Bauarbeiten

Forschungsprojekt auf der Bundesstraße 188 verkürzt Bauzeit

Weteritzer und Pendler ärgern sich über die Baustelle auf der Bundesstraße 188. Doch entpuppt sich ein dort durchgeführtes Hochschul-Projekt als Glücksfall?

Von Stefanie Brandt
Die Bauarbeiten an der B188 bei Weteritz, ein neues Verfahren wird getestet.
Die Bauarbeiten an der B188 bei Weteritz, ein neues Verfahren wird getestet. Stefanie Brandt

Weteritz - Statt des schnellen Berufsverkehrs rollt dieser Tage etwas langsam über die B 188, das aussieht wie eine überdimensionierte Espressomaschine. Oben wird eine dunkle, körnige Mischung über ein Fließband eingefüllt, unten spritzt zischend eine braune Brühe aus Düsen heraus, bevor eine neue Asphaltschicht darüber aufgetragen wird – das alles bei ohrenbetäubendem Lärm.

Doch Kaffee ist es nicht, was da auf die Straße, konkreter die Asphaltbinderschicht, gespritzt wird, bevor die Asphaltdeckschicht aufgetragen wird. „Es ist eine Emulsion, quasi eine Art Klebstoff“, erklärt Andreas Tempelhof, Pressereferent im Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt. Und um diesen Klebstoff geht es in einem Forschungsprojekt der TU Darmstadt, das im Rahmen der Baumaßnahme bei Weteritz durchgeführt wird.

Ein Trick soll helfen

Tempelhof: „Bisher wurde immer auf die gesamte Baulänge die Emulsion gesprüht, damit diese dann zwischentrocknen kann.“ Das habe den Nachteil gehabt, dass die Lkw, die weiteren Asphalt zum Fertiger – so nennt sich die riesige Maschine, die den Asphalt aufträgt, – brachten, immer wieder über diese Schicht fuhren und sie dabei beschädigten. „Der Trick jetzt ist, dass der Fertiger einen Sprühbalken vorne dran hat, durch den er die Emulsion direkt vor seinem Arbeitsfeld aufsprüht, und den Asphalt dann gleich hinterherschiebt“, erklärt Tempelhof in einfachen Worten.

Der Trick: Direkt vor der Deckschicht wird die Emulsion, die hier als bräunliche Brühe aus den Düsen kommt, auf die Straße gespritzt.
Der Trick: Direkt vor der Deckschicht wird die Emulsion, die hier als bräunliche Brühe aus den Düsen kommt, auf die Straße gespritzt.
Stefanie Brandt

„Wenn das funktioniert, macht es das Bauen extrem schnell. Deswegen jetzt das Forschungsprojekt, um zu gucken, ob es trotzdem funktioniert, dass die Schichten sich gut untereinander verbinden.“ Man würde so jeweils einen Bautag einsparen und die Kleberschicht würde nicht durch die Lkw beschädigt, so dass die Straße länger hält und es perspektivisch weniger Baustellen gibt, guckt Tempelhof optimistisch in die Zukunft.

Damit die Emulsion, die aus flüssigem Bitumen und Wasser besteht, beide Asphaltschichten richtig verbindet, auch ohne Zwischentrocknungszeit, musste an ihrer Zusammensetzung getüftelt werden.

Probleme mit dem Spritzbild

Jens Krause vom Emulsions-Hersteller Esha Straße GmbH berichtet: „Bisher gab es zwei Emulsionen, eine mit 40-prozentigem Bitumengehalt, also mehr Wasser, und eine mit 60-prozentigem Bitumengehalt. Risiko bei der mit viel Wasser ist, dass dieses nicht schnell genug vor dem Walzen entweichen kann und sich Blasen zwischen den Schichten bilden – das ist bei einem ersten Versuch in Bayern geschehen. Bei der 60-prozentigen Emulsion stellte man hingegen fest, dass sie zu dickflüssig ist, so dass sich kein gleichmäßiges Spritzbild ergibt.“

Wie der Managing Director erklärt, habe man daraufhin eine 50-prozentige Emulsion namens ESHABIT C50BP4-S entwickelt. „Das Spritzbild ist schön, der Wassergehalt ist deutlich geringer und wir hoffen, dass wir in der Nachanalyse keine Mikroblasen entdecken.“ Vorgenommen wird diese Analyse durch die TU Darmstadt, die dafür am Montag und Donnerstag jeweils 35 Bohrkerne aus der neu asphaltierten Straße entnehmen wird. Moritz Middendorf, der das Projekt an der Universität leitet, hat dafür am vergangenen Montag einen Probenentnahmeplan erstellt.

Ersparnis von fünf Werktagen

Daniel Hähndel, Fachgruppenleiter Betriebsdienst bei der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt sieht viel positives in der Zusammenlegung von Sanierungsmaßnahme und Forschungsprojekt: „Finanziell bleibt es kostenneutral, aber bauzeitmäßig ergibt sich eine Ersparnis von geschätzt fünf Werktagen bei dieser Maßnahme – einer vor jeder Schicht.“

Zur Kritik an der Baumaßnahme erklärt er, dass diese nötig und schon länger geschoben worden sei – eben weil die Planung der Umleitungsstrecke schwierig war: „Bei dieser Straßenbreite können wir nach den neuen Vorgaben nur mit einer Vollsperrung bauen und die Altmark ist sehr durchsetzt mit Naturschutzgebieten, einem sehr weitläufigen Landesstraßennetz und Kreisstraßen, die oftmals nicht die Qualitäten haben, dass wir dort den Verkehr lang laufen lassen können.“

Ähnliche Umleitungen könnte es in Zukunft öfter geben. Hähndel: „An diese Maßnahmen müssen sich die Leute in der Region in Zukunft öfter gewöhnen, denn irgendwann müssen wir die Strecken anfassen.“

25 bis 30 Jahre Ruhe

Zur Frage, ob die Sanierung in dieser Ausprägung nötig war, erklärt er: „Ich hätte nur die Binderschicht, nicht die Tragschicht anfassen müssen. Das hätte hier vielleicht zwei Wochen eingespart, aber nach fünf bis zehn Jahren hätte man die Straße schon wieder anfassen müssen. Jetzt rechne ich damit, dass wir 25 bis 30 Jahre Ruhe haben.“

Ein Ende der Arbeiten ist auch absehbar. Die Asphaltarbeiten sollten in dieser Woche abgeschlossen sein, dann geht der normale Streckenausbau los: Bankette werden gesetzt, Markierungen aufgebracht. Nach vorsichtigen Schätzungen sollten diese Arbeiten am 26. Juni abgeschlossen sein. Parallel dazu soll der Anschluss an Weteritz wiederhergestellt werden.