Feuerwehr Hagenau wird sich auflösen

Die Freiwillige Feuerwehr Hagenau muss aufgelöst werden.   Zu wenige aktive Kameraden erklären sich bereit, die Hagenauer Wehr  aufrechtzuerhalten. Der Stadtrat wird sich heute Abend mit dieser Thematik befassen.

Von Doreen Schulze
Packebuschs Ortsbürgermeister Otto Wienecke (Mitte) bedankte sich bei Helmut Bach (links) und Wolfgang Gühne für die 20-jährige Leitung der Freiwilligen Feuerwehr Hagenau. Nun steht diese im 95. Jahr des Bestehens vor der Auflösung.
Packebuschs Ortsbürgermeister Otto Wienecke (Mitte) bedankte sich bei Helmut Bach (links) und Wolfgang Gühne für die 20-jährige Leitung der Freiwilligen Feuerwehr Hagenau. Nun steht diese im 95. Jahr des Bestehens vor der Auflösung. Foto:Doreen Schulze

Hagenau - Betroffenheit im Packebuscher Ortschaftsrat. Zur Auflösung der Freiwilligen Feuerwehr Hagenau im 95. Jahr des Bestehens gibt es keine Alternative. Das machte Wolfgang Gühne, ehemals Wehrleiter in Hagenau (seine Berufung lief im Dezember 2020 aus), deutlich. „So traurig das ist: Wir müssen die Feuerwehr Hagenau sterben lassen. Und das tut mir weh“, äußerte er am Dienstag gegenüber dem Ortschaftsrat Packebusch, der für Hagenau zuständig ist.  Gühne leitete 20 Jahre lang die  Feuerwehr Hagenau.

Für seine Ausführungen vor dem Ortschaftsrat hat er extra noch einmal seine Uniform angezogen. „Vielleicht ist es ja das letzte Mal“, so Gühne.

Er selbst hat das 67. Lebensjahr erreicht und darf laut Gesetzgeber daher nicht mehr am aktiven Feuerwehrdienst teilnehmen. Diese Tatsache, aber auch dass es weniger als zehn aktive Kameraden im Ort gibt (erforderlich sind laut Brandschutzverordnung für eine eigenständige Feuerwehr mindestens 18 aktive Einsatzkräfte), führte schließlich zu der Frage, wie es mit der Feuerwehr weitergehen soll.

Mit „Karteileichen“ sei es in den zurückliegenden Jahren gelungen, die Anzahl der Kameraden nach oben zu korrigieren. „Das machen viele Feuerwehren so“, so der Hagenauer. „Aber seien wir doch mal ehrlich. Wer kommt denn tatsächlich zum Einsatz, wenn die Sirene geht? Wer kommt denn zu den Dienstabenden, zum Gerätedienst?“

Diese Frage stellte er am Wochenende auch den Wehrmitgliedern in Hagenau, die zur internen Beratung zusammenkamen und „Tacheles sprachen“, so Gühne. Letztendlich stellte sich dabei heraus, dass von den derzeit noch sieben tatsächlich aktiven Kameraden   nur noch drei bereit seien, Feuerwehrarbeit in Hagenau zu leisten, schilderte Gühne dem Ortschaftsrat.

Die übrigen seien aber auch krank beziehungsweise stehen ebenfalls kurz vor dem Renteneintritt, räumte Helmut Bach  ein, ehemaliger stellvertretender Wehrleiter in Hagenau (auch seine Berufung ist ausgelaufen). Doch „mit drei Mann kann man keinen Einsatz fahren“, so Gühne.  Für die Feuerwehr Hagenau bedeutet dies nun das Aus.

Der Kalbenser Stadtrat wird sich mit der Auflösung der Feuerwehr befassen.  Packebuschs Ortsbürgermeister Otto Wienecke  äußerte, dass er  beantragen könne, dass diese Beschlussfassung von der Tagesordnung genommen  und während einer späteren Sitzung  debattiert werde. Als Begründung nannte er, dass aufgrund der Corona-Einschränkungen es den Kameraden und der Stadtwehrleitung in den zurückliegenden Wochen nicht möglich war, sich für einen intensiven Austausch diesbezüglich zu treffen. Dies könnte nun nachgeholt werden. Gühne äußerte jedoch, dass die  zeitliche Verschiebung dieses Tagesordnungspunktes nichts an der Tatsache ändere, dass zu wenige Kameraden  zur Verfügung stehen.

„Wer rüber kommen möchte, kann gerne kommen“, lud Dirk Borchert, Ortschaftsratsmitglied und Wehrleiter in Pakebusch, die Hagenauer Kameraden zur Teilnahme am Feuerwehrdienst in Packebusch ein. Doch wie Gühne erklärte, wurde ihm signalisiert, dass daran derzeit kein Interesse bestehe.

 Ortsbürgermeister Otto Wienecke nutzte die Ortschaftsratssitzung, um sich bei Wolfgang Gühne und Helmut Bach für die 20-jährige Feuerwehrleitung zu bedanken – mit Worten und mit einem Umschlag. Er erinnerte daran, dass 2001 die Hagenauer Feuerwehr schon einmal vor der Frage stand, wie es weitergehen soll. Damals erklärten sich beide bereit, die Qualifikation zur Leitung einer Wehr zu absolvieren. Mit Erfolg.  Regelmäßig beteiligte sich die Wehr an Wirkungsausscheiden und erzielte von Mal zu Mal bessere Ergebnisse. 

Und nicht zuletzt war die Feuerwehr auch Motor im Zusammenleben der Dorfbewohner, organisierte beispielsweise das Maibaumaufstellen, das Osterfeuer oder das Dorffest, das alle fünf Jahre ausgerichtet wurde. Nun bleibe abzuwarten, wie das gemeinschaftliche Dorfleben in Hagenau organisiert werde.

Über die Dankesworte freuten sich Gühne und Bach. Sie bedauerten, dass seitens der Stadt und der Stadtwehrleitung bislang noch keine offizielle Verabschiedung für sie erfolgte. Zu vermuten ist, dass dies aufgrund der Corona-Einschränkungen bislang nicht möglich war.