Jerchel l Kennengelernt haben sie sich beim Tanzen: Sie eine junge Frau aus Ostpreußen, er ein Ur-Jercheler, im Ort geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen. Aus ersten gemeinsamen Schritten auf dem Tanzparkett in Elsebeck wurde ein langer gemeinsamer Lebensweg: Renate und Walter Wickert heirateten am 13. März des Jahres 1959 und feiern nun ihre diamantene Hochzeit.

Renate Wickert wurde in der Nähe von Königsberg geboren. „1945 sind wir mit dem Schiff von Danzig abgefahren“, erzählt die heute 79-Jährige von ihrer Flucht. Die gefährliche Reise führte dann auch mit dem Zug durch Dresden – ausgerechnet während der Bombardierung: „Wir standen mit einem Panzerzug vor Dresden und kamen nicht durch. Dann hat der Lokführer eine Durchsage gemacht: ‚Wer will, kann aussteigen, auf eigene Gefahr.‘ Und dann ist er mit Karacho durch Dresden ...“, erzählt sie von ihren Kindheitserinnerungen. Sie lebte zunächst in Miesterhorst, kam dann nach Potzehne. Als sie 15 Jahre alt war und die Schule beendet hatte, begann sie eine Lehre in einem Schuhgeschäft. Den meisten Jerchelern ist sie aber als Betreuerin in der Jercheler Krippe und als Horterzieherin bekannt. Immerhin betreute sie insgesamt 32 Jahre lang die Jungen und Mädchen im Jercheler Hort und später in Solpke.

Trauung im Jercheler Standesamt

Walter Wickert, der heute 83 Jahre alt ist, machte zunächst eine Maurerlehre, arbeitete drei Jahre als Lehrling und drei Jahre als Geselle und ging danach zur Grenzpolizei. „Da habe ich den Autoführerschein gemacht und den Busführerschein“, sagt der Diamant-Bräutigam. Ein Zertifikat, das den Rest seines Arbeitslebens bestimmen sollte, denn er wurde nach seiner Dienstzeit an der Grenze Busfahrer – für Linien- und Sonderfahrten.

Ihre Verlobung haben die beiden am 14. Dezember 1957 in Potzehne gefeiert. Die Hochzeit folgte zwei Jahre später in Jerchel, zuerst im damaligen Jercheler Standesamt und dann in der Dorfkirche.

Wilde Ehe gibt es nicht

Das Ehepaar hat zwei Töchter und vier Enkel. Es gibt sogar schon drei Urenkel: Emma (8), Moritz (6) und Elli (3), die sich freuen, wenn sie ihre Urgroßeltern besuchen können.

Eingezogen ist das Paar nach der Hochzeit in einer Wohnung auf dem Grundstück des Vaters von Walter Wickert. Der hatte seinem Sohn die Heirat auch sehr nachdrücklich ans Herz gelegt: „Wilde Ehe gibt es nicht“, hatte er zu seinem Junior gesagt, und der gehorchte natürlich.

Urlaub in Swinemünde

Weggezogen sind die beiden nie, sie leben noch immer im gleichen Haus, das sie sich jetzt aber mit der Familie einer Tochter teilen. Auch der Garten, ein großes Grundstück mit Teich, traumhaften Blütenpflanzen und einigen Bäumen, wurde geteilt. Das Ehepaar Wickert pflegt seine Hälfte noch immer selbst. „Mein Mann muss die schwereren Arbeiten machen, aber den Rest erledigen wir gemeinsam“, sagt Renate Wickert, die inzwischen nicht mehr so gut zu Fuß, aber immer noch voller Energie und Liebe zum Garten ist.

Außer der grünen Oase hinterm Haus gilt die Liebe der beiden Jubilare dem Reisen. Zu DDR-Zeiten fuhren sie zum Urlaub an die Ostsee oder zum Arendsee: Nach der Wende ging es nach Tunesien, Rhodos, Österreich, Tirol oder Mallorca. Swinemünde hat vor allem Walter Wickert sehr gefallen. Die beiden würden gern noch einmal in den Urlaub fahren, vielleicht geht es dann noch einmal nach Swinemünde.