Gardelegen l Es gibt sie noch, die ehrlichen Finder. In der Gardeleger Stadtverwaltung führt man sogar Buch über sie. Denn im dortigen Fundbüro werden in jedem Jahr zahlreiche Gegenstände entgegengenommen. „Brillen sind häufig darunter, aber auch Brieftaschen oder Smartphones“, zählt Jutta Albat auf. Sie kümmert sich im Einwohnermeldeamt, Zimmer 05, nämlich unter anderem um die Fundsachen. Und sie schaut sich die abgegebenen Sachen dann auch erst einmal genau an. Denn so ein Handy oder eine Geldbörse enthalten ja oft auch Hinweise auf den Besitzer. Sind in einer Brieftasche Personaldokumente, ist die Zuordnung natürlich leicht. „Dann schreiben wir die Eigentümer sofort an“, versichert Albat. Ebenso funktioniert das bei abgegebenen Dokumenten, auch wenn der Besitzer nicht in Gardelegen wohnt. Dann wird vom Amt die ausstellende Behörde informiert und das Dokument auch dorthin geschickt.

Die Mitarbeiter des Einwohnermeldeamtes übernehmen in dem Fall gleichzeitig die Aufgabe von Datenschützern. „Einige haben ja die Online-Funktion ihres Personalausweises aktiviert“, erinnert Albat. Mit dem Dokument kann sein Besitzer zum Beispiel im Internet einkaufen oder elektronische Briefe mit einer digitalen Unterschrift versehen. Um einem Missbrauch vorzubeugen, wird diese Funktion sofort gesperrt.

Handybesitzer werden angerufen

Auch bei abgegeben Handys funktioniert die Kontaktaufnahme zum Besitzer manchmal problemlos: Wenn es eingeschaltet und nicht passwortgeschützt ist, folgt einfach ein Anruf an die gespeicherte eigene Nummer. Die Freude beim Besitzer ist dann meist groß. „So ein Handy ist ja oft nicht nur ein Telefon, sondern ein halbes Leben“, sagt Jutta Albat schmunzelnd.

Überhaupt kann sie den Besitzern von abgegebenen Fundgegenständen oft eine Freude machen. Ziemlich schade findet sie es allerdings, wenn die Nachfrage nach einem abgegebenen Fundstück ausbleibt. So seien zum Beispiel im vergangenen Jahr ein Bobby-Car und ein Dreirad im Fundbüro abgegeben worden. „Und die müsste doch eigentlich jemand vermissen“, sagt Albat kopfschüttelnd. Offenbar ist das Vertrauen in die Ehrlichkeit ihrer Mitbürger bei vielen nicht ausgeprägt.

Nachfragen lohnt sich

Dabei lohnt sich das Nachfragen oft. Sogar, wenn man es gar nicht vermutet. So wurden im vergangenen Jahr zum Beispiel Portemonnaies mit teilweise hohen Geldbeträgen abgegeben, versichert Albat. Dank der ebenfalls vorhandenen Hinweise konnten die Eigentümer auch in jedem Fall benachrichtigt werden.

Nicht in jedem Fall gab es dagegen ein Dankeschön für den ehrlichen Finder. „Und das tut mir dann immer in der Seele weh“, sagt die Fundbüroverantwortliche. Ein Fall ist ihr dabei besonders in Erinnerung geblieben. Da hatte ein Bürger „mit bekanntermaßen sehr kleinem Einkommen“ eine Brieftasche mit einem hohen Geldbetrag abgegeben. Und der Besitzer hatte sich im Nachgang nicht einmal mündlich gemeldet, geschweige denn mit einer kleinen Aufmerksamkeit.

Dabei hätte der Mann laut Gesetz sogar einen Anspruch auf Finderlohn gehabt.

Nach einer Aufbewahrungsfrist kann ein Finder gegen die Zahlung von 15 Prozent des Wertes eines Gegenstandes sogar Eigentümer werden. Diese Möglichkeit wird jedem Finder auch erläutert. „Viele legen aber keinen Wert darauf“, sagt Jutta Albat.

Wenn ein Fundstück, außer Handys und Dokumente, nicht abgeholt wird und der Finder es nicht haben will, wird es im Regelfall öffentlich versteigert. Der Erlös kommt dann, abzüglich einer Verwaltungspauschale, gemeinnützigen Einrichtungen in der Region zugute. Und wenn sich die Versteigerung nicht lohnt? „Dann werden die Sachen entsorgt“, klärt Albat auf. Sofort vernichtet werden zudem verderbliche Sachen, wie Lebensmittel.

Und das trifft wohl auch auf das kurioseste Fundstück im vorigen Jahr zu: ein Rucksack mit vollen Schnapsflaschen. Auch dessen Besitzer hat sich bis jetzt nicht gemeldet.