Gardelegen/Breiteiche l Dirk Wienecke nutzte die Osterfeiertage zu einem Besuch in seiner Heimat. Er stammt aus Breiteiche im Drömling und ist im Raum Hamm zu Hause. Am Ostersonntag war er noch bei Freunden zu Gast. Abends gegen 23.30 Uhr stellte er seinen Ford Fokus vor dem Haus seiner Eltern im abgelegenen Breiteiche ab. Morgens um 6.45 Uhr meldete sich der Hund. Der 32-Jährige ging mit dem Vierbeiner ins Freie. In der Nacht hatte es Frost gegeben. Und auch die Scheiben des Ford waren zugefroren. „Nanu, dachte ich, ist die eine Scheibe kaputtgefroren? Ich habe bestimmt zehn Sekunden auf die Scheibe gestarrt, bis mir klar war, das war nicht der Frost“, erzählte der 32-Jährige im Volksstimme-Gespräch. Überall lagen Splitter. Eine Scheibe auf der anderen Fahrzeugseite war freigekratzt worden, offenbar um reinzuleuchten, ob sich der Bruch auch lohnt. Dirk Wienecke rief die Polizei an. Da es keinen Personenschaden gegeben hatte, sei das eher eine Bagatelle, hieß es. Und Spuren seien bei dem Wetter auch nicht gut zu sichern. Er solle eine Online-Anzeige erstatten, habe die Polizei gemeint, erzählte Wienecke.

„Da war mir aber noch nicht eingefallen, dass ich meine Kamera mit Tasche im Auto gelassen hatte“, räumte Wienecke ein. Die Kamera war natürlich weg. Und dabei sei die nicht mal zu sehen gewesen, weil sie unter großen Ikea-Tüten gelegen habe. Eine Systemkamera mit Tasche für 1350 Euro. „Die hatte ich mir gerade vor zwei Monaten gekauft. Ein Jahr habe ich darauf gespart. Ich gehe mal davon aus, dass ich die nicht wiederbekomme“, ist sich der 32-Jährige sicher, der jetzt aber täglich einschlägige Verkaufsplattformen im Internet durchforstet.

Keine Wertgegenstände im Auto lassen

Nachdem es auch im Raum Gardelegen, konkret am vorigen Wochenende in Wannefeld und Sachau, zwei Einbrüche in Pkw gegeben hatte – in gleicher Vorgehensweise – wandte sich Wienecke an die Öffentlichkeit – um andere zu warnen und aufmerksam zu machen.

„Das liegt auf der Hand, dass es eine Serie ist“, bestätigte auch der Sprecher des Kreispolizeirevieres Salzwedel, Frank Semisch. Das werde auf jeden Fall Gegenstand der Ermittlungen sein. Möglicherweise handele es sich um einen „reisenden Täter“, der über die Kreis- und Ländergrenzen hinweg aktiv ist. „Mehr kann man dazu im Moment nicht sagen“, so Semisch. Die Bürger sollten verstärkt darauf achten, keine Wertgegenstände im Pkw zu lassen. „Ein Pkw ist kein Tresor, auch nicht der Kofferraum“, machte Semisch deutlich.

14 Einbrüche an einem Wochenende

Im Polizeirevier Börde geht man von einer Einbruchsserie aus. Allein am vergangenen Wochenende habe es in Calvörde und Oebisfelde 14 Einbrüche in Pkw gegeben. Die Vorgehensweise sei immer ähnlich. „Eine Scheibe wird eingeschlagen, das Fahrzeug durchsucht und alles, was Wert haben könnte, wird mitgenommen“, schilderte der Sprecher des Polizeirevieres Börde, Joachim Albrecht, die Situation. Die Polizei gehe vom „Modus Operandi, wie wir das bezeichnen, von einem Einzeltäter aus“, so Albrecht.

Angefangen hatte alles bereits im Sommer des vorigen Jahres vor allem am Mittellandkanal. „Der Täter muss das jeweilige Umfeld genau beobachten, denn dort waren es Leute, die nur kurz zum Spazieren waren oder ihren Hund ausgeführt hatten. 20 Minuten später war das Auto leergeräumt“, erzählte Albrecht. Dass es jetzt direkt in Ortschaften wie Calvörde solche Einbrüche in Fahrzeuge gibt, sei eine neue Dimension. Die zuständigen Fachbereiche der Polizei in den Nachbarkreisen seien informiert, so Albrecht. Er appellierte an die Bevölkerung, wachsam zu sein und mögliche Beobachtungen der Polizei zu melden.