Stau-Neubau

Durchlass oder Brücke - und wer zahlt?

Bei Neuendorf am Damm ist die Erneuerung des Secandsgraben-Staus geplant. Doch das Vorhaben birgt auch Zündstoff.

Von Cornelia Kaiser

Kalbe/Neuendorf l Der desolate Secandsgraben-Stau bei Neuendorf soll für rund 700000 Euro runderneuert werden und eine Fischtreppe erhalten. Der Unterhaltungsverband Milde/Biese hat dafür Fördermittel beim Land beantragt, das allerdings erst noch die Richtlinien für sogenannte Vorhaben naturnaher Gewässerentwicklung festzurren muss. Dennoch ist Verbandsgeschäftsführer Wilfried Hartmann recht optimistisch, dass die Maßnahme für 2016 ausgeschrieben werden kann.

Ein Problem gibt es hingegen an anderer Stelle. Die Stauanlage ist nur über eine Brücke, die über den Secantsgraben führt, zu erreichen. Und die ist ebenfalls desolat, würde schwere Baufahrzeuge nicht tragen. Genau deshalb soll für die Zeit der Bauarbeiten eine Behelfsüberführung errichtet werden, die aber hinterher wieder zurückzubauen wäre. Genau hier regt sich Widerstand – sowohl bei Anrainern als auch bei der Stadt Kalbe. Letztere favorisiert die Schaffung eines Durchlasses, über den dann auch künftig Landwirtschafts- und andere Fahrzeuge rollen könnten. Allerdings würde der Finanzierungsanteil, den sie zu tragen hätte, den Rahmen des Machbaren sprengen, sagt Bürgermeister Karsten Ruth.

Er sieht hier auch den Unterhaltungsverband in der Pflicht, dessen Geschäftsführer aber darauf verweist, dass keine Beitragsmittel – und nur aus denen finanziert sich der Verband – für solche Vorhaben genutzt werden dürften. Da gebe es entsprechende Richtlinien. „Es ist ja nicht so, dass wir partout nicht wollen", unterstreicht Hartmann, der aber auch vonseiten der Landwirte Gegenwind bekommt. Zwar würden diese einen befahrbaren Durchlass befürworten,  um künftig problemlos an ihre Flächen heranzukommen, sind allerdings auch der Meinung, dass in Sachen Finanzierung ein Entgegenkommen des Unterhaltungsverbandes erfolgen müsste. Das hat die jüngste Sitzung des Neuendorfer Ortschaftsrates ergeben, bei der das Thema auf der Tagesordnung stand und an der neben Wilfried Hartmann auch betroffene Landwirte teilnahmen.

„Wir sind dort aber zu keinem Ergebnis gekommen", bedauert Kerstin Schulz, die zuständige Mitarbeiterin des Bauamtes. Und ihr Chef Karsten Ruth wird noch deutlicher: „Wir, die Stadt und die Anrainer ,werden als Partner gesehen, wenn es um die Finanzierung geht. Aber bei der Vorbereitung solcher Vorhaben holt man uns nicht ins Boot. Das kann nicht sein." Wilfried Hartmann wiederum verweist auf die Förderbedingungen. Die würden nun einmal die Schaffung einer Behelfsbrücke und den anschließenden Rückbau vorsehen, keinen Durchlass. Wenn ein solcher gewollt werde, müsse auch auch eine Beteligung an der Finanzierung erfolgen. „Und nun", so Hartmann, „kann keiner mehr sagen, er hätte nichts gewusst."