Gardelegen l Derzeit fährt er von einem Vortragstermin zum nächsten: Naturparkverwaltungschef Fred Braumann wirbt für ein großes Projekt. Aus dem Naturpark Drömling soll ein Biosphärenreservat werden (wir berichteten). Voraussetzung: Alle betroffenen Gemeinden stimmen zu. Am Montagabend beschäftigte sich erstmals der Bauausschuss mit dem Projekt.

2000 Kilometer Gräben

Ein Biosphärenreservat müsse einzigartig und repräsentativ sein. Das treffe auf den Drömling zu. „Wir haben 2000 Kilometer Gräben, eine einzigartige Moor-Damm-Kultur und 250 Stauanlagen“, so Braumann. Auch die Größe stimme. Damit würden alle Voraussetzungen erfüllt.

Und niemand müsse übrigens befürchten, dass es in einem Biosphärenreservat neue Ge- oder Verbote geben wird. Alles werde auf dem derzeitigen Stand bleiben, sowohl die Planungshoheit der Gemeinden als auch die Auflagen für die Landwirte.

Ideen zur Vermarktung

Dagegen könnte ein Biosphärenreservat viele Vorteile bringen, versicherte Braumann. Touristisch würde es den Bekanntheitsgrad der Region steigern. So wie die Rhön den Rhönapfel, der Spreewald seine Gurke vermarkte, könne er sich auch für den Drömling eine solche Idee vorstellen. „Wir haben da schon ein paar Ideen. Die Frage ist nur: Befürworten Sie den Prozess? Dann können wir weitermachen“, so Braumann.

Stadträtin Regina Lessing (Gemischte Fraktion), die den Bauausschuss in Vertretung ihres Fraktionskollegen Gustav Wienecke leitete, wollte von Braumann zunächst aber wissen, ob „eigentlich Niedersachsen unbedingt mit ins Boot muss?“ Ohne gehe es nicht, versicherte Braumann. Zwar liege der kleinere Teil des Drömlings im Nachbarbundesland, „aber wir müssen zusammenwachsen. Sachsen-Anhalt allein darf nicht Biosphärenreservat werden!“

Einblicke in geschützte Zonen

Eine Frage zu den Naturschutzgebieten beantwortete Braumann Stadtrat Norbert Hoiczyk (Freie Liste). Für besondere Flächen innerhalb des Parkes bestehe tatsächlich ein Betretungsverbot. „Da sind Seeadler, Kranich, aber auch der Rothirsch, der gemerkt hat, dass er da nicht geschossen wird“, so Braumann. Allerdings sei geplant, dass Besucher künftig auch mal vom Rand aus in solche Zonen „hineingucken können.“

SPD-Stadtrat Ulrich Scheffler kritisierte den Umgang mit dem Biber. Der richte jede Menge Schaden an, „und die erhöhten Kosten werden dann auf die Eigentümer umgelegt.“ Für ihn, so Scheffler, sei das „eine Art kalte Enteignung.“ Er schlug vor, den Biber „einfach umzusiedeln oder einen Meter tiefer zu legen.“ Immerhin sei das Fleisch ja auch eine „hervorragende Ergänzung zu den herkömmlichen Nahrungsmitteln.“

Biberfleisch ist essbar

Braumann fand den Gedanken selbst „gar nicht so abwegig“. Biberfleisch zu essen, höre sich lustig an, sei aber möglich. Allerdings gehöre der Biber zu den geschützten Arten, die sich wieder ansiedeln sollen. „Zwar werden in Bayern tatsächlich jährlich 1000 Biber geschossen. Aber das sind alles kanadische Biber, die eingeschleppt wurden“, erläuterte Braumann.

Eine Möglichkeit im Sinne von Biber und Menschen sei vielleicht ein Bibermanagement als Pilotprojekt im künftigen Biosphärenreservat. So etwas könne er sich gut vorstellen, so Braumann. Und mit seinen Vorschlägen und Ideen konnte er am Montag dann offenbar auch die Mehrheit der Bauausschussmitglieder überzeugen. Vier von sechs befürworteten den Plan eines Biosphärenreservates. Zwei stimmten dagegen. „Für mich klingt das Ganze nach einem modernen Jurassic-Park“, der offenbar Genreserven sichern solle, monierte Ulrich Scheffler.

Zwei Stadträte gegen Projekt

Die zweite Nein-Stimme kam von Norbert Tendler (CDU-Fraktion), selbst Landwirt mit Flächen im Drömling. „Da liegt schon mal ein einziger Schlag gleich in zwei Gebieten, nämlich in einem Naturschutzgebiet und in einem Landschaftsschutzgebiet. Man muss ständig überblicken, was man da darf oder gerade zu der Zeit nicht darf“, so Tendler.

Abschließend wird der Stadtrat darüber entscheiden. „Und das ist dann bindend“, betonte Bürgermeisterin Mandy Zepig. Die Stadt habe allerdings schon eine Stellungnahme abgegeben. „In Abstimmung mit Bauernverband und Bauern wollen wir vor allem keine weiteren Einschränkungen für unsere bäuerlich geprägte Region“, betonte Zepig. Am morgigen Donnerstag wird Braumann seinen Vortrag beim Miester Ortschaftsrat halten (19 Uhr). Das Dorf liegt am Rande des Naturparkes.

Das Nachbardorf Miesterhorst liegt mittendrin. Aber dort will man Braumanns Vortrag offenbar nicht hören. Schon dreimal sei seine Anfrage abgelehnt worden, sagte der Naturparkchef. Der Ortschaftsrat dort hat das Projekt abgelehnt. Auswirkungen hat das allerdings nicht.