Gardelegen l Von außen sieht der Betonbau mit seiner eigenwilligen langgezogenen Architektur eher unscheinbar aus, zumindest wenn man von der Seite des Eingangsbereiches zur Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe kommt. Auf der anderen Seite mit Blick in Richtung Gräberfeld eröffnet sich ein anderes Bild mit dem riesigen Panoramafensterband, das sowohl von innen einen Blick auf das Gräberfeld mit den über 1000 weißen Kreuzen für die am 13. April 1945 ermordeten KZ-Häftlinge ermöglicht und von außen einen Blick ins Innere des neuen Besucher- und Dokumentationszentrums.

Es sei schon etwas besonderes, an einem solchen Ort arbeiten zu dürfen, betont Gedenkstättenleiter Andreas Froese im Gespräch mit Pressevertretern im Vorfeld der Übergabe eines symbolischen Schlüssels zur Einweihung des neuen Besucher- und Dokumentationszentrums. Mit dem Schlüssel kann Froese die Türen zum Dokumentationszentrum allerdings nicht öffnen. Die großen Glastüren öffnen sich nämlich allein. Und den Gästen der Schlüsselübergabe ermöglicht sich dann ein Blick in ein ganz besonderes Gebäude mit einer durchdachten Architektur, denn nichts ist dem Zufall überlassen. Alles hat eine Bedeutung. Der erste Blick fällt auf einen schier endlos erscheinenden Korridor in hellem Betongrau – künstliches Licht von oben, von rechts Tageslicht durch das Panoramafensterband und Glastüren.

Langer Korridor als Symbol für Todesmärsche

„Der Korridor als Wandelgang symbolisiert die Todesstrecken der KZ-Häftlinge“, erläutert Froese. Der Wandelgang, 70 Meter lang und vier Meter breit, endet in einem 140 Quadratmeter großen, recht dunklen Raum. Dort wird sich später die Dauerausstellung über eines der letzten großen Kriegsverbrechen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges befinden. Ein großes Fenster im Wandelgang zeigt in Richtung Kämmereiforst/Kellerberge, wo sich einst ein Flugplatz der Wehrmacht befand – Symbol für die Naziherrschaft im Dritten Reich. Ein Fenster in der künftigen Dauerausstellung ermöglicht einen Blick in Richtung Stadt als Symbol für den Todesmarsch zur Feldscheune. Ein drittes Fenster in einem Besucherraum im Eingangsbereich macht das grausige Ende deutlich – mit einem Blick auf das Gräberfeld mit den über 1000 weißen Kreuzen.

Bilder

Büroräume, ein Eingangsbereich mit einem langen Tresen als Erst-Informationspunkt für Besucher sowie ein großer Raum für Veranstaltungen, wechselnde Ausstellungen oder Seminare – aus dem einen Raum können auch drei Räume gemacht werden – befinden sich zudem in diesem Betonbau. 3,7 Millionen Euro hat das Land investiert. Dazu kommen weitere 540 000 Euro für die Konzipierung der Dauerausstellung. Für den Bau des Besucherzentrums gab es Vorgaben vom Landesamt für Denkmalpflege, unter anderem was den Standort betrifft. „Und es durfte nicht mehrstöckig sein und sollte als Neubau erkennbar sein“, erläutert Froese. Insgesamt vier Mitarbeiter werden dort ihren Arbeitsplatz haben.

Gestaltung der Anlagen und Parkplatzbau

In den kommenden Tagen erfolgt der Büroumzug von Magdeburg nach Gardelegen. Ab November soll das neue Dokumentationszentrum für Besucher offen sein. Die Dauerausstellung wird dann zum 75. Jahrestag des faschistischen Massakers vom 13. April 1945 eröffnet werden. Einblicke in die künftige Ausstellung gab es vorab schon mal für die Besucher der Schlüsselübergabe – mittels großer Brille konnten sie in die virtuelle Realität eintauchen. Im November folgt dann noch die Gestaltung der Außenanlagen. Gebaut wird zudem ein Parkplatz mit 15 Pkw-Stellplätzen und einigen Busplätzen sowie einer Wendeschleife an der Rufbushaltestelle.