Salzwedel l „Das ist nicht weniger als ein Meilenstein im Fahrerlaubniswesen in Deutschland“, sagt Dr. Roland Krause, Vorstandsmitglied der Dekra (Deutscher Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein) Dresden und Leiter der Technischen Prüfstelle. Gemeint ist die Optimierte praktische Fahrerlaubnisprüfung in allen Klassen, kurz Opfep. Statt wie bisher auf einem Zettel, dokumentiert der Prüfer nun digital auf einem Tablet, was besonders gut oder schlecht lief. Die Daten können Fahrschüler- und Lehrer im Anschluss einsehen. Und weil nun die Fahraufgaben fünf Minuten mehr Zeit bekommen und sich an die Fahrprüfung noch ein Gespräch mit dem Prüfer anschließt, dauert die Prüfung zehn Minuten länger.

Doch offensichtlich sehen Fahrlehrer in dem Zusammenhang weniger einen „Meilenstein“, sondern finden die Neuerung überflüssig. Der Vorsitzende des Fahrlehrerverbands Sachsen-Anhalt, Wolfgang Prescher: „Eine Relevanz für die Verkehrssicherheit halte ich für ausgeschlossen.“ Die Prüfungsschärfe habe sich durch die Änderungen nicht erhöht, wohl aber die Kosten. So werden statt bisher etwa 90 rund 117 Euro für den Prüfer bei Klasse B (Pkw) fällig. Dazu hat sich die Arbeitszeit für den Fahrlehrer um zehn Minuten verlängert, was sich ebenfalls auf den Gesamtpreis niederschlägt.

Sinn noch unklar

„Die Prüfung ist nur eine Momentaufnahme“, sagt Wolfgang Prescher, weshalb sich daran für ihn keine Steigerung der Verkehrssicherheit ableiten lasse. Vielmehr sei es Aufgabe der hiesigen Fahrlehrer, ihre Schüler in der Fahrschulzeit entsprechend auszubilden.

Das ist auch gängige Praxis von Hans-Werner Schlieker, der in Gardelegen die family-Fahrschule betreibt. Erst wenn er sicher ist, dass der Fahrschüler auf dem richtigen Weg ist und die Prüfung bewältigen könne, melde er ihn dafür an. Allerdings könne er über das neue Prüfungssystem noch nicht viel sagen. „Ich habe noch keine solche Prüfung gefahren, denn wir sind immer noch stillgelegt.“ Während in Niedersachsen und Brandenburg sich die Fahrlehrer sinnbildlich wund arbeiten, sind die in Sachsen-Anhalt als Dienstleister ausgebremst. Er kenne genügend Prüfer, so Schlieker, die schon gesagt haben, dass sie das so nicht wollten und dass das eigentlich Quatsch ist. Das sei so wie beim Bundesverkehrsminister und der Pkw-Maut, stellt der Gardelegener Fahrlehrer einen Vergleich an. Da habe jemand am Schreibtisch einen Geistesblitz gehabt. Es wurde geplant. Es wurden Verträge abgeschlossen. Und am Ende funktioniert es nicht.

Folge: Weniger Prüfungen pro Tag

Eine Verbesserung der Verkehrssicherheit kann er persönlich nicht erkennen. Und eine Auswertung der Prüfung durch den Prüfer habe es auch vorher schon gegeben. Dafür wurde die 45-minütige Prüfung fünf Minuten früher beendet. Wer durchgefallen sei, habe die entscheidenden Punkte noch einmal schriftlich erhalten. Dieses Papier werde nun gespart, da dem Fahrschüler das Protokoll digital zugestellt werde. Da könne er dann zu Hause selbst gucken, was gut oder was schlecht gelaufen sei. Deshalb, so Schlieker, fährt der Fahrschüler aber künftig nicht besser. „Ich sehe noch nicht den großen Sinn dahinter“, erklärte Schlieker. Er lasse sich aber gern eines Besseren belehren. Auch die damalige Umstellung der theoretischen Prüfung von Papier auf Computer habe er zunächst skeptisch gesehen, aber sie habe sich bewährt.

Andreas Thunecke von der gleichnamigen Fahrschule sieht noch ein weiteres Problem. Da die Prüfungen länger werden, können pro Tag weniger Prüfungen gefahren werden. Und es sei auch vorher schon ein Problem gewesen, Prüftermine zu bekommen. Die Fahrschüler, die auf eine Prüfung warten, werden mehr – vor allem jetzt im Lockdown. „Wenn es ab dem 1. März wieder los gehen sollte, was ich hoffe, muss ich zehn Wochen abarbeiten“, machte Thunecke deutlich. Und die Prüfer müssen sich in das neue Programm und Prozedere einarbeiten.

Praxis abwarten

Er findet, erklärte Thunecke, „so, wie es war, war es okay“. Auch zuvor habe der Prüfer die Prüfungsfahrt mit dem Fahrschüler ausgewertet. Das sei nichts Neues. Neu sei nur, dass der Prüfer seine Beobachtungen gleich in das Programm auf dem Tablet einträgt, das die Anforderungen zu den Fahraufgaben detailliert beschreibt und Bewertungskriterien dokumentiert. Also zum Beispiel, wie sich der Prüfling im Kreisverkehr verhält oder ob er alle Vorgaben beim Abbiegen beachtet. Wie das in der Praxis funktionieren soll – Beobachten des Fahrverhaltens und gleichzeitiges Eintragen auf dem Tablet – müsse abgewartet werden. Auch welchen Spielraum der Prüfer in der Bewertung der Prüfung hat. „Wir müssen die Praxis abwarten“, so Thunecke, die hoffentlich nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt.