Tarifverhandlungen

Droht Streik nun auch im Glaswerk?

Möglicherweise drohen nach gescheiterten Tarifverhandlungen auch im Gardelegener Glaswerk Streiks.

Gardelegen l Nach drei Verhandlungsrunden sind die Tarifverhandlungen für die insgesamt 130 Beschäftigten des Gardelegener Glaswerkes, der BA Glass, zum Erliegen gekommen, teilte Jan Melzer, Gewerkschaftssekretär bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und Verhandlungsführer für das Glaswerk, am Donnerstag mit. „Die Arbeitgeberseite betonte, dass es derzeit keinen Spielraum für Entgelterhöhungen gibt“, so Melzer. Vielmehr strebe die Geschäftsführung eine Nullrunde an. Mehrere Spitzengespräche mit dem Ziel einer einvernehmlichen Lösung hätten zu keinem Ergebnis geführt.

Die Gewerkschaft fordere einen Stundensatz, der sich am Flächentarifvertrag Glas Ost orientiere. Und der liege im Einsteigerbereich, also für neue Mitarbeiter bei 12,50 Euro pro Stunde, BA Glass zahle 10,50 Euro. Der Facharbeitertarif sehe eine Entlohnung von 14,99 Euro vor. In der BA Glass liege der Satz bei 13,50 Euro.

Seit 2020 sei das Unternehmen tarifgebunden. „Die Entgelte liegen derzeit bei etwa 87,5 Prozent der Flächentarifbedingungen Glas Ost“, so Melzer.

Im vorigen Jahr seien erstmals Tarifverhandlungen abgeschlossen worden mit dem „gemeinsam klar definierten Ziel, die Arbeitsbedingungen hin zur Fläche Glas Ost zu entwickeln“. Die Verweigerungshaltung der Unternehmensleitung würde nun dazu führen, dass die Spanne zum Flächentarifvertrag wieder größer wird, statt sich zu schließen.

„Unter dem Deckmantel der Corona-Krise wird hier mit aller Macht versucht, die Entgelte der Mitarbeiter weiter kurz zu halten. Vorhergehende Absprachen und auch schriftlich fixierte Zusagen werden durch die Unternehmensleitung nicht eingehalten“, stellte Melzer klar.

Die Situation vor Ort sei katastrophal. Langjährige Mitarbeiter würden das Unternehmen verlassen. Selbst Auszubildende würden sich nach Abschluss ihrer Lehre eine Beschäftigung außerhalb des Unternehmens suchen. Das Werk habe aktuell Qualitätsprobleme. „Es gibt beispielsweise nur wenige Fachleute, die den großen Schmelzofen fahren können. Ein langjähriger, erfahrener Mitarbeiter, der das gemacht hat, hat im vorigen Jahr die Firma verlassen“, so Melzer. Seitdem gebe es auch die Probleme. Alles der Corona-Krise zuzuschieben, sei einfach und bequem, so Melzer im Volksstimme-Gespräch. So habe das Unternehmen in der gesamten Corona-Zeit keine Kurzarbeit fahren müssen. Es soll allerdings Schwierigkeiten gegeben haben, die Produkte der BA Glass am Markt zu etablieren. Grundsätzlich aber seien die Probleme hausgemacht. „Unsere Tarifverträge sind ein Gütesiegel fürs Unternehmen und müssen auch vernünftige Standards erfüllen. Dafür kämpfen wir gemeinsam“, betonte Melzer.

Um die Unternehmensleitung zum Einlenken zu bewegen, „werden wir verschiedene, auf sich eskalierende Maßnahmen bis hin zu Arbeitskämpfen einleiten“, kündigte Melzer an.

Zunächst einmal wird die Gewerkschaft alle 130 Mitarbeiter zu einer öffentlichkeitswirksamen Protestkundgebung aufrufen. Wann das sein wird, stehe noch nicht fest. „Wir werden erst einmal die nächste Ministerpräsidentenrunde zur Corona-Problematik abwarten“, so Melzer. Da aber Demos, Kundgebungen und Versammlungen coronabedingt nicht verboten sind, habe er auch schon Kontakt mit dem Ordnungsamt der Stadt aufgenommen. Melzer geht davon aus, dass spätestens bis zum 20. März die erste Runde im Arbeitskampf stattfinden wird. „Wir wollen damit nicht zu lange warten“, betonte Melzer. Die Kundgebung sei quasi die gelbe Karte im Arbeitskampf. „Sollte die Geschäftsführung das Signal nicht verstehen, dann gibt es die rote Karte“, so Melzer. Und dann seien Streiks unvermeidbar.

Von der Werksleitung gab es dazu bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme.

Damit liegt das Glaswerk gleich auf mit dem Automobilzulieferer, der Boryszew Kunststofftechnik GmbH in Gardelegen. Denn auch dort waren nach drei Runden die Tarifverhandlungen gescheitert. Die Geschäftsführung der Boryszew-Gruppe mit Sitz in Warschau hatte in ihrer Stellungnahme mitgeteilt, dass aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage und hoher Investitionen in den vergangenen zwei Jahren eine Tariferhöhung für die etwa 600 Mitarbeiter nicht durchsetzbar sei.