Gardelegen l Es ist das erste Treffen dieser Art. Eingeladen hat die Stadt. Thema sind die Friedhöfe. Die Bürger sollten mehr eingebunden werden, so die Intention. Am Ende klingeln den Verantwortlichen am Mittwochabend im Foyer der Willi-Friedrichs-Sporthalle dann aber offensichtlich die Ohren von den harten Worten, die sie hören müssen. Kaum einer derjenigen, die sich zu Wort melden, findet Lob. Dafür gibt‘s Kritik satt. Die fantasielose Gestaltung der Rasenurnengräber ist da noch eines der kleinsten Probleme. Hans-Jürgen Schulz bemängelt die nüchterne Ausführung der in den Rasen eingelassenen Platten. Er hat Fotos mitgebracht vom Magdeburger Westfriedhof, die als gutes Beispiel dienen sollen. Gern nehme sie die mit, versichert Fachbereichsleiterin Isolde Niebuhr. Allerdings erinnert sie auch daran, dass der Gardeleger Friedhof unter Denkmalschutz steht. Da sei nicht alles möglich. „Wir haben die Hecken, die als Begrenzung dienen.“

Und genau die werden dann zum Kritikthema Nummer eins. Mindestens die Hälfte der Heckenpflanzen sei kaputt, und schuld daran sei der Dienstleister, heißt es mehrfach in der Diskussion. Mitarbeiter der Lebenshilfe hätten das zu verantworten, betont unter anderem Reinhold Bartlok aus Gardelegen. Immer schmaler würden die Pflanzen, zudem seien sie im Sommer bei viel zu heißen Temperaturen beschnitten worden. „Der Gardeleger Friedhof ist kein Naturdenkmal mehr, sondern eine richtige Schande.“

Jeder Busch werde „von der Lebenshilfe weggeknüppelt. Die wissen es nicht besser“, aber offenbar fehle die Anleitung, vermutet Bartlok. Und er hat auch noch weitere Kritikpunkte. Angefangen von Hundehaufen auf den Wegen, über unbelehrbare Fahrradfahrer, die „den Mittelweg entlang rasen“, bis hin zu Diebstählen von Grabschmuck. „Da wird dann ein Schild hingestellt und nicht mal abkassiert“, schimpft der Gardeleger, „da wird gestohlen und randaliert, da werden Grabsteine umgestoßen“, das sei alles ganz normal für Gardelegen. „Das ist in keiner anderen Stadt, in keinem anderen Ort so“, so Bartlok. Fachdienstleiterin Isolde Niebuhr versucht einzulenken. Es werde schon kontrolliert, versichert sie, aber man könne nicht überall sein. Und den Hecken hätte vor allem die Trockenheit geschadet.

Bilder

Extreme Trockenheit

Doch die Kritik reißt nicht ab. Der Friedhof sei „ein Bild des Grauens“, meldet sich die Gardelegerin Eveline Karlsch zu Wort. Der Heckenschnitt: „katastrophal“, das Harken: „eine Katastrophe“. „Das kann man anleiten, aber das, was auf unserem Friedhof passiert, hat nichts mit fachlicher Ausführung zu tun.“ Zudem seien die Mitarbeiter der Lebenshilfe „immer laut“, verbal oder mit ihren Maschinen. Der Friedhof sei aber ein Ort des Besinnens „und sollte kein Ort sein, wo man sich ärgern muss.“ Die Stadt, so finde sie, habe eindeutig den falschen Dienstleister beauftragt: „Sie sparen an der falschen Stelle!“

An dieser Stelle schaltet sich dann allerdings Bürgermeisterin Mandy Zepig ein, denn „die Stadt spart gar nicht“, macht sie klar. Schließlich würden die Kosten umgelegt auf die Nutzer der Grabstätten. Und auch persönlich bricht Zepig eine Lanze für den Friedhof. Sie selbst würde sich gern hier beisetzen lassen, versichert sie. „Ich finde unseren Friedhof schön.“ Was ihr indes nicht gefalle, sei der „Unterton“ mancher Beiträge, der suggeriere, „dass die Lebenshilfe das nicht kann.“ Denn das sei falsch: „Die Lebenshilfe hat die Ausbildung für diese Arbeiten.“ Allerdings schickt sie die Bürger am Ende auch mit einem Versprechen nach Hause: Die Kritikpunke der Veranstaltung würden natürlich ausgewertet, versichert Zepig.