Gardelegen l „Die Altmark Festspiele sind aus dem kulturellen Leben des Landes Sachsen-Anhalt nicht mehr wegzudenken“, sagt Schirmheer Oskar Prinz von Preußen. Wer hätte das damals im Jahr 2014, als alles mit einem Konzert auf Gut Zichtau begann, für möglich gehalten?

„Wir haben es geschafft, ein Festival ganz ohne Landeshilfe zu etablieren“, sagt Intendant Reinhard Seehafer stolz. Mit seinem Namen sind die Altmark-Festspiele untrennbar verbunden. Und er erinnert sich noch gut an die Anfänge, als sich Gutsbesitzer Hasso von Blücher dafür interessierte, mehr Kultur auf hohem künstlerischem Niveau in den ländlichen Raum zu holen. In dem Magdeburger Dirigenten, Komponisten und Pianisten Reinhard Seehafer, der auch Günder der Europa Philharmonie ist, fand sich der dafür geeignete Macher.

Allein in diesem Jahr 54 Veranstaltungen

Inzwischen steuern die Altmark-Festspiele auf die 200. Veranstaltung zu. Diese wird im Dezember in Form eines Weihnachtskonzertes stattfinden. „Und wir haben insgesamt hervorragende Besucherzahlen“, sagt der Intendant. „Schon jetzt sind es rund 2000 Besucher mehr als 2017.“ Angefangen worden sei übrigens mit etwa 800 Besuchern im ganzen Jahr.

Über 2018 verteilt gibt es insgesamt 54-mal „Kultur an besonderen Orten“. Denn so lautet das Motto der Altmark-Festspiele, die hohe künstlerische Qualität in teils außergewöhnlichen Spielstätten bieten. Das kann eine ausgediente Zuckerfabrik ebenso sein wie ein ehemaliger Rinderstall, eine Burganlage oder ein großer Buchsbaumgarten. Natürlich wird auch in Kirchen, von denen es, gemessen an der Größe der Region, nirgendwo so viele gibt wie in der Altmark, und in Herrenhäusern gespielt.

Und das Programm ist überaus vielfältig und auch international. In diesem Jahr reicht es von einem Auftritt der Regensburger Domspatzen, die gestern in Tangermünde für Furore gesorgt haben, über ein Stummfilmkonzert bis zu musikalischen Lesungen mit bekannten Schauspielern. Und sogar einen Klaviermarathon gibt es demnächst in Salzwedel.

Neuorientierung war nötig

Sitz der Altmark-Festspiele ist jedoch inzwischen Gardelegen. „Denn 2016 mussten wir uns in sehr kurzer Zeit neu orientieren“, und auch wirtschaftlich neu aufstellen, erinnert Reinhard Seehafer, der mit Geschäftsführer Michael Pohl und weiteren Mitstreitern ein engagiertes Team an seiner Seite weiß. Innerhalb weniger Wochen galt es, für die Altmark-Festspiele, die bis dahin von der Stiftung Zukunft Altmark mit Sitz in Zichtau getragen worden waren, eine gGmbH zu gründen und einen neuen Festspielsitz zu etablieren. In Gardelegen laufen nun die Fäden zusammen.

Viele davon hält neben Reihard Seehafer dessen Ehefrau Carmen in den Händen. „Sie ersetzt zehn Arbeitskräfte“, sagt ihr Mann, und weist darauf hin, dass es sich um ehrenamtliches Engagement handelt. Da müssen Sponsoren gesucht und gepflegt, Besucher geworben, Partner für die Ausrichtung von Veranstaltungen gefunden und auch persönliche Wünsche von Künstlern berücksichtigt und umgesetzt werden. „Aber wenn man die überaus positive Resonanz sieht, dann gibt einem das Kraft. Fast jede unserer Veranstaltungen endet mit Zugaben“, sagt Reinhard Seehafer.

Kaum ein Konzert ohne Zugabe

In der Rückschau betrachtet: Welches war für ihn persönlich der bislang beste beziehungsweise fesselndste Auftritt? Da hält es der Intendant wie ein Vater mit seinen Kindern. Er legt sich nicht auf einen ganz bestimmten Liebling fest. „Jede Veranstaltung bedeutet einen gewissen Aufwand an gedanklicher Vorbereitung. Wir konzipieren sie um einen Ort herum und überlegen uns: Wie können wir es schaffen, dass Künstler, Programminhalt und Örtlichkeit eine Einheit bilden?“ Meist gelingt es den Machern der Festspiele, diese Einheit zu schaffen.

Und Seehafers haben in den zurückliegenden Jahren festgestellt, dass auch immer mehr Altmärker ein Interesse an dieser Art von niveauvoller Unterhaltung entwickeln beziehungsweise dieses immer weiter ausbauen. Allerdings gibt es auch viele Anfragen von außerhalb. „Nicht wenige verbinden den Besuch einer Veranstaltung mit einem Besuch in der Region“, weiß Carmen Seehafer, die gemeinsam mit Mitstreitern die Eintrittskarten im Festspielbüro anbietet beziehungsweise sie an andere Verkaufsstellen weiterleitet.

Und diese Karten, sie sind nicht unbedingt billig. „Aber Qualität hat ihren Preis. Die Menschen akzeptieren das“, sagt der Intendant. Die Altmark-Festspiele würden nach wie vor ohne Fördermittel organisiert. Allerdings sei inzwischen auch auf Landesebene erkannt worden, welch kulturelles Juwel es da gebe und welche positiven Auswirkungen es auf den Tourismus habe. Reinhard Seehafer will nicht zu viel sagen, lässt aber durchblicken, dass Gespräche auf Landesebene erfolgen würden. „Aber ohne Sponsoren wird es auch künftig nicht funktionieren“, weiß der 59-Jährige, dem es ein besonderes Anliegen ist, auch den Nachwuchs für Klassik zu interessieren. Deshalb haben Kinder unter 14 Jahren in Begleitung von Erwachsenen stets freien Eintritt, egal, was ansonsten die Karte kostet.