Auszeichnung in Gardelegen

Ehrennadel des Landes Sachsen-Anhalt in Gardelegen verliehen

Rosemarie Voigt, Wally Schulz, Dr. Karl-Ulrich Kleemann und Anette Bernstein wurden in Gardelegen mit der Ehrennadel des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet.

Von Stefanie Brandt 11.08.2021, 16:18
Landrat Michael Ziche (links) und Bürgermeisterin Mandy Schumacher (Zweite von rechts) zeichneten Rosemarie Erna Wanda Voigt, Wally Irmgard Schulz und Dr. Ernst Karl-Ulrich Kleemann (von links) aus.
Landrat Michael Ziche (links) und Bürgermeisterin Mandy Schumacher (Zweite von rechts) zeichneten Rosemarie Erna Wanda Voigt, Wally Irmgard Schulz und Dr. Ernst Karl-Ulrich Kleemann (von links) aus. Stefanie Brandt

Gardelegen - Ein wenig wie das Malteser-Kreuz sehe die Ehrennadel des Landes Sachsen-Anhalt aus, erklärte Bürgermeisterin Mandy Schumacher in ihren einleitenden Worten zur Ehrungsveranstaltung im Rathaussaal in Gardelegen. Dessen Eckpunkte würden für Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigkeit stehen. Eigenschaften, die auch die zu Ehrenden, Rosemarie Voigt, Wally Schulz, Dr. Karl-Ulrich Kleemann und Anette Bernstein, bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit benötigen. Bernstein konnte der Ehrung am Dienstag allerdings nicht persönlich beiwohnen.

„Das ist ein Moment, den wir nie wieder erleben werden. Normalerweise wird die Ehrennadel in der Staatskanzlei in Magdeburg überreicht. Dass wir es dieses Mal hier machen, ist aber gut, denn wir hier wissen am besten, wie wertvoll ihre Arbeit ist“, würdigte Schumacher den besonderen Moment und die besonderen Leistungen der Geehrten.

Landrat Michael Ziche bedankt sich

„Ich möchte die Gelegenheit nutzen, allen ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürgern – zuvorderst natürlich den hier anwesenden – ganz herzlich für ihr Engagement zu danken. Durch Menschen wie Sie wird unsere Gesellschaft lebendiger und wärmer. Das ist gerade in Zeiten, in denen wir nahezu atemlos von Krise zu Krise hechten, umso wichtiger“, sprach Landrat Michael Ziche einen allgemeinen Dank aus, bevor er näher auf die Leistungen der vier Gardelegener einging.

Dem Engagement von Anette Bernstein ist eine aufsehenerregende Umbettung von 197 Kriegstoten des 1. Weltkrieges und 27 Kriegstoten des 2. Weltkrieges auf dem Friedhof der Hansestadt Gardelegen zu verdanken. Sie arbeitete im Jahr 2015 an einer Ausstellung zu der gesamten Thematik des Kriegsgefangenenlagers. Als Vorsitzende des Kultur- und Denkmalpflegevereins Gardelegen und Umgebung geht sie stets voran. Der Name Bernstein sei in der Hansestadt Gardelegen nicht nur ein Name, sondern auch eine Institution, erklärte Ziche.

Letzlinger Geschichte im Fokus

Dr. Karl-Ulrich Kleemann hat sich durch seine langjährigen, umfänglichen Arbeiten im Rahmen der Erforschung der Heimatgeschichte und die Dokumentierung historischer Ereignisse innerhalb der Ortsgrenzen von Letzlingen, aber auch im Bereich der Colbitz-Letzlinger Heide mehr als verdient gemacht. Seine Veröffentlichungen über das Jagdschloss Letzlingen und die historischen Abhandlungen über die Nutzung der Colbitz-Letzlinger Heide als Jagdgebiet der Hohenzollern und zu militärischen Zwecken haben landesweit Interesse gefunden. Im Jahr 1990 gründete Kleemann mit ebenfalls historisch Interessierten den Heimatverein Letzlingen, dessen Vorsitzender er seitdem ist. In den vergangenen 30 Jahren hat er viele, zu langjährigen Traditionen gewordene, kulturelle Höhepunkte im örtlichen Vereinsleben initiiert. Er verfasste langjährig Beiträge für die Wochenendbeilage der Volksstimme zur Geschichte der Heide und hat Gastbeiträge für zwei Bände der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt zum Jagdschloss Letzlingen geleistet.

Forschungsgebiet Feldscheune Isenschnibbe

Wally Schulz gehört zu den Gründungsmitgliedern des Kultur- und Denkmalpflegevereins. Insgesamt engagiert sie sich seit rund 50 Jahren in der denkmalpflegerischen Arbeit und schöpft dabei aus ihrem unermesslichen Wissen um die Geschichte der Hansestadt Gardelegen. Sie setzte sich für die Rettung der St. Georg Kapelle ein, der späteren Kunstgalerie. Sie rettete die alte barocke Löwenapotheke vor dem Abriss und baute innerhalb des Gebäudes das Stadtmuseum auf. Ebenso ist es ihr Verdienst, dass das „Förstersche Haus“, das älteste Fachwerkhaus in der Altstadt, erhalten wurde. Wally Schulz ist die Initiatorin des Reutterdenkmals sowie des neuen Brunnens auf dem Rathausplatz. Ein weiteres Forschungsgebiet von ihr ist die Mahn- und Gedenkstätte Feldscheune lsenschnibbe. Sie erstellte einen Informationsrundgang für die Besucher und hält öffentliche Vorträge über das Massaker. Sie recherchiert und veröffentlicht zudem das Schicksal einzelner ermordeter KZ-Häftlinge. In gleichem Maße erforscht sie die Schicksale jüdischer Bürger. Zur Erinnerung an das Kriegsgefangenenlager in Zienau während des 1. Weltkrieges ließ Wally Schulz ein restauriertes Denkmal mit Informationstafeln aufstellen.

Bürgermeisterin von Jeseritz

Rosemarie Voigt war hingegen 19 Jahre lang Bürgermeisterin in Jeseritz, davon acht Jahre ehrenamtlich. Im Bereich der Kirchengemeinde Jeseritz-Parleib/Altmark ist sie nebenamtlich als Küsterin beschäftigt. Die Tätigkeit umfasst sowohl die Pflege des Innenbereiches der Kirche als auch des Außengeländes. Der ehrenamtliche Bereich der Arbeit von Rosemarie Voigt umfasst die Tätigkeit als Kirchenverordnete im Kirchenvorstand der Kirchengemeinde. In der zurückliegenden Wahlperiode hat sie die Kirchengemeinde in der Propsteisynode der Evangelisch-lutherischen Propstei Vorsfelde als Abgeordnete vertreten. Für den monatlich im Gemeinderaum stattfindenden Gemeindenachmittag bereitet sie nicht nur die Kaffeetafel vor, sondern verantwortet auch zusammen mit dem Pfarrer die inhaltliche thematische Ausgestaltung der Nachmittage einschließlich des jährlich stattfindenden Ausflugs. Ihr ist anzumerken, dass ihr die Bewohner des Ortes Jeseritz am Herzen liegen. Sie erkundigt sich persönlich nach dem Wohlergehen und zögert nicht, die notwendige Hilfe anzubieten und zu leisten. Sie hat sich das Gefühl der Verantwortung für den Ort Jeseritz und seine Bewohner über ihre Dienstzeit als Bürgermeisterin hinaus bewahrt und versteht es in ungezwungener Weise, Kirchengemeinde und kommunale Gemeinde miteinander zu verbinden. Dazu gehört auch die Leitung der Ortsgruppe der Volkssolidarität. Voigt ist Ansprechpartnerin für alle Fragen des Zusammenlebens und hilft unentgeltlich bei Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr Jeseritz mit.