-Wehrleiter Sven Rasch war gestern erneut vor Ort, um die Brandstelle mit der Wärmebildkamera zu kontrollieren. Zeige die Kamera Temperaturen von 50 Grad an, dann sei der kritische Punkt erreicht, erläuterte Rasch. Der Bereich müsse dann besonders intensiv mit Wasser bearbeitet werden. Und solche Stellen hat Rasch bei seiner Kontrolle gestern Vormittag gleich mehrere herausgefunden.