Gardelegen l Es war nicht immer so, dass Evamaria Reuschel mit dem Thema Tod umgehen konnte. „In meiner Jugend habe ich mich von Beerdigungen eher ferngehalten.“ Trotzdem entschied sich die Gardelegenerin irgendwann dazu, eine Ausbildung im Ambulanten Hospizdienst zu absolvieren, um als ehrenamtliches Mitglied Menschen seelischen Beistand leisten zu können. „Diese Arbeit bereichert mich ungemein“, blickte die gelernte Krankenschwester am Donnerstag auf ihre Tätigkeit zurück.

An dem Tag traf sie sich mit Kathleen Tanger, zuständig für die Arbeit im Kinder- und Jugendhospiz und Thomas Rehbein vom Ambulanten Hospizdienst in Gardelegen. Thema des Gesprächs war der Befähigungskurs für ehrenamtliche Hospizbegleiter, der am 14. Januar 2021 starten soll. Diesen absolvierte auch Evamaria Reuschel im zurückliegenden Jahr. „Der Grundkurs dauert in der Regel ein viertel Jahr und beinhaltet 14 Kurs-Termine“, erklärte Thomas Rehbein. Danach schauen sowohl die Verantwortlichen des Hospizdienstes, als auch die Teilnehmer, ob ihnen diese Arbeit liegt, und ob sie sich in der Lage dazu fühlen, Menschen, die sterben werden, und deren Familien zu unterstützen.

Ein letztes Mal Live-Musik

Evamaria Reuschel ist sich sicher, dass sie weiterhin in diesem Ehrenamt tätig sein wird. Das merkte die Gardelegenerin während ihrer ersten Begleitung, die noch gar nicht so lange zurückliegt. Die betroffene Person, so erzählte es Reuschel, wünschte sich, dass sie ein letztes Mal Live-Musik hören könne. Das war in Zeiten der Corona-Pandemie eigentlich nicht möglich. Kurzerhand entschloss sich Evamaria Reuschel als Hospizbegleiterin dazu, diesen Herzenswunsch zu erfüllen. Sie spielte am Klavier und ließ sich mit der Geige begleiten. „Zu sehen, dass die betroffene Person, die ich lange begleitet habe, sich sehr darüber gefreut hat, hat mich und auch sie glücklich gemacht“, freute sich Evamaria Reuschel.

Sie ist der Überzeugung, dass besonders Offenheit und Mut wichtige Charakterzüge eines Hospizbegleiters sein müssen. „Außerdem sollten Interessenten zuverlässig sein und gut zuhören können“, fügte Thomas Rehbein hinzu. Das lerne man jedoch während des Kurses, wie Evamaria Reuschel betonte.

Weitere Begleiter gesucht

Für sie als gelernte Krankenschwester sei es wichtig, dass der Mensch, der für eine meist ungewisse Zeit begleitet wird, im Mittelpunkt steht und ihm die volle Aufmerksamkeit geschenkt wird. Dazu gehöre auch, dass letzte Wünsche erfüllt werden können – sei es ein Besuch im Streichelzoo, ein kleines Konzert am Krankenbett oder der Besuch des Geburtshauses. „Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir jährlich Spenden erhalten, um diese Wünsche umsetzen zu können“, freute und bedankte sich Kathleen Tanger. Auf die Frage, warum sie im Hospizdienst arbeite, antwortet Evamaria Reutschel: „Ich arbeite beim Hospizdienst, weil ich finde, dass die Begleitung von Sterbenden eine wichtige Tätigkeit ist, die ein Sterben in Würde ermöglicht.“

Interessenten, die selbst ein Teil des Teams des Ambulanten Hospizdienstes in Gardelegen werden möchten, können am 14. Januar 2021 an einem Informationsabend teilnehmen. Dieser findet in den Räumen an der Ecke Ernst-Thälmann-Straße/Aschberg statt. Beginn ist 19 Uhr. Interessenten werden darum gebeten, sich vorab unter 03907/779 60 20 anzumelden, da die Anzahl der Kurs-Plätze aufgrund der Corona-Pandemie begrenzt sind.